Baden-Württemberg So viel verdienen Pflegekräfte im Land

Zeit für den Pflegebedürftigen bleibt oftmals nicht – der Arbeitsdruck bleibt hoch. Foto: Imago/Westend61

Die Einkommen der Pflegekräfte werden angehoben. Gerade in Baden-Württemberg wird im bundesweiten Vergleich gut bezahlt.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Corona hat den Gesundheits- und Pflegesektor aus seinem Schattendasein geholt und alle Welt auf die Belastungen der Beschäftigten aufmerksam gemacht. Die als Folge der Pandemie befürchtete Kündigungswelle fiel jedoch aus. Tatsächlich hat die Zahl der Pflegekräfte von 2016 bis 2021 in erheblichem Umfang zugenommen, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jüngst in einer Studie aufgezeigt hat.

 

Fluktuation ist nach wie vor groß

Insgesamt ist die Zahl sozialversicherungspflichtiger Fach- und Hilfskräfte in Pflegeberufen von 2016 bis 2021 um 80 000 Personen (8,5 Prozent) gestiegen. Fast um ein Drittel wuchs die Zahl der Pflegehilfskräfte in der ambulanten Pflege, während die Zahl der Fachkräfte in Krankenhäusern und der ambulanten Pflege um fünf Prozent zunahm. Nur in Heimen nahm sie leicht ab. Die Einrichtungen hätten aber Probleme, ihre Leute zu halten, stellt das IAB fest. Nach zwei Jahren hätte fast jede vierte Fachkraft in der ambulanten Pflege den Betrieb gewechselt.

Wenig Personal, hoher Zeitdruck, körperlich und psychisch anstrengende Arbeit, Schichtdienst: Dieser Berufsstand muss einiges einstecken. Doch immerhin haben sich die Verdienstmöglichkeiten deutlich verbessert. Nach vielen Jahren geringer Wertschätzung macht sich wachsende Anerkennung nun auch finanziell bemerkbar. Dies lässt sich auf mehreren Ebenen feststellen.

So sind 2023 die durchschnittlichen Stundenlöhne in den tarifgebundenen Pflegeeinrichtungen im Südwesten auf 21,30 Euro pro Stunde gestiegen, wie eine Auswertung der AOK Baden-Württemberg zeigt. Die Spanne reicht von 17,81 Euro pro Stunde für Hilfspersonal bis zu 24,02 Euro für Fachkräfte. Hinzu kommen jeweils noch eine Reihe von Zulagen.

„Im bundesweiten Vergleich mit am besten bezahlt“

Seit September 2022 muss eine Pflegeeinrichtung, um als solche zugelassen zu sein, selbst tarifgebunden sein oder ihre Kräfte mindestens nach dem „regional üblichen Entlohnungsniveau“ bezahlen. Gemeldet werden die Daten an die Landesverbände der Pflegekassen. Das Entlohnungsniveau wird aus den Tarifverträgen ermittelt und darf im jeweiligen Bundesland nicht unterschritten werden. „Mitarbeitende von Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg, die dieses Niveau anwenden, werden im bundesweiten Vergleich mit am besten bezahlt“, sagt ein Sprecher der AOK.

AOK bei 2900 zugelassenen Pflegeeinrichtungen federführend

Bei 2900 von insgesamt 4000 zugelassenen Pflegeeinrichtungen im Land hat diese Krankenkasse die Federführung. Rund zwei Drittel dieser Einrichtungen haben eine echte Tarifbindung oder lehnen sich an den Tarifvertrag an. Ein Drittel der Einrichtungen hat eine Durchschnittsanwendung nach dem regional üblichen Entgelt gemeldet.

Pflegemindestlohn steigt in mehreren Stufen

Goldstandard aller Tarifabkommen ist der Tarifvertrag im öffentlichen Dienst, kurz TVÖD Pflege. Dort sind die Grundgehälter zum 1. März um mindestens 340 Euro im Monat gestiegen – oft im zweistelligen Prozentbereich. Eine examinierte Altenpflegekraft mit mindestens dreijähriger Ausbildung erreicht damit in Entgeltgruppe P 7, Stufe 2, ein Bruttogehalt von 3305 Euro – was eher am unteren Ende der Einkommensskala liegt. Allerdings machen die kommunalen Pflegeheime lediglich fünf Prozent des gesamten stationären Altenpflegemarktes aus.

Zur Verbesserung tragen daher auch die um bis zu 14 Prozent angehobenen Mindestarbeitsbedingungen bei. Zum 1. Mai sollen Pflegefachkräfte mindestens 19,50 Euro pro Stunde, qualifizierte Pflegehilfskräfte mit einjähriger Ausbildung 16,50 Euro und Hilfskräfte 15,50 Euro erhalten. In einem zweiten Schritt soll der Mindestlohn zum 1. Juli 2025 auf 20,50 Euro für Fachkräfte, 17,35 Euro für qualifizierte Hilfskräfte und 16,10 Euro für an- und ungelernte Kräfte klettern.

1,3 Millionen Beschäftigte arbeiten in Einrichtungen, die unter den Pflegemindestlohn fallen. Nach Verdi-Angaben verdienen examinierte Kräfte von Juli 2025 an bei einer 39-Stunden-Woche monatlich wenigstens 3476 Euro, mit einer mindestens einjährigen Ausbildung kommen sie auf 2942 Euro und ohne Ausbildung auf 2730 Euro.

Frauenanteil von über 80 Prozent

Teilzeithochburg
 Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu den Pflegeberufen beträgt der Anteil von Frauen sowohl bei den Fach- als auch bei den Hilfskräften über 80 Prozent. Der Teilzeitanteil im Gesundheits- und Pflegebereich ist zwar leicht gesunken, war 2021 aber je nach betrachteter Gruppe mit Werten zwischen 40 Prozent und mehr als 70 Prozent immer noch sehr hoch.

Migranten
 Der Anteil der Beschäftigten mit ausländischer Nationalität ist im Zeitverlauf deutlich gestiegen – der überwiegende Part des Beschäftigungsanstiegs geht auf diese Personengruppe zurück. 

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Pflege Mindestlohn