Verbundschulen Mehrere Schularten unter einem Dach

Die Freie Evangelische Schule bietet im weiterführenden Bereich einen Realschul- wie einen Werkrealschulzweig an. Foto: Achim Zweygarth
Die Freie Evangelische Schule bietet im weiterführenden Bereich einen Realschul- wie einen Werkrealschulzweig an. Foto: Achim Zweygarth

In Verbundschulen wird den Schülern der Übergang von einer Schulart in eine andere vereinfacht. Die BiL-Schulen sowie die Freie Evangelische Schule haben guten Erfahrungen mit dem System gesammelt.

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Stuttgart - Wenn Eltern und Kind die Entscheidung zwischen zwei benachbarten weiterführenden Schularten schwer gefallen ist, können Verbundschulen eine Alternative darstellen. Weil in diesen Schulen zwei oder drei Schularten unter einem Dach vereint werden, wird den Schülern der Wechsel von einer Schulart in die andere erheblich einfacher gemacht.

In Stuttgart gibt es insgesamt sieben solcher Verbundschulen. Die städtische Jörg-Ratgeb-Schule ist ein Zusammenschluss von Gymnasium, Realschule und Gymnasium. Ein gymnasialer Zweig wie auch ein Realschulzweig werden von den Privatschulen Ulrich-Walter-Schule, den BiL- Schulen sowie der Waldschule Degerloch angeboten. Auch dem Evangelischen Mörike-Gymnasium ist eine Realschule angegliedert. Die Freie Evangelische Schule (FES) sowie die Torwiesenschule bieten die Schultypen Realschule und Werkrealschule beziehungsweise Hauptschule an.

Nach der sechsten Klasse sollte Entscheidung gefallen sein

In den Verbundschulen werden die Kinder in der fünften und sechsten Klassenstufe in der Schulart unterrichtet, in der sie von den Eltern angemeldet wurden. Manfred Ehringer, der als ehemaliger Leiter des Staatlichen Schulamts heute ehrenamtlich im Leitungsteam der BiL-Schulen tätig ist, bezeichnet diese Phase als „Bewährungszeit“. Die Durchlässigkeit sei in diesen beiden ersten Schuljahren besonders groß. Das heißt, die Schüler haben in dieser Zeit die Möglichkeit, von der einen in die andere Schulart zu wechseln. Bevor der Wechsel stattfindet, können die Schüler der BiL-Schulen in die jeweils andere Schulart „hineinschnuppern“, wie BiL-Geschäftsführer Muammer Akin berichtet.

Mit dem Beginn der siebten Klasse sollte die Entscheidung für die eine und gegen die andere Schulart dann jedoch gefallen sein, sagt Carmen Behling, Schulleiterin der Freien Evangelischen Schule: „In höheren Klassen raten wir von einem Wechsel ab.“ Lediglich in Einzelfällen sei ein Wechsel nach der siebten Klasse sinnvoll.

Damit der Schüler beim Übergang von der einen in die andere Schulart nicht alleine gelassen wird, erhalten sowohl die Gymnasiasten als auch die Realschüler an den BiL-Schulen eine individuelle Förderung. Auch an der Möhringer FES werden Schüler, die von der Realschule in die Werkrealschule wechseln, in Form von individuellem Förderunterricht betreut.

In manchen Bereichen werden Schularten miteinander vernetzt

Der größte Vorteil des Systems Verbundschule liegt darin, dass Schüler von den Lehrern besser beobachtet, eingeschätzt und individuell gefördert werden können. „Die Kinder haben denselben Schulweg, dasselbe Umfeld, und auch die Mitschüler und Lehrer sind ihnen bekannt. Für die Schüler gibt es also kaum seelischen Stress“, weiß Bärbel Golze, Leiterin des Realschulzweigs an der FES, aus Erfahrung. Carmen Behling sieht noch einen weiteren Vorteil: „Wenn Konzepte entwickelt werden, dann werden sie gleich für beide Schularten entwickelt.“ Auch was die Bürokratie anbelangt, sei der innerschulische Wechsel von einer in die andere Schulart vergleichsweise unproblematisch.

In den Bereichen, in denen es möglich ist, werden die Schularten sowohl an den BiL-Schulen als auch an der Freien Evangelischen Schule miteinander vernetzt. „Im Fach Sport oder Schwimmen kommt es in den unteren Klassen vor, dass Schüler beider Schularten gemeinsam unterrichtet werden“, erzählt Akin. An der FES betrifft die Kooperation nach Aussagen der Schulleiterin Behling das Methodentraining, die Andachtskonzepte, Arbeitsgemeinschaften sowie den Besuch von Berufsmessen.

Die BiL-Schulen haben mit den vereinfachten Wechselmöglichkeiten, die das Konzept einer Verbundschule bietet, gute Erfahrungen gemacht. „Letztes Jahr waren ein Drittel der Abiturienten ehemalige Realschüler“, berichtet Akin. Auch die FES habe „sehr gute Ergebnisse“ erzielt, wie Behling berichtet: „Eine Schülerin, die in der Werkrealschule eingeschult wurde, hat nun als eine der besten den Realschulabschluss absolviert.“

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