Verdacht auf Giftköder Internet-Warnung schreckt Böblinger Hundebesitzer auf

Ein Schild am Tierschutzheim soll Hundehalter auf die Gefahr hinweisen. Foto: S/efanie Schlecht

Am Böblinger Tierschutzheim und Kreistierheim findet ein Spaziergänger am Freitagmorgen Hundefutterdosen mit Pulver. Der Verdacht auf Giftköder steht im Raum. Tierfreunde sind alarmiert.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Es ist der Albtraum aller Hundebesitzer: Der eigene Vierbeiner schnüffelt am Wegesrand, findet etwas, frisst es und bricht daraufhin zusammen. Gleich kommt der Verdacht hoch, es könnte sich um Giftköder handeln. In Böblingen steht diese böse Vermutung wieder einmal im Raum, seit ein Spaziergänger mit Hund am Freitag ausgerechnet am Tierschutzheim und dem Kreistierheim in der Herrenberger Straße etwas Verdächtiges gefunden hat.

 

Wie das Tierschutzheim und das Kreistierheim auf ihren jeweiligen Facebook-Auftritten mitteilen, wurden dort „Futterdosen sowie Futterportionen mit verdächtigen Substanzen entdeckt“. Weil nach Einschätzung der Tierfreunde die Vorgehensweise, nämlich Hundefutter mit Pulver zu versehen, auf einen Giftköder hinweisen könnte, haben sie am Freitagmorgen online auf die möglicherweise gefährlichen Funde rund um ihre Gelände aufmerksam gemacht.

Futterdosen wurden nicht der Polizei übergeben

Ein Tierheim-Mitarbeiter erklärt, dass offene Hundefutterdosen beziehungsweise Fleischportionen mit Pulver oder Granulat am Wegesrand aufgesammelt worden seien. Die Meldung an das benachbarte Tierschutzheim habe ein Gassigänger gemacht. Da der Hundebesitzer die Dosen aber vermutlich selbst entsorgt hat, wurden die Futterportionen nicht der Polizei zu weiteren Untersuchungen übergeben. Meldungen darüber, dass ein Hund von dem vielleicht ausgelegten Futter gefressen habe und zu Schaden gekommen sein könnte, existierten am Freitag keine.

Trotz des auffälligen Fundes kann das Polizeipräsidium Ludwigsburg, das auch für den Landkreis Böblingen verantwortlich ist, die mögliche Giftködermeldung von der Herrenberger Straße nicht bestätigen. Offenbar hat niemand den potenziellen Giftköder zur Anzeige gebracht. „Der Vorfall ist bei uns nicht bekannt, weder beim Polizeirevier Böblingen noch beim sachlich zuständigen Arbeitsbereich Gewerbe und Umwelt“, heißt es nach einer Anfrage unserer Zeitung aus der Pressestelle der Polizei.

Giftköder-Warnungen sind an der Tagesordnung

Auch wenn über speziell für Hundebesitzer konzipierte Apps oder in Gruppen auf Facebook oder Messengersystemen täglich über verdächtige Futterfunde berichtet und gewarnt wird, scheint die endgültige Anzahl von bestätigten Giftködern im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidium Ludwigsburg eher gering zu sein. „Es werden regelmäßig Mitteilungen über vermeintliche Hundefressköder bei der Polizei registriert“, sagt Steffen Grabenstein, Polizei-Pressesprecher. Zu beachten sei allerdings, dass verdächtige Funde im Regelfall als „Giftköder“ bezeichnet würden, obwohl zumeist kein konkreter Nachweis – zum Beispiel durch einen Tierarzt – besteht.

So wird es größtenteils auch mit den 43 Meldungen von Giftköderfunden aus dem Kreis Böblingen sein, die Bürger innerhalb der vergangenen zwölf Monate angezeigt haben. „Grundsätzlich ist der Nachweis einer Vergiftung, ohne dass ein Fressköder oder aber Erbrochenes oder abgesetzter Kot untersucht wird, sehr schwierig“, erläutert Grabenstein. Tatverdächtige zu ermitteln, die tatsächlich mit vergifteten oder gefährlich präpariertem Futter Hunden geschadet haben, sei noch schwieriger.

Gefahr für die Tiere lauert aber nicht nur durch mit Gift, Nägeln oder Rasierklingen versehene Wurststücke, sondern auch durch an Ratten- oder Mäusegift verendete Nager, die Hunde aufnehmen können. Auch bei der sogenannten „Sekundärvergiftung“ besteht für Hunde potenziell Lebensgefahr.

So bleibe Hundebesitzern bei ihren täglichen Gassigängen nur eine Möglichkeit: Immer ein Auge auf den Vierbeiner haben, um eingreifen zu können, wenn dieser bei einem Spaziergang etwas findet und frisst.

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