Verdi-Chef Frank Bsirske geht in Rente – mit 67

Immer noch angriffslustig: Verdi-Chef Bsirske will weitermachen. Foto: dpa
Immer noch angriffslustig: Verdi-Chef Bsirske will weitermachen. Foto: dpa

Kaum ein Thema hat die Gewerkschaften so auf die Barrikaden gebracht, wie die Rente mit 67. Verdi-Chef Frank Bsirske allerdings will diese umstrittene Lebensarbeitszeit voll ausschöpfen.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Berlin - Keine politische Entscheidung der Vergangenheit ist den Gewerkschaften so verhasst wie die Rente mit 67. Auch Frank Bsirske hat die Ausweitung der Lebensarbeitszeit oft als Irrweg gegeißelt. Für viele Krankenschwestern, Stadtbahnfahrer, Müllwerker oder Kita-Erzieherinnen sei schon ein Ausstieg mit 65 Jahren kaum erreichbar – daher sei die Regelung im Kern ein Rentenkürzungsprogramm. Zudem werde dadurch den jüngeren Menschen der Berufseinstieg blockiert, so die Argumentation.

Für Gewerkschaftsvorsitzende ist alles anders: Der 61-jährige Frank Bsirske hat nun im „Handelsblatt“ seine Bereitschaft zur Rente mit siebenundsechzigeinhalb verkündet: „Ich kann mir durchaus vorstellen weiterzumachen.“ Dazu müsste er sich lediglich beim Verdi-Bundeskongress im September 2015 für eine weitere Amtszeit wiederwählen lassen. Dass die Basis ihn halten will, ist derzeit nicht zu bezweifeln. Bsirske ist Mr. Verdi – der politische Kopf. Fünfmal haben sie ihn schon gewählt, die fünf Monate in der Vorgängerorganisation ÖTV eingerechnet. Seither hat sich keine ernsthafte Alternative angeboten.

Nun wäre das nicht weiter aufregend, wäre die Rente mit 65 nicht gewerkschaftsintern eine politisch korrekte Marke, die nicht überschritten werden soll. Unvergessen ist der Bundeskongress des Gewerkschaftsbundes, als die damalige DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer 62-jährig mit dem Verweis auf ihr Alter hinausgedrängt wurde. Auch DGB-Chef Michael Sommer (61) mag nächstes Jahr kein drittes Mal kandidieren, um die Schwelle nicht zu überschreiten. Ebenso wird wohl der IG-Metaller Berthold Huber im Herbst den zugesagten Verjüngungsprozess forcieren – und sich mit 63 Jahren zurückziehen.

Repräsentables Führungspersonal ist ohnehin rar in den Gewerkschaften. Die meisten Vordenker versäumen es, geeignete Nachfolger aufzubauen und der alternden Gewerkschaftsbewegung ein jüngeres Gesicht zu verleihen. Im Herbst 2019 wäre Bsirske 19 Jahre lang die Nummer eins. Dieser Wert ist keineswegs Spitze: „Nahrung-Genuss“-Vormann Franz-Josef Möllenberg (59) zieht im Herbst nach 21 Jahren einen Schlussstrich. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel (60) hingegen will noch vier Jahre dranhängen; 2017 wäre er dann 22 Jahre im Amt.




Unsere Empfehlung für Sie