InterviewVerein Schwabenstein in Stuttgart „Das Lego-Haus hat viele Wohnungen“

Von Andrea Jenewein 

Warum beim Lego-Bauen „der Steinbedarf gleich Steinbestand größer gleich minus eins ist“. Das erklären Daniel Schäfers und Andreas Reikowski vom Verein Schwabenstein 2x4 im Interview.

Die Stadtbibliothek aus  Legosteinen. Foto: Lichtgut/Verena Ecker 11 Bilder
Die Stadtbibliothek aus Legosteinen. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Stuttgart -

Kann man bei Ihnen zu Hause über den Teppich laufen, ohne auf Lego-Steine zu treten?

Reikowski: Der Boden in meinem Atelier ist frei, Steine liegen da nicht rum. Die sind alle in durchsichtige Plastikboxen einsortiert.

Schäfers: Ich habe in unserer Wohnung ein separates Lego-Zimmer. Auch da liegen selten Lego-Steine auf dem Boden. Eher die Duplo-Steine von meinem Sohnemann. Nur wenn ich am kreativen Bauen bin, dürfen die Steine auch mal auf dem Boden liegen.
Wie viele Lego-Steine haben Sie jeweils privat zu Hause? Zählt man die?
Schäfers: Man zählt sie nicht. Das macht man als Kind oder Jugendlicher. Heute bemisst sich das in großen 66-Liter-Eurokisten, da sind es geschätzt zehn Kisten voll.
Reikowski: Ich habe meine Steine auch nicht gezählt. Die Lego-Bauer interessiert am wenigsten, wie viele Lego-Steine sie verbaut haben. Sie haben immer einen zu wenig, denn die Formel lautet: Steinbedarf gleich Steinbestand größer gleich minus eins.
Schäfers: Ja, das kann jeder Lego-Künstler, wie wir uns nennen, bestätigen.
Mit Lego zu bauen ist also eine Kunst?
Schäfers: Ja, denn Lego ist nur eine andere Form, sich auszudrücken, seine Kreativität einem Publikum zu zeigen.
Reikowski: Der Kunst ist es egal, welches Medium man nimmt – und bei uns ist es eben Lego. Es kommt auf den künstlerischen Ausdruck an: auf das, was ich damit sagen will.
Was für Voraussetzungen braucht man?
Reikowski: Man muss mit Lego bauen wollen und Spaß daran haben. Dann kommt der Rest von allein. Ich kenne viele, die sagen: Ich kann nicht kreativ bauen, sondern nur Sets. Oder andersrum. Das Haus von Lego hat viele Wohnungen. Und so viele Wohnungen es gibt, so viele Arten gibt es, sich mit Lego auseinanderzusetzen.
Schäfers: Ich würde hinzufügen, dass Geduld ein großer Faktor ist. Man muss mit Rückschlägen um­gehen können und daraus lernen. Zudem braucht man das nötige Kleingeld.
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