Verfassungsschutzbericht Kritik von Islam-Experten

Von dpa 

Islam-Experten haben die Zahl der im Verfassungsschutzbericht als Islamisten bezeichneten Menschen infrage gestellt. Die Bundesregierung habe überraschend wenig Erkenntnisse über die Syrien-Rückkehrer, so der Islam-Experte Werner Schiffauer

Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnte bei der Vorstellungs des Verfassungsschutzberichts am Mittwoch vor islamistischen „Gotteskriegern“. Foto: dpa
Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnte bei der Vorstellungs des Verfassungsschutzberichts am Mittwoch vor islamistischen „Gotteskriegern“. Foto: dpa

Berlin - Islam-Experten haben die Zahl der im Verfassungsschutzbericht als Islamisten bezeichneten Menschen infrage gestellt. Der Erlanger Islamexperte Jörn Thielmann sagte am Mittwoch in Berlin, allein 31 000 gehörten zur islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, die seit Beginn ihrer Existenz in Deutschland noch nie durch Gewalt aufgefallen seien. Im Verfassungsschutzbericht der Bundesregierung wird das „islamistische Personenpotenzial“ in Deutschland aktuell mit gut 43 000 angegeben.

Thielmann wies darauf hin, dass Hamburg und Bremen - anders als der Bund - die Organisation Milli Görüs in ihren Berichten nicht mehr aufführten.

Regierung habe wenig Erkenntnisse über Syrien-Rückkehrer

„Das Islamismuspotenzial wird aufgeblasen“, kommentierte der Kulturwissenschaftler und Islam-Experte Werner Schiffauer aus Frankfurt/Oder. „Durch dieses In-die-Ecke-stellen verhindert man, dass die islamischen Gemeinden mit ins Boot geholt werden, um gemeinsam gegen Radikalisierung vorzugehen.“

Er vermisse zudem genauere Informationen über die Syrien-Rückkehrer, sagte Schiffauer. Es bleibe unklar, wie viele tatsächlich an Kämpfen beteiligt gewesen seien oder nur humanitäre Hilfe geleistet hätten. Nach seiner Einschätzung hat die Bundesregierung überraschend wenig Erkenntnisse über die rund 100 Rückkehrer.