Vergewaltigungsfall aus Marbach vor Gericht Hat Mann eine Frau mit dem Messer gefügig gemacht?

Vergewaltigung oder einvernehmlicher Sex? Das Landgericht muss entscheiden. Foto: dpa/Marijan Murat

Vor dem Landgericht Heilbronn sind neue Details der mutmaßlichen Entführung und Vergewaltigung einer 18-Jährigen in Marbach ausgesagt geworden.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

War es einvernehmlicher Sex oder mehrmalige brutale Vergewaltigung? Diese Frage muss das Landgericht Heilbronn im Fall des angeklagten 38-Jährigen aus Marbach klären. Der Mann soll eine 18-Jährige im Juni vorigen Jahres aus einer psychiatrischen Klinik in Stuttgart entführt haben. Stimmt die Darstellung der jungen Frau, ist sie tagelang in einer Kellerwohnung gefangengehalten und gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden. Am dritten Verhandlungstag traten neue Details zutage.

 

Das mutmaßliche Sexualopfer ist abgetaucht

Die Strafkammer bemüht sich seit Wochen darum, das mutmaßliche Sexualopfer für eine Aussage in den Gerichtssaal zu bewegen. Die 18-Jährige ist jedoch abgetaucht. So bleibt vorerst unklar, ob sie aus Angst oder einem Schamgefühl fernbleibt oder ob sie gar bereut, den Mann mit ihren polizeilichen Aussagen nach dessen Festnahme zu Unrecht schwer belastet zu haben. Zuletzt soll sich die Gesuchte in Frankreich, Spanien und Holland aufgehalten haben. Ob sie sich damit einen Gefallen tut, darf stark bezweifelt werden. Das Gericht bietet ihr an, sich einer medizinischen Sachverständigen anzuvertrauen und am 25. März auszusagen.

Ein Faktor dürfte die starke Angst der Frau vor dem Angeklagten sein. Denn der habe ständig ein Messer bei sich getragen und ihr während der Entführung mit Handbewegungen vor Augen geführt, was ihr drohe, wenn sie zu fliehen versuche: eine durchschnittene Kehle. So beschrieb es der Polizeioberkommissar der Kripo Stuttgart, der die Ermittlungen damals leitete und die 18-Jährige vernahm. „Sie erzählte, noch im Schlaf habe er Stichbewegungen in Richtung des Bauchs gemacht.“

Hat ein abgerissenes Haar der jungen Frau Beweiskraft?

Die Aussagen hält der Polizist für glaubwürdig. Auch der Fund eines schwarzen Haares der Frau mit Haarwurzel unter der Treppe, wo die erste Vergewaltigung stattgefunden haben soll, deutet der Ermittler als Indiz für ein gewaltsames Vorgehen. „Es muss herausgerissen worden sein.“ Eine Annahme, die von der Anwältin des 38-Jährigen nicht geteilt wird. So etwas könne auch beim Kämmen passieren oder beim Hängenbleiben mit den Haaren.

Unterschiedlich bewerten Staatsanwaltschaft und Verteidigung auch die Videoaufnahmen, in denen der mutmaßliche Entführer und sein Opfer an einem Haus in Marbach gefilmt wurden. Der Polizist sieht den Gesichtsausdruck der jungen Frau als „nervös-ängstlich“ und „sich hektisch umblickend“ an. Die Anwältin sprach hingegen davon, dass die Frau gelacht habe.

Harter Sex: „Er hat mich wie ein Dreckstück liegengelassen“

Die Art wie der 38-Jährige mit der Frau sexuell umgegangen sei, soll nach den Beschreibungen der 18-Jährigen hart und brutal gewesen sein. „Er hat mich wie ein Dreckstück liegenlassen“, zitierte der Richter aus den Akten. Der Polizist ergänzte: Bei der Fahrt mit der S-Bahn nach Marbach habe sie nach unten schauen müssen. Auch habe er sie gezwungen, den Schmuck abzulegen. Schon in der Klinik soll er sie angeherrscht haben, keine Zeit mit anderen Männern – es waren Patienten im Außenbereich – zu verbringen.

Einblicke in die schwierige Entwicklung der 18-Jährigen boten die Aussage der ehemaligen Pflegemutter. Ihre leibliche Mutter sei drogenabhängig gewesen und musste die drei Töchter abgeben. Die 18-Jährige ist die Älteste und sei psychisch sehr „instabil“ gewesen, habe keine Grenzen setzen können. Sie vertraue sich Menschen an, die ihr schadeten – in einem der letzten Telefonate habe sie erzählt, sie nehme Kokain. Die Ärzte hatten während eines Klinikaufenthalts eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Das Gericht will nun versuchen, die junge Frau zu erreichen – möglicherweise liegt darin für die 18-Jährige eine Riesenchance.

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