Verhandlung über Bombendrohung in Ludwigsburg Ex-Feuerwehrmann bestreitet alle Vorwürfe

Von Yannik Buhl 

Er hat für einige Stunden die Innenstadt von Ludwigsburg lahmgelegt. Ein Feuerwehrmann soll eine Bombendrohung inszeniert haben, um nicht länger Dienst bei den Schlossfestspielen schieben zu müssen. 

Die Polizei ist mit drei Sprengstoffspürhunden und zahlreichen Beamten im Einsatz. Foto:  
Die Polizei ist mit drei Sprengstoffspürhunden und zahlreichen Beamten im Einsatz. Foto:  

Ludwigsburg - In sich eingesunken, die Arme vor der Brust verschränkt, sitzt der ehemalige freiwillige Feuerwehrmann auf der Anklagebank des Nürtinger Amtsgerichts. Ein schlaksiger, nicht sehr großer 21-Jähriger. Nervös kaut er Kaugummi. Außer seinem Vater, seiner Stiefmutter und einem Freund ist an diesem Donnerstagmittag lediglich eine Schulklasse als Zuschauer in den Sitzungssaal zwei gekommen.

Dabei soll der junge Mann 2016 dafür gesorgt haben, dass in Ludwigsburg für einige Stunden die Innenstadt stillstand.

Die Staatsanwältin verliest zum Prozessauftakt die Anklageschrift. Zuständig ist das Gericht in Nürtingen, weil der Angeklagte nun hier bei seiner Mutter wohnt. Konkret soll der Ex-Feuerwehrmann am 23. Juli 2016 eine Bombendrohung erfunden haben, weil er keine Lust auf eine sogenannte Brandsicherheitswache hatte.

1200 Besucher müssen ins Freie

An jenem Abend ist er gemeinsam mit einem Kameraden im Forum eingetragen, es findet das Abschlusskonzert der Schlossfestspiele statt. Die Aufgabe der beiden ist es, in einem Notfall zu reagieren und wenn nötig Hilfe anzufordern. Kurz nach 21 Uhr meldet sich der Angeklagte bei dem Kollegen, der auf der anderen Seite der Bühne sitzt. Ein Mann in weißem Oberteil und Tarnfleckhose sei durch eine Tür hinter ihm gekommen und habe ihn gewarnt: Hier könne bald etwas in die Luft fliegen.

Die Polizei evakuiert daraufhin das Forum, rund 1200 Besucher müssen ins Freie. Beamte suchen das Gebäude mit Sprengstoffspürhunden ab, ein Hubschrauber ist im Einsatz und die B27 gesperrt. Doch die die Polizei findet keinen Sprengstoff und keinen Mann in Tarnhosen.

Im Visier der Polizei

Vor Gericht wird nun klar: Der 21-Jährige gerät relativ zügig ins Visier der Polizei. Die Beamten werden stutzig: Ihren Ermittlungen zufolge waren alle Wege nach draußen für den Unbekannten entweder versperrt – oder es hätte ihn auf jeden Fall jemand sehen müssen. Lange dreht sich deshalb die Diskussion in Gerichtssaal um die Türen, Gänge und Treppenhäuser, die sich hinter der Bühne des Forums befinden. Der Angeklagte entspannt sich während der Verhandlung zusehends – und bleibt bei seiner Version der Ereignisse jenes Abends: Ein ominöser Mann habe ihn vor einer Explosion gewarnt.

Bald deutet sich an, dass die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Bombendrohung nicht ohne Blick auf den zweiten Anklagepunkt geklärt werden können: dem der schweren Brandstiftung in der Ludwigsburger Wohngemeinschaft, in der der Angeklagte 2016 lebt. Dort soll er im August – nach dem Vorfall im Forum – Feuer gelegt haben. Sein 27-jähriger Mitbewohner und dessen Freundin sind da gerade im Urlaub, die Haustiere der beiden kommen jedoch ums Leben. Auch diesen Vorwurf bestreitet der Angeklagte vehement – er sei erst von den Rauchmeldern wach geworden.

Psychische Probleme

Kurz nach dem Brand sagt das Paar bei der Polizei aus. Der Angeklagte habe ihnen gegenüber mehrfach zugegeben, die Bombendrohung erfunden zu haben, um früher nach Hause zu können. Der Angeklagte wiederum glaubt, dass beide wegen psychischer Probleme dazu neigen, sich Dinge einzubilden und dass sie ihm die Schuld für den Wohnungsbrand geben. Aus Rache würden sie gegen ihn aussagen.

So mischen sich die Aussagen der drei ehemaligen Mitbewohnern im Gerichtssaal zu einer oft undurchdringbaren Hin und Her an gegenseiten Anschuldigungen. Beide Seiten graben alte Streitereien aus – und leiten daraus Rachemotive her. „Das sind doch alles sehr komische Zufälle“, seufzt Richterin Astrid Hagen einmal.

Dabei geht es etwa um ein Handy und einen Laptop, die der Angeklagte aus der Wohnung gestohlen haben soll und um eine Waschmaschine, die wiederum sein Mitbewohner angezündet haben soll. Am Ende ist auch das gestörte Verhältnis des 27-Jährigen mit seinem Bruder ein Thema – dieser nämlich stützt die Aussagen des Angeklagten über die angeblich labile psychische Gesundheit der beiden Mitbewohner. Außerdem suggeriert er, das Paar könnte die Wohnung selbst angezündet haben – aus welchem Motiv, sagt er nicht.

In der Verhandlung ist Richterin Hagen emsig bemüht, den Überblick über die zahlreichen Vernehmungen und verworrenen Anschuldigungen zu behalten. Meistens steht oft schlicht Aussage gegen Aussage. In Sachen Bombendrohung und schwerer Brandstiftung kommt das Gericht deshalb nur sehr schleppend voran, nicht alle geladenen Zeugen können gehört werden.

Die Verhandlung wird deshalb am 8. Mai um 15 Uhr fortgesetzt.