Der Verkauf der Weißenhofsiedlung an die Stadt Stuttgart hätte Vorteile für alle Beteiligten, meint StZ-Lokalchef Holger Gayer. Doch es ergäben sich auch neue Aufgaben.

Lokales: Holger Gayer (hog)

Stuttgart - Auch wenn es auf den ersten Blick paradox erscheinen mag: Es wäre allen Beteiligten gedient, wenn der Bund die Weißenhofsiedlung endlich der Stadt verkaufen würde. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben käme ihrem eigentlichen Auftrag nach. Dieser sieht für Gebäude, die dem Bund gehören und nicht unmittelbar für die Daseinsfürsorge notwendig sind, nur einen Zweck vor: den Verkauf. Die Stadt hätte – entweder direkt oder indirekt über ihre Wohnbaugesellschaft SWSG – Einfluss auf eine ihrer Ikonen. Und die Mieter in den denkmalgeschützten Gebäuden hätten Gewissheit und Planungssicherheit. Sie müssten nicht mehr mit der Hypothek leben, dass alle paar Jahre über den Verkauf ihrer Wohnungen an irgendwelche Investoren spekuliert oder gar verhandelt wird.

Das einzige Unesco-Welterbe in Stuttgart

Doch der Stadt erwüchse mit dem Kauf der Werkbundsiedlung von 1927 auch eine besondere Verantwortung. Stuttgart hat nicht viele Wahrzeichen von der Bedeutung der Weißenhofsiedlung. Das Doppelhaus von Le Corbusier, in dem das Weißenhofmuseum residiert, ist das einzige Bauwerk in der Stadt, das die Unesco zum Welterbe ernannt hat. Und nun soll die Weißenhofsiedlung auch Pate stehen für das nächste große Projekt, hinter dem sich Politiker, Architekten und Stadtplaner versammeln wollen: die Internationale Bauausstellung 2027. Gerade im Blick auf diese noch vollkommen unkonkrete, aber zumindest in den ersten Ankündigungen wohlklingende Zukunftsvision ist der Blick in die Vergangenheit wichtig. Diese Erkenntnis ist zwar Allgemeingut, aber in einer Stadt, die bisweilen von einer geradezu törichten Geschichtsvergessenheit geplagt ist, müssen auch solche vermeintlichen Gewissheiten von Zeit zu Zeit in Erinnerung gerufen werden.

Was also heißt das für die Weißenhofsiedlung? Dass sie in ihrer bereits arg gebeutelten Gesamtheit unbedingt bestehen bleiben muss. Und dass es sich lohnen würde, an einigen Stellen über die Übersetzung der damaligen Gedanken ins 21. Jahrhundert nachzudenken. Werner Sobek hat mit seinem Aktivhaus B 10 am Bruckmannweg schon vor zwei Jahren einen Anfang gemacht. Weitere dürfen folgen.

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