Seelbergstraße in Stuttgart Hochburg der Parksünder wird Fußgängerzone

Von Uli Nagel 

Vogelwildes Parken an der Seelbergstraße ist an der Tagesordnung: Anwohner und Geschäftsleute ärgern sich über die Falschparker. Das könnte sich schon bald ändern.

Vogelwildes Parken an der Seelbergstraße ist an der Tagesordnung. Foto: Mielert
Vogelwildes Parken an der Seelbergstraße ist an der Tagesordnung. Foto: Mielert

Bad Cannstatt - Die Seelbergstraße ist Stuttgarts Hochburg der Parksünder. Vor allem in den Abendstunden und nachts ignorieren Autofahrer das Halteverbot auf der südwestlichen Seite der knapp 200 Meter langen Einkaufs- und Geschäftsstraße. Doch auch tagsüber stellen sie ihren Wagen rücksichtslos und verbotswidrig ab. 2018 verteilte das Amt für Öffentliche Ordnung hier 2499 Strafzettel, ein Jahr zuvor waren es sogar 3224. Der Rückgang ist sicher nur dem Umstand geschuldet, dass das Verhalten der Sünder gegenüber den städtischen Mitarbeitern immer rüpelhafter wurde. Dem Vernehmen nach soll das Ordnungsamt daraufhin die täglichen Kontrolltouren fast „gegen Null gefahren“ haben.

Doch das permanente Ignorieren des Parkverbots soll jetzt ein Ende haben. Nach einer erneuten Ortsbegehung mit der Polizei, den beteiligten Ämtern sowie dem Bezirksamt, zeichnet sich jetzt eine Lösung ab: Die Seelbergstraße soll in absehbarer Zeit zu einer Fußgängerzone umgestaltet werden. Mit diesem Vorschlag konfrontierte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler seine Räte in der letzten Sitzung und macht selbst keinen Hehl daraus, dass es für ihn die beste und wahrscheinlich einzige Variante darstellt. „Eine klare Regelung – zumal dann die Belieferung der Geschäfte in den normalen Lieferzeiten weiterhin problemlos möglich ist“, sagt Löffler. Zudem herrsche in Fußgängerzonen generell ein Parkverbot.

Eine weitere Möglichkeit, den südwestlichen Straßenrand als Brandschutzzone auszuweisen, um in der Folge verstärkt abschleppen zu können, hätte einen großen Nachteil: „Dann ist auch das Be- und Entladen für die Läden nicht mehr möglich“, sagt der Bezirksvorsteher, der auch von einer dritten Variante „Einbahnstraßenregelung“ nicht überzeugt ist. Für ihn komme deshalb nur das Einrichten einer Fußgängerzone in Frage.

Eine Lösung, mit der sich auch die Fraktionen des Bezirksbeirats Bad Cannstatt anfreunden könnten. Für Peter Mielert von den Grünen ist es sogar höchste Zeit, dass dem massiven, illegalen Parken ein Riegel vorgeschoben wird. Der Fraktionsvorsitzende zeigt regelmäßig die Sünder, die selbst die Einfahrt am Wilhelmsplatz und den dortigen Radfahrstreifen zuparken, an – ohne dass sich die Situation jemals verbessert hätte. Im Gegenteil: „Dort herrscht wenig Verständnis und ein ziemlich rauer Ton“, so Mielert. Auch die Cannstatter CDU ist nicht abgeneigt, allerdings möchte deren Fraktionsvorsitzender Roland Schmid das Thema noch einmal parteiintern auf den Prüfstand stellen. Die Seelbergstraße wurde 2013 für gut 700 000 Euro binnen sieben Monaten umgestaltet. Doch nicht etwa aus optischen Gründen, der Gehweg – vor allem auf der südwestlichen Seite – war nach der Eröffnung des Carré Bad Cannstatt im Jahr 2006 viel zu schmal für die vielen Passanten. Nach vielen Diskussionen, unter anderem wurde auch die Umgestaltung zur Fußgängerzone als Variante vorgeschlagen, entschied sich der Gemeinderat für eine Gehwegverbreiterung. Das hatte allerdings zur Folge, dass Stellplätze wegfielen und seitdem auf dieser Straßenseite ein eingeschränktes Halteverbot von 18 bis 11 Uhr herrscht. Dabei sind Ladevorgänge bis zu drei Minuten erlaubt. Von 11 bis 18 Uhr besteht dagegen ein absolutes Halteverbot.

Doch von Anfang an zeigte sich, dass viele Autofahrer die neuen Regeln einfach ignorierten und ihr Fahrzeuge teilweise vogelwild in der Seelbergstraße parkten. Im ersten Jahr nach deren Wiedereröffnung wurden bereits mehr als 2000 Knöllchen verteilt. Eine Zahl, die auf 3324 im Jahr 2017 kletterte. „Wir können in der Seelbergstraße nicht Tag und Nacht kontrollieren“, sagte vor einem Jahr Joachim Elser, Leiter der Verkehrsüberwachung beim Ordnungsamt, die in Bad Cannstatt in der Neckarvorstadt eine Außenstelle mit 45 Mitarbeitern hat.

Mit der Einführung der Anwohnerparkregelung kamen sogar noch einmal zwölf dazu. „Doch mehr als täglich eineinhalb Stunden Kontrolle in der Seelbergstraße sind nicht drin“, bedauert Elser die Entwicklung in der kleinen Einkaufsstraße. Doch es sei halt ein genereller Trend, dass das Unrechtsbewusstsein der Verkehrsteilnehmer sinke.

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