Verkehr in Stuttgart-Feuerbach Vorfahrt für Radfahrer ist beschlossen
Der Bezirksbeirat Feuerbach möchte die Burgenlandstraße verändern. Zwischen der Linzer und der Bludenzer Straße soll sie zur Fahrradstraße werden.
Der Bezirksbeirat Feuerbach möchte die Burgenlandstraße verändern. Zwischen der Linzer und der Bludenzer Straße soll sie zur Fahrradstraße werden.
Stuttgart-Feuerbach - Wenn es im Feuerbacher Bezirksbeirat um das Thema Verkehr geht, sind Diskussionen und enge Abstimmungsergebnisse vorprogrammiert. In der jüngsten Sitzung des Gremiums war einmal mehr Rainer Wallisch vom Amt für Stadtplanung und Wohnen zu Gast, um den Lokalpolitikern einen Vorschlag zur Verbesserung des Radwegenetzes im Bezirk zu präsentieren. Erst Ende September vergangenen Jahres musste er mit einer Niederlage im Gepäck das Gremium wieder verlassen. Damals warb er dafür, dass die Kruppstraße zur Fahrradstraße werden soll. Bei Stimmengleichheit (9:9) wurde das Vorhaben von CDU, FDP, AfD und Freien Wählern abgelehnt. Vor allem der Wegfall von Parkplätzen wurde als Argument gegen eine Fahrradstraße herangezogen.
Ähnliches Szenario war nun zu erwarten, als Rainer Wallisch mit dem ausgearbeiteten Vorschlag der Feuerbacher Grünen vorbeikam, um gemeinsam mit seiner Kollegin Carolin Spiesberger die Burgenlandstraße als Fahrradstraße anzupreisen. Doch am Ende wurden die wenigen Zuhörer in der Bürgeretage überrascht. Nachdem sich CDU und FDP enthielten, wurde der Antrag bei neun Ja- und drei Nein-Stimmen recht deutlich angenommen.
Die Planung sieht nun wie folgt aus: Zwischen der Linzer und der Bludenzer Straße soll die Burgenlandstraße zu einer Fahrradstraße werden. Sie wird beschildert und türkisfarben markiert. Die Geschwindigkeitsbegrenzung bleibt bei 30 Stundenkilometern. Außer den Radfahrern dürfen dort allerdings nur noch Anlieger mit ihrem motorisierten Untersatz unterwegs sein. Parkplätze werden wegfallen. „Rechts vor links“ wird es nicht mehr geben. Radfahrer haben Vorfahrt. Das gilt auch für die Kreuzung mit der viel befahrenen Grazer Straße. „Auch da wollen Sie die Vorfahrt ändern? Das wird nicht funktionieren“, meinte Dirk Teichmann (CDU).
Und auch Reiner Götz (Bündnis 90/Die Grünen) wies darauf hin, dass „eine Umwidmung auch immer ein Unfallrisiko ist“. Es sei ein Lernprozess für alle Verkehrsteilnehmer. „Ich finde es aber gut und mutig, dass Sie die Fahrradstraße nicht nur bis zur Leobener, sondern bis zur Bludenzer Straße durchziehen“, sagte Götz in Richtung Rainer Wallisch.
Die Stadtplaner betonten, dass diese Maßnahme eine klare Stärkung des Radverkehrs in Feuerbach sei, der so auf der Hauptradroute 6 gebündelt und weiter auf die Hauptradroute 21 gelenkt werde. „Die Radverbindung soll bis zum Feuerbacher Bahnhof reichen und weiter in die Kruppstraße führen“, sagte Wallisch. Und ergänzte auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wie es mit dem Thema Fahrradstraße Kruppstraße weitergehen wird, müssen wir noch verwaltungsintern besprechen. Inhaltlich halten wir diese nach wie vor für sinnvoll.“ Nach dem Patt im Bezirksbeirat sei es nicht ausgeschlossen, dass sich der Gemeinderat noch einmal mit dem Thema beschäftige.
Den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) wird es freuen, das zu hören. Einige Tage vor der Bezirksbeiratssitzung nahmen laut ADFC 120 Radfahrer an einer Demonstration für ein fahrradfreundliches Feuerbach teil. Die Tour sollte zu „Brennpunkten des Radverkehrs im Stadtteil“ führen; vom Wilhelm-Geiger-Platz über die Weilimdorfer, Burgenland-, Tunnel-, Siemensstraße bis zur Kruppstraße. Zu Beginn der Demo nahm Tobias Willerding vom Vorstand des ADFC Stuttgart zu den Plänen der Stadt Stellung: „Die Burgenlandstraße ist eine wichtige Radverkehrsverbindung im Zentrum von Feuerbach. Sie sollte deshalb zügig für den Radverkehr aufgewertet werden.“ Wann es allerdings soweit sein wird, kann Rainer Wallisch noch nicht sagen. „Leider können zum weiteren Zeitablauf noch keine Angaben gemacht werden. Corona hat da manches durcheinander gebracht.“