Ärger über Staus: Für die Autofahrer in Stuttgart gehört der zur Tagesordnung. Häufiger Grund sind die vielen Baustellen in der Innenstadt. Die größte: Stuttgart 21.

Wer sich in der Stuttgarter City aufhält, bekommt den Eindruck, dass Stuttgart eine einzige Großbaustelle ist. Rund um den Hauptbahnhof ist es besonders arg: Unübersichtliche Straßenführungen und Staus nerven die Verkehrsteilnehmer. Ein neuralgischer Punkt: der Bereich Arnulf-Klett-Platz/Heilbronner Straße und der Straße Am Hauptbahnhof. Die Fahrstreifen der Heilbronner Straße wurden wegen des Projekts S 21, der Tieferlegung des Hauptbahnhofs, bereits mehrfach verschwenkt. Staus an den Ampeln stadtaus- und -einwärts, Autofahrer, die sich falsch eingeordnet haben, schmale Fahrspuren, sodass an Lastern kaum ein Vorbeikommen ist. Stillstand bei Fahrzeugen, die zwischen Sparda und LBBW ins oder aus dem Parkhaus wollen. Es wird gehupt, geschimpft, geflucht. Unübersichtlich ist auch die Wegführung für Passanten, die zu den Gleisen wollen oder von dort unterwegs in die Stadt sind. Ob zu Fuß oder im Auto: Vor allem Nichtstuttgarter haben Probleme, sich zu orientieren.

Bereits seit dem Jahr 2013 wurden die Verkehrsführungen wegen Stuttgart 21 geändert. Laut der Pressestelle der Stadt seien die verkehrlichen Auswirkungen jedoch moderat. „Es gibt keine Häufung von Beschwerden in diesem Bereich“, teilt die Pressestelle der Stadt mit. Einzelne Verkehrsumstellungen würden in der Regel nachts oder am Wochenende vorgenommen, sodass sie „zeitlich sehr begrenzt“ sind.

Und ein Bahn-Sprecher stellt fest, dass im Bereich Arnulf-Klett-Platz/Heilbronner Straße die Führung des Straßenverkehrs dem Baufortschritt beim Bahnprojekt Stuttgart–Ulm angepasst wird – in enger Abstimmung mit den städtischen Behörden. Beanstandungen „in großer Zahl“ seien nicht bekannt, so die Bahn. Avraan Tourisidis erlebt das anders: Der 60-jährige Ludwigsburger fährt mit seinem Motorrad nach Stuttgart zur Arbeit, braucht normalerweise 20 Minuten bis in die Tiefgarage zwischen Sparda und LBBW. „Durch die Baustelle sind es jetzt bis zu 50 Minuten“, stellt er fest. Und nach Feierabend zurück gehe es auch nicht schneller. Ein anderer, der schon Zeit im Auto an der Kreuzung verloren hat, rennt weiter, ruft nur: „So ein Wahnsinn! Fährt man nicht bei Gelb über die Ampel, wird gehupt.“ Markus Resch kommt gut mit der Situation klar. Der 51-Jährige räumt aber ein, dass ortsfremde Autofahrer Orientierungsschwierigkeiten haben können.

Reisende, die vom Bahnsteig kommen, wissen im ersten Moment oft nicht wohin: „Als ich das erste Mal hier war, um meinen Sohn zu besuchen, bin ich nur herumgeirrt“, erinnert sich Claudia Müller aus Ingolstadt. Und Bettina Blass ärgert sich über die langen Wege, die Bahnreisende zum Teil mit schwerem Gepäck zu und von den Gleisen zurücklegen müssen. „Und dann muss man sich noch durch Menschenmassen schieben“, so die 51-Jährige. Nicole Schumacher (51) schüttelt nur den Kopf: „Man gewöhnt sich dran. Trotzdem ist es nervig.“ Die Mitarbeitenden der Sparda-Bank und LBBW kommen nach Auskunft der jeweiligen Pressesprecher mit dem ÖPNV zur Arbeit. „Man muss mit der Baustelle leben“, sagt Bernd Wagner von der LBBW mit rund 1000 Mitarbeitern.

Eine Aussicht auf Änderung scheint es nicht zu geben: Eine einfachere Straßenführung als die jetzige ist laut der Stadt wegen der Anforderungen durch die Baustelle S 21 momentan nicht umsetzbar. „Die Rückstaus ergeben sich insbesondere in den morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten, wenn das Verkehrsaufkommen die Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur übersteigt.“ Der aktuelle, provisorische Bau- und Verkehrszustand soll bis zum Abschluss des Projekts S 21 bestehen bleiben.