Verkehr in Stuttgart Im Rosensteintunnel geht es voran

Von  

Stuttgart mag es unterirdisch: Am Samstag hat offiziell der Bau an den beiden Röhren des Rosensteintunnels begonnen. Die Politiker versprechen eine deutliche Entlastung, manche Bürger befürchten, dass das Gegenteil eintreten könnte.

Nach dem Abschluss der Arbeiten soll der Verkehr von  2020 an jeweils zweispurig durch die beiden Tunnelröhren fließen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 13 Bilder
Nach dem Abschluss der Arbeiten soll der Verkehr von 2020 an jeweils zweispurig durch die beiden Tunnelröhren fließen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Stuttgart hat am Samstagvormittag eine unterirdische Feierstunde erlebt: Im neuen Stollen des Rosensteintunnels wurde eine Statue der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute geweiht, der Cannstatter Bläserkreis intonierte das Steigerlied „Glückauf, Glückauf! Der Steiger kommt“, und natürlich durften die Tunnelpatinnen für die neu zu bauenden Röhren nicht fehlen: Diesmal rückten die Bundestagsabgeordnete Karin Maag (CDU), sowie Dorothée Kölpin, die Frau des Wilhelma-Direktors, mit schwerem Gerät erfolgreich gegen das Gestein an.

Die Feierstunde markierte den offiziellen Baubeginn an den Röhren des Rosensteintunnels. Von 2020 an soll der Verkehr jeweils zweispurig durch die beiden Tunnelröhren fließen. Dirk Thürnau (SPD), der Technische Bürgermeister der Stadt, strich die Vorteile des Infrastrukturprojekts heraus: Die angrenzenden Wohngebiete würden vom Schleichverkehr entlastet, die vom Verkehr belastete Wilhelma könne aufatmen, auch das Flussufer am Neckar werde aufgewertet.

Nur wenige Gegner vor Ort

Tatsächlich ist das vom Gemeinderat im Herbst 2012 beschlossene Projekt keinesfalls unumstritten. Die Gegner befürchten, dass der Tunnel neuen Verkehr anzieht und beispielsweise in Zuffenhausen die Belastung zunimmt. Einige wenige Gegner des Tunnelbaus kamen auch zur Feierstunde am Samstag und entrollten ein Transparent, auf dem sie den Tunnel als „Feinstaubbombe“ bezeichneten. Die Schutzgemeinschaft Krailenshalde kritisierte, dass die Belastung durch Lärm und Schadstoffe in Feuerbach, Zuffenhausen und Stammheim zunehmen würden.

Doch an diesem Samstag blieben die kritischen Stimmen eine Randnotiz: Politiker und Verantwortliche der Baufirmen betonten die Dimensionen des Neubaus für die städtische Infrastruktur. „Der Rosensteintunnel ist eines der größten kommunalen Straßenbauprojekte im Land“, sagte Gert Klaiber, der Leiter der Abteilung Straßenbau im Landesverkehrsministerium. Mit dem Bau des Tunnels und dem Umbau der Kreuzung Neckartalstraße und Pragstraße würde der Verkehrsfluss auf der B 10 verbessert. Zudem verringere sich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Staus komme.

Stadtbahnhaltestelle entsteht neu

Doch bis der Verkehr auf der B 10 rund um den Neckar in neuen Bahnen fließt, liegt eine Menge Arbeit vor den Mineuren. „Wir haben eine anspruchsvolle Bauaufgabe an einer der am stärksten belasteten Verkehrsachsen Stuttgarts auszuführen“, sagte Albrecht Gunzenhauser, der Geschäftsführer der Marti Deutschland GmbH. Unter anderem müssen bestehende Abwasserkanäle, sowie Strom- und Medienleitungen neu verlegt werden. Würde man alle Lastwagen, die bis 2020 auf dem Baufeld unterwegs sein werden, hintereinander reihen, käme man auf eine Gesamtlänge von 2300 Kilometern.

Für den Bau des Rosensteintunnels waren zuletzt Gesamtkosten in Höhe von mehr als 230 Millionen Euro veranschlagt worden. Davon übernehmen der Bund und das Land insgesamt 112 Millionen Euro. Dirk Thürnau bedankte sich für diese finanzielle Unterstützung – zugleich mahnte er an, dass der Bund regeln müsse, wie er mit den im Jahr 2019 auslaufenden Zuschüssen künftig verfahren wolle. „Ohne Zuschüsse hat Stuttgart größte finanzielle Schwierigkeiten, die notwendigen Investitionen zu stemmen und damit wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Die Arbeiten am Rosensteintunnel sollen nun Fahrt aufnehmen: Bis zum nächsten Frühjahr laufen die unterirdischen Vortriebsarbeiten in den Röhren. Danach folgen die Innenausbauarbeiten, es werden Entwässerungsleitungen und Kabeltrassen verlegt. Im Sommer beginnt zudem die Arbeit an der neuen Stadtbahnhaltestelle Wilhelma, die im Frühjahr 2016 fertig sein soll. Dann können die Besucher unmittelbar vor dem Haupteingang des Zoos aussteigen. Die Stadt hat zugesagt, die Bürger umfassend über die Bauarbeiten und mögliche Beeinträchtigungen zu informieren. Informationsveranstaltungen und eine Website sollen Transparenz herstellen.

Sonderthemen