Verkehr in Stuttgart Kein Zebrastreifen trotz Unfall
Ein Kind wird vor der Grundschule Uhlbach angefahren, die Stadt sieht aber keinen Bedarf für eine Querungshilfe in der Tempo-30-Zone. Wie fast überall.
Ein Kind wird vor der Grundschule Uhlbach angefahren, die Stadt sieht aber keinen Bedarf für eine Querungshilfe in der Tempo-30-Zone. Wie fast überall.
Das Problem der Sicherheit auf dem Schulweg schlägt an vielen Schulen in der Landeshauptstadt auf. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Kind vor der Grundschule in Uhlbach von einem Auto angefahren. Zum Glück ist nichts Schwerwiegendes passiert. „Schnell wird dann immer der Ruf nach einer Querungshilfe wie einem Zebrastreifen laut“, weiß Susanne Scherz, die Leiterin der Straßenverkehrsabteilung beim Ordnungsamt. Doch in der Regel lehnt die Stadt dies in Tempo-30-Zonen ab – auch wenn dies wie im Fall in Uhlbach bereits seit Jahren vom Bezirksbeirat Obertürkheim gefordert wird.
Dabei richtet sich die Stadt nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (StVO) und einer zusätzlichen Empfehlung des Landes Baden-Württemberg. Demnach sind Fußgängerüberwege in Tempo-30-Zonen entbehrlich, weil Verkehrsteilnehmern durch die Geschwindigkeitsbeschränkung grundsätzlich eine erhöhte Aufmerksamkeit verdeutlicht wird. Hinzu kommt, dass statistisch gesehen die meisten Unfälle vor Grundschulen und Kindertagesstätten durch den Bringverkehr der Eltern verursacht werden. „Der sicherste Weg ist, wenn die Kinder alleine gehen“, betont Scherz vom Ordnungsamt. Die Stadt Stuttgart hat deshalb für alle Grundschulen eine Schulwegempfehlung herausgegeben.
Das solle aber nicht heißen, dass sich die Stadt keine Gedanken darüber mache, die jeweilige Situation zu verbessern. Die Einrichtung eines Zebrastreifens ist aber an gewisse Vorgaben geknüpft. Zum Beispiel müssen mehr als 200 Fahrzeuge pro Stunde verkehren und die Querungshilfe muss an einer zentralen Stelle liegen, an der sich das Fußgängeraufkommen – als Untergrenze in der Regel 50 Personen pro Stunde – bündelt. „Sind diese Maßgaben erfüllt, richten wir auch einen Zebrastreifen vor einer Schule in einer Tempo-30-Zone ein“, betont Scherz, „das ist aber die absolute Ausnahme.“
Zumeist werde die Situation im Einzelfall vor Ort ausgewertet und versucht, mit anderen Mitteln eine Verbesserung der Sicherheit zu erreichen. So auch an der Grundschule in Uhlbach. Zunächst erfolgt nun ein Rückschnitt der Grünbeete entlang der Straße, um das wichtigste Kriterium zu erfüllen: die freie Sicht für Autofahrer und Kinder. Denn auch die nur rund 1,20 Meter kleinen Abc-Schützen müssen frühzeitig zu erkennen sein. Die Luise-Benger-Straße im beschaulichen Stadtteil ist in der Regel nur wenig befahren und wird außerhalb der Schulzeiten auch nur von einer überschaubaren Anzahl von Fußgängern genutzt.
Weitere Schritte sind Geschwindigkeitsanzeiger, um Autofahrer zu sensibilisieren, sowie – wenn möglich – bauliche Maßnahmen wie eine Gehwegnase, eine Hüpf- beziehungsweise Mittelinsel oder auch Poller. „Die Untersuchungen in Uhlbach laufen dazu“, erklärt Scherz. Für mehr Sicherheit auch ohne Zebrastreifen.