Verkehrsberuhigung in Göppingen Händler haben Angst vor autofreier City

Wie geht es weiter mit dem Autoverkehr in der Göppinger Hauptstraße? Das soll eine Projektgruppe klären. Foto: Giacinto Carlucci

Göppinger Einzelhändlern und Gastronomen graut vor einer autofreien Innenstadt. Wirbel gibt es schon jetzt wegen eines geplanten Pilotversuchs. Der Oberbürgermeister Alex Maier kann die Aufregung darüber nicht verstehen.

Kurz vor dem Fest sorgt das Thema autofreie Innenstadt für Irritationen zwischen dem Göppinger Rathauschef Alex Maier und dem Marketingverein „Göppinger City“. Der Verein vertritt die Interessen der Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister in der Innenstadt und ist sehr skeptisch über die Folgen, die eine auch nur teilweise autofreie Kernstadt für die Umsätze der Betriebe hätte. Das hat der Verein bereits bei einem gemeinsamen Runden Tisch und mit einer Stellungnahme im Herbst klar gemacht.

 

Hintergrund des aktuellen vorweihnachtlichen Briefwechsels zwischen Göppinger City und Alex Maier ist nun der Gemeinderatsbeschluss, einen Pilotversuch zur autofreien Innenstadt auf den Weg zu bringen und dafür eine Projektskizze zu erarbeiten. Eine eigene Projektgruppe soll den Ablauf des Versuchs zum Thema fußgängerfreundliche Innenstadt erarbeiten, der in das Mobilitätskonzept und in den sogenannten Wegekompass 2035 eingearbeitet wird.

Händler sehen sich in ihrer Existenz bedroht

Vielen Händlern schmeckt das nicht. In einer vom Vorstand, Beirat und Geschäftsstelle der „Göppinger City“ unterzeichneten E-Mail an den Oberbürgermeister schreiben die Interessenvertreter, sie hätten „etwas verwundert“ zufällig von dieser Projektskizze erfahren. Im gleichen Schreiben unterstreichen die Innenstadt-Akteure ihre kritische Haltung und fügen die ausführliche Stellungnahme vom Herbst an, in der es im Kern um die Angst vor zurückgehender Kundenfrequenz geht, die Argumente der Händler gegen Verkehrsreduzierung aufgelistet sind, in der aber auch Kompromisslösungen aufgezeigt werden. „Es hängt die Existenz vieler Händler und somit auch eine Vielzahl an Arbeitsplätzen an solch einer Entscheidung“, schreibt „Göppinger City“ Ziel sei es, dass die Geschäfte nicht als Verhinderer wahrgenommen werden, „sondern als Unternehmer, die oft strategische Entscheidungen treffen und deshalb wissen, dass vor einer Maßnahme erst die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.“ Dazu gehöre ein funktionierendes Parkleitsystem, attraktive Preise für Busse und Parken. Die Mitgliedsbetriebe machen kein Geheimnis daraus, dass sie Verbote ablehnen, in den Straßen der Innenstadt zu fahren. Statt dessen setzen sie auf Anreize, das Auto stehen zu lassen.

Oberbürgermeister Alex Maier kann die Aufregung des Marketingvereins um den Pilotversuch und die zugehörige Projektskizze allerdings nicht verstehen und wundert sich seinerseits über den Verein. Gegenüber dieser Zeitung sagte er am Freitag, eine Arbeitsgruppe sei im Gemeinderat gefordert und bereits beim „Runden Tisch“ vorgeschlagen worden, an dem die Innenstadt-Händler mitwirkten. „Das setzen wir jetzt lediglich um.“ Er verweist darauf, dass die Verwaltung verpflichtet sei, einen Fraktionsantrag zu behandeln.

OB Maier: der Pilotversuch ist „ergebnisoffen“

Die Arbeit der Projektgruppe und die Ergebnisse des Pilotversuchs seien „völlig ergebnisoffen“, stellt Maier klar. Und es würden selbstverständlich auch die Einzelhändler am Tisch sitzen. „Es muss niemand Angst haben, dass über seinen Kopf hinweg entschieden wird“, betont der OB.

In einer am Freitagmittag verschickten schriftlichen Antwort an den Marketingverein ergänzt Maier: „Es könnte durchaus ein Ergebnis sein, dass in Göppingen keinerlei Verkehrsreduktion möglich ist. Es würde mich zwar überraschen, wenn wir die einzige Stadt auf der Welt wären, bei der eine Reduktion des Autoverkehrs keine positive Wirkung auf den Handel hätte, aber wenn es das Ergebnis dieser Gruppe wäre, müsste ich das akzeptieren“.

Alex Maier bittet den Marketingverein und seine Mitglieder um „eine offene und konstruktive Herangehensweise“.

Auch der VCD will mitreden

Mitspracherecht
 Nicht nur die Händler möchten in die Diskussion über die Mobilität in der Innenstadt eingebunden werden. Bereits im September hatte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) darauf hingewiesen, dass der Eindruck entstehe, „dass nur die Gastronomie, der Einzelhandel, Dienstleistungsbetriebe und Handwerker ein Mitspracherecht haben“.

Akteure
 Der VCD fragt, was mit Anwohnern, Kunden, Fußgängern, Organisationen wie dem ADFC und VCD sowie anderen sei, die sich seit längerer Zeit mit der Mobilität in der Innenstadt beschäftigen.

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