Verkehrschaos Eine Seilbahn über den Neckar in Heidelberg?

Bei der Bundesgartenschau eine Kabinenseilbahn unterwegs, die die Ausstellungsgelände Luisenpark und Spinelli in acht Minuten verbindet. Foto: Imago/U. J. Alexander

Eine Seilbahn über den Neckar könnte das drängendste Verkehrsproblem in der Universitätsstadt Heidelberg lösen. Mannheim zeigt bei der Bundesgartenschau, wie es gehen könnte.

Der Verkehr in Heidelberg ist ein heißes Thema – und sorgt dauerhaft für Zündstoff. Seit Jahren gibt es Bestrebungen, den Campus und die Unikliniken nördlich des Neckars besser an die Innenstadt anzubinden, bisher ohne Erfolg. Tausende von Pendlern stehen täglich im Stau. Eigentlich ist das expandierende Gebiet recht gut mit Bus und Bahnlinien erreichbar. Aber eben nicht gut genug, um die Institute und Kliniken rasch zu erreichen. Jahrelang wurde über eine zentrale Straßenbahnverbindung diskutiert und gestritten. Gutachten wurden erstellt und verworfen, Rechtsstreite geführt. Doch nun könnten Pläne für eine Seilbahn den Knoten durchschlagen.

 

Das könnte daran liegen, dass in Heidelbergs Nachbarstadt Mannheim gerade eine Seilbahn zeigt, wie es gehen könnte, um auf rasche und ungewöhnliche Weise zu einer Lösung zu kommen. Dort ist im Rahmen der Bundesgartenschau eine Kabinenseilbahn unterwegs, wie man sie aus Tirol kennt. Gondeln verbinden die beiden Ausstellungsgelände Luisenpark und Spinelli in acht Minuten miteinander und die Besucher sind begeistert von dieser luftigen Transportweise. In Mannheim werden die Gondeln im Oktober wieder abgebaut und finden eine neue Bestimmung in österreichischen Bergen. In Heidelberg und vielleicht auch andernorts in der Metropolregion Rhein-Neckar könnte der erfolgreiche Betrieb in der Quadratestadt jedoch Vorbild für die regionale Mobilitätswende sein.

Die Diskussion ist angestoßen. Konkret befasste sich der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) in seiner jüngsten Verbandsversammlung mit einer Machbarkeitsstudie. Entscheidungen sind noch nicht gefallen, doch die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass vier von 19 möglichen Verbindungen durchaus realistisch seien. Vor allem einer Verbindung in Heidelberg werden die größten Chancen eingeräumt: Der Verkehrsverbund strebt eine Seilbahn-Trasse über den Neckar hinweg zwischen dem Klinik- und Universitätsgelände im Neuenheimer Feld und dem Heidelberger S-Bahnhof Wieblingen/Pfaffengrund als Modellprojekt an. Es geht darum, die Pendler vor dem Stadteingang aufzunehmen und bequem über den Neckar hinweg zum Arbeits- oder Studienplatz zu transportieren. An der Querung des Neckars scheiterten bisher fast alle Lösungsversuche. Eine Verbindung in luftiger Höhe könnte in naher Zukunft „eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Systems innerhalb der Stadt Heidelberg sein und wäre vor allem für Pendler zum Uni-Campus und den Universitätskliniken attraktiv“, erklärten die Gutachter.

Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) kündigt weitergehende Untersuchungen an und räumt dem Projekt gute Chancen bei der Förderung durch Bund und Land ein. Einmal angestoßen, wird das Thema Seilbahnverbindung als mögliche Lösung auch für weitere neuralgische Verkehrspunkte in der Metropolregion Rhein-Neckar diskutiert. Etwa als Verbindung über den Rhein zwischen Mannheim und Ludwigshafen. Dort gibt es zwar zwei Rheinbrücken, sie sind allerdings im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr häufig überlastet und werden bei Sanierungsarbeiten zum Nadelöhr.

Die temporäre Seilbahn zur Bundesgartenschau in Mannheim wurde als verbindendes Element zwischen den beiden Parks in kürzester Zeit realisiert. Mit Bau, Betrieb und Rückbau wurde die österreichische Firma Doppelmayr GmbH beauftragt, sie hatte sich als eines von zwei Unternehmen auf das europaweite Ausschreibungsverfahren beworben. Vor dem Einsatz in Mannheim war die Bahn mit ihren Kabinen bereits in den Niederlanden auf der Floriade in Betrieb und wird im Sinne von Nachhaltigkeit immer wieder verwendet.

Verkehrsverbindungen in luftiger Höhe wären in Deutschland ein Novum. In Bolivien etwa gehören Seilbahnverbindungen zum Stadtbild von La Paz und El Alto. Der Bund sei sehr daran interessiert, die Seilbahn-Variante auch in Deutschland in das Nahverkehrsangebot von Städten aufzunehmen, da böte sich Heidelberg als „Feldversuch“ geradezu an, heißt es beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar.

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