Verkehrsversuch in Vaihingen Massive Kritik an neuen Überholzonen

Der Fahrradschutzstreifen entlang der unteren Waldburgstraße ist breiter, im oberen Bereich gibt es sogenannte Vorbeifahrbereiche für Autofahrer. Foto: Alexandra Kratz

Ein Verkehrsversuch auf der Waldburgstraße soll die Sicherheit für Radfahrende erhöhen. Doch Anwohner sind verärgert – und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Der Verkehrsversuch in Vaihingen hat viel Ärger heraufbeschworen. Seit Ende August ist der Fahrradschutzstreifen entlang der Waldburgstraße breiter. Zudem gibt es im oberen Bereich, wo der Anstieg steiler ist, sogenannte Vorbeifahrbereiche. Dort haben Radler, die bergauf unterwegs sind, eine komfortable Spur, sodass Autofahrer sicher überholen können. Allerdings gibt es in diesen Abschnitten nun etwa 20 Parkplätze weniger.

 

„Es bleibt völlig unverständlich, einen solchen Versuch in einer Straße durchzuführen, in der jetzt schon Parkplätze Mangelware sind“, schreibt Dirk Wolter in einer E-Mail an die Stadt, die auch unserer Zeitung vorliegt. Im Ergebnis würden die Autofahrer in den Nebenstraßen einen Parkplatz suchen, was zur Einführung eines Parkraummanagements führen könnte, sodass Anwohner künftig einen kostenpflichtigen Parkausweis brauchen. Zudem sei die Waldburgstraße nicht als Unfallschwerpunkt für Radfahrende bekannt, und der Verkehrsversuch auch deshalb nicht nachvollziehbar, findet Dirk Wolter.

Mathias Feuchter, ebenfalls Anwohner, spricht von einem Schildbürgerstreich. Dabei geht es ihm nicht um die Parkplätze, sondern um das Wohl der Fußgänger. Denn dort, wo nun keine Autos mehr stehen, würden die Fahrzeuge teils sehr schnell direkt an den Fußgängern vorbeirauschen. Er fordert, dass für die Zeit des Verkehrsversuchs auf der Waldburgstraße Tempo 30 gilt.

Autofahrer sollen gesetzlich geforderte Mindestabstände einhalten

Die Stadt erklärt, es gehe darum, die Sicherheit für Radfahrende zu erhöhen, indem Autofahrer beim Überholen die gesetzlich geforderten Mindestabstände einhalten. Dazu beteilige sie sich an einem Modellprojekt der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK) und der Hochschule Karlsruhe. Der Versuch dauere noch bis Ende Oktober. Danach würden alle Markierungen und Beschilderungen entfernt und die Parkplätze stünden wieder zur Verfügung.

Die Anwohner seien per Einwurfschreiben über den Versuch informiert worden. „Bei der Straßenverkehrsbehörde sind sowohl positive wie auch negative Reaktionen eingegangen“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Pressestelle. Sämtliche Anfragen würden geprüft und beantwortet. Und weiter steht in der E-Mail der Stadt: Die Sicherheit habe höchste Priorität, aber eine Geschwindigkeitsreduzierung sei auf der Waldburgstraße nicht möglich. Dass Autos direkt an Fußgängern vorbeifahren, sei eine übliche Verkehrssituation und keine Begründung für Tempo 30. Zudem wäre, wenn dies kurzfristig umgesetzt werden würde, eine Vergleichbarkeit mit den im Vorfeld erhobenen Daten nicht mehr gegeben. Da es sich um einen Versuch handele, seien derzeit auch keine Untersuchungen vorgesehen, um im Gebiet Waldburgstraße ein Parkraummanagement einzuführen.

Schon früher gab es Proteste an der Waldburgstraße

Die Anwohner treibt aber noch eine andere Befürchtung um. Die Waldburgstraße ist aktuell die Zufahrt zum Radschnellweg entlang der Panzerstraße Richtung Böblingen. Noch ist offen, wie dieser in Richtung Vaihinger Bahnhof fortgeführt wird. Bei der im Sommer 2020 vorgelegten Machbarkeitsstudie führte eine Variante über die Waldburgstraße. Schon damals waren heftige Proteste die Folge. Nun befürchten Anwohner, das mit dem Verkehrsversuch Fakten geschaffen werden sollen.

Heidi Schneider aus Rohr schreibt unserer Zeitung dazu: „Die Planer haben sich sicher nicht die Mühe gemacht, selbst vor Ort zu recherchieren. Sonst hätten sie gesehen, dass die Waldburgstraße die einzige Anbindung ist, mit dem Omnibus auf die Rohrer Höhe zu kommen. Der hat einen Fahrplan einzuhalten. Toll, wenn er in Zukunft hinter einem Fahrradfahrer herfahren muss. Wenn ich der Fahrradfahrer wäre, ginge es mir als Verkehrshindernis so auch nicht gut.“ Die Stadt weist diesen Vorwurf jedoch weit von sich. Der Verkehrsversuch stehe in keinem Zusammenhang mit einer möglichen Verlängerung des Radschnellwegs, betont die Pressestelle.

Mindestabstände beim Überholen

Gesetzliche Vorgaben
Bei dem Modellprojekt der AGFK und der Hochschule Karlsruhe geht es darum, dass Autofahrer die gesetzlich geforderten Abstände einhalten, wenn sie Radfahrer überholen: innerorts sind das 1,5 Meter, außerorts zwei Meter.

Stuttgart-Süd
Auch der Verkehrsversuch in Stuttgart-Süd gehört zum Modellprojekt. Auf der Schickhardtstraße ab dem Erwin-Schoettle-Platz in Richtung Schwabtunnel sind an einigen Stellen Radpiktogrammen aufgebracht. Diese sollen den Radverkehr sichtbarer machen.

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