Verkehrszählung in Stuttgart Autoverkehr im Talkessel nimmt leicht ab

Von Thomas Braun 

Die Verkehrszählung vom Mai dieses Jahres zeigt: Die Zahl der Pendler, die mit dem Auto nach Stuttgart rein und auch wieder raus fahren, geht leicht zurück. Der Anteil der Kleinlieferwagen am Verkehr legt dagegen zu.

Der motorisierte Pendelverkehr ist gegenüber 2013 leicht gesunken. Foto: Lg/Leif Piechowski
Der motorisierte Pendelverkehr ist gegenüber 2013 leicht gesunken. Foto: Lg/Leif Piechowski

Stuttgart - Der in den Stuttgarter Talkessel ein- und ausfahrende Autoverkehr hat offenbar geringfügig abgenommen. Von der Zielvorgabe des Oberbürgermeisters, künftig 20 Prozent weniger motorisierten Individualverkehr in der Stadt zu haben, ist man aber noch ein gutes Stück entfernt. Das ist das Ergebnis der sogenannten Kesselrand-Verkehrszählung, die die Stadt am Stichtag 19. Mai 2015 vorgenommen hat.

Im Vergleich zur Zählung 2013 hat sich demnach der reine Pkw-Verkehr im Zählzeitraum von 24 Stunden um etwa zwei Prozent reduziert. 397 000 Autos passierten demnach am Tag der Verkehrszählung den Talkessel – in absoluten Zahlen eine Verringerung von 7000 Fahrzeugen gegenüber dem Zähltag im Mai 2013. Zugenommen hat dagegen der Anteil der Kleinlieferwagen (Sprinter) am Verkehrsaufkommen in der Stadt.

Gegenüber 2013 stieg deren Zahl um zwei Prozent. Der Schwerlastverkehr – ohnehin schon durch das Lkw-Durchfahrtsverbot dezimiert, ging im laufenden Jahr um minimale 0.1 Prozent zurück, was immer noch einer Menge von 11 000 Lastwagen entspricht.

Auf der Cannstatter Straße ist der Rückgang signifikant

Gezählt wurde der Verkehr tagsüber jeweils zu den Hauptverkehrszeiten zwischen 7.15 und 8.15 morgens und 16.45 bis 17.45 abends, aber auch nachts. Die Zählung ergab auch, dass statistisch pro Fahrzeug 1,28 Personen unterwegs sind – eine minimale Zunahme im Vergleich zu 2013. Dass der Hauptrückgang des Pkw-Verkehrs laut Zählung ausgerechnet auf der Cannstatter Straße (Bundesstraße 14) zu verzeichnen ist, verwundert: Schließlich werden dort regelmäßig die von der EU verordneten Grenzwerte für Feinstaub und vor allem für Stickoxid gerissen. Doch letztlich ist die Zählung an nur einem Tag , die an insgesamt 21 um den Talkessel verteilten Straßen durchgeführt wurde, nur eine rechnerische Vergleichgröße. Wie hoch etwa der Anteil der besonders schadstoffträchtigen Dieselautos an diesem Tag war, ist nicht gezählt worden. Laut Zählergebnissen ging die Zahl der Autos auf der Cannstatter Straße stadtein- und auswärts jedenfalls gegenüber 2013 um 6,7 Prozent zurück. Nach Angaben von Verkehrsplaner Stephan Oehler hat der Verkehr auf diesem Abschnitt seit 2005 sogar „kontinuierlich abgenommen“. Sie bleibt aber auch 2015 mit über 97 500 im Zählzeitraum die mit Abstand am stärksten befahrene Straße im Talkessel.

Die Fraktionen im Technischen Ausschuss bewerteten die Statistik am Dienstag unterschiedlich. Zwar sei der Rückgang erfreulich, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz, egal, ob man sich als Autofahrer darüber freuen könne, dass man schneller vorankomme, oder als Fahrradfahrer und Fußgänger. Zugleich betonte Kotz, der Verkehr sei ein Zeichen dafür, dass „die Stadt brummt und boomt.“ Zudem zeige sich, dass die „Hiobsbotschaften“ über eine Zunahme des Lkw-Verkehrs infolge der Bauarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 „ideologischer Verblendung“ entsprungen seien. Für die Grünen erklärte Björn Petterhoff, die Zunahme der Sprinter sei ein Grund zur Sorge. Der Schwerverkehr habe entgegen der Argumentation von Kotz nicht ab-, sondern zugenommen, wenn man bedenke, dass mittlerweile ein Teil des Aushubs aus den S-21-Baugruben über die Schiene abtransportiert werde.

AfD-Stadtrat sieht Verkehr bald auf Eselskarrenniveau

Susanne Kletzin (SPD) sagte, das gute ÖPNV-Angebot trage zur Reduzierung des Autoverkehrs bei. Gangolf Stocker (SÖS-Linke-Plus) nutzte die Gelegenheit, den von der Stadt angekündigten Feinstaubalarm zu kritisieren, der auf freiwilligen Fahrverzicht setzt. Es gebe keinen signifikanten Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr, und auch hinsichtlich des Job-Ticket-Effekts „lügt man sich in die eigene Tasche“. Eberhard Brett (AfD) plädierte gegen einen „Entschleunigung der Stadt“. Der Stadtrat sagte: „Die Welt ist, wie sie ist. Wenn wir nur noch für Fußgänger und Radfahrer planen, ist es nicht mehr weit bis zum Eselskarren.“

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