Verlängerung der S-Bahn-Linie 5 Vaihingen lehnt tiefen Bahnhofsteil ab

Bisher fahren nur Regionalzüge, aber keine S-Bahnen vom Vaihinger Bahnhof ab. Foto: Simon Granville

Die Kommunen reden bei der geplanten Verlängerung der S-Bahn-Linie 5 von Bietigheim-Bissingen westwärts mit. Vaihingen an der Enz lehnt einen tiefen Bahnhofsteil ab.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Eine S-Bahn wird nicht vor 2032 von Bietigheim-Bissingen bis Vaihingen an der Enz fahren – wahrscheinlich noch später. Der Verband Region Stuttgart (VRS) will die Verlängerung der Linie S 5 erst im neuen Verkehrsvertrag mitdenken und spricht von einem „langfristigen“ Projekt. Auch wenn damit keine schnelle Lösung in Aussicht steht, werden wichtige Weichen jetzt schon gestellt. So scheidet am Haltepunkt in Vaihingen ein Tiefbahnhof aus.

 

Vaihingen strebt eine frühzeitige Klärung bei der Planung an

Die verlängerte S 5 soll Pendler aus dem westlichen Landkreis Ludwigsburg halbstündlich bis zum Bietigheimer Bahnhof und dann weiter nach Stuttgart transportieren. Die S-Bahn bietet eine Alternative zu den stündlich verkehrenden Regionalzügen, die nur an den Hauptorten Ludwigsburg und Stuttgart halten, nicht aber in Stuttgarter Stadtteilen wie Zuffenhausen und Feuerbach oder Orten im Kreis Ludwigsburg. Nutznießer wären vor allem Pendler aus Sachsenheim und Sersheim, aber auch aus der Großen Kreisstadt Vaihingen an der Enz. Weil es dort mehrere Möglichkeiten einer Schienenanbindung gibt, will der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek frühzeitig eine Klärung herbeiführen.

Gespräche mit den Bürgervertretern im Vaihinger Stadtteilausschuss und dem Kleinglattbacher Ortschaftsrat ergaben: Ein Tiefbahnhof findet nicht das Gefallen der Bürgervertreter in den Gremien. „Wir wollen keinen neuen Bahnhof Vaihingen-Tief“, sagt Uwe Skrzypek. Diese Lösung hatte sich den VRS-Planern als eine mögliche Lösung aufgedrängt, nütze sie doch den Schienenstrang der in 2002 stillgelegten Stadtbahn der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) zwischen Kleinglattbach und dem Fernbahnhof. Die Variante stößt jedoch in der Praxis auf Hindernisse. Fahrgäste müssten an der Schiene unterhalb der Landesstraße aussteigen und erst umständlich in den oben gelegenen Fernbahnhof laufen, um umzusteigen.

Die Kleinglattbacher WEG-Trasse ist inzwischen zum Fahrradweg umgewidmet

Das Nein zu dem, so Skrzypek „gut gemeinten“ Vorschlag des VRS fällt der Enzstadt umso leichter, als dass sie die mitten durch Kleinglattbach laufenden Gleise für einen Radweg entwidmen ließ und vom Eisenbahnbundesamt am 19. Juli vorigen Jahres das endgültige Okay dafür bekam. Die Vorstellung, dass die Bahn durch inzwischen eng bebaute Wohnsiedlungen ruckelt, hätte die Anlieger bei aller Begeisterung für den umweltfreundlichen ÖPNV nicht glücklich gemacht. Dies kam auch bei der Ortschaftsratssitzung am Donnerstag zum Ausdruck, berichtet der Kleinglattbacher Ortsvorsteher Matthias Siewert von der CDU: „Eine Trasse durch den Ort kann ich mir nicht vorstellen.“

Eine direkte Anbindung an den Vaihinger Fernbahnhof scheidet ohnehin aus. Sie hätte am Bahnhof das Rechtsfahrgebot für Eisenbahnen verletzt. Und umständliche Wendemanöver, um die Richtung zu wechseln, wäre mit der Situation in dem für die Durchfahrt pfeilschneller ICE-Züge ertüchtigten Vaihinger Fernbahnhof nicht zu vereinbaren. Bleibt am Ende nur eine Lösung: Ein neues separates S-Bahn-Gleis, das allerdings aus Richtung Illingen auf den Bahnhof trifft – die Strecke ist aber nur umsetzbar, wenn eine große Schleife nördlich eines Gewerbegebiets gedreht wird. Der Vorteil für die Rückfahrt: Die S-Bahn wird am Bahnhof einfach in Richtung Sersheim zurückgeführt.

MEX-Züge und S-Bahnen müssen aufeinander abgestimmt werden

Beim Nachbarn Sersheim gibt es hingegen nur eine Möglichkeit, die S-Bahn anzuschließen: über den Bahnhof. „Wir benötigen keine zusätzlichen Gleise und könnten sie auch nicht unterbringen“, sagt der Bürgermeister Jürgen Scholz. Er erhoffe sich für Sersheim eine bessere Taktung für Pendler in Abstimmung mit den Zügen des Metropol-Express (MEX). „Die Erreichbarkeit anderer Ziele an der Strecke, wie etwa Tamm oder Asperg, ist für die Nutzer wichtig und muss zuverlässig gewährleistet werden.“

Eben gerade diese Zuverlässigkeit der MEX-Verbindungen war vor einem Jahr von Kommunalpolitikern aus Sachsenheim vermisst worden. Angesichts von Zugausfällen will der Sachsenheimer Bürgermeister Holger Albrich mit der S-Bahn die Mobilitätswende vorantreiben, es sei ihm eine „Herzenssache“, die er im Kreistag propagiere – so arbeiten allein im Gewerbepark Eichwald rund 3000 Menschen. „Der Bedarf ist festgestellt worden – jetzt müssen Worten Taten folgen.“ Vier Fahrten pro Stunde in beide Richtungen soll die Mischung aus Regionalzügen und S-Bahnen nach bisherigen Plänen ergeben. Im Zuge der S 21-Planungen sollen Doppelstockzüge im Halbstundentakt auch in Sachsenheim und Sersheim verkehren, teilt das Landesverkehrsministerium mit.

Der Straßenverkehr in Bietigheim-Bissingen würde entlastet

Noch keine neuen Planungen des VRS liegen der Stadt Bietigheim-Bissingen vor, erklärt die Pressesprecherin Anette Hochmuth. Allerdings sei in Bietigheim-Bissingen auch kein alternativer Trassenverlauf denkbar. „Die S 5 muss über das Viadukt fahren.“ Die Passage gilt als Nadelöhr. Schon bei den Planungen vor zehn Jahren habe die Stadt die S 5-Verlängerung begrüßt. Die größten Vorteile lägen jedoch bei den westlichen Nachbarkommunen. „Sie bekommen eine durchgehende S-Bahn-Verbindung mit den Halts in Zuffenhausen oder Feuerbach.“

Entlastet würde der Bahnhof von Bietigheim-Bissingen, erklärt Anette Hochmuth. „Die Pendler aus den Nachbarorten müssen derzeit in Bietigheim in die S 5 umsteigen, wenn sie nicht direkt zum Hauptbahnhof in Stuttgart wollen.“ Das Problem seien Autos: Pendler müssten bislang durch Bietigheim bis zum Bahnhof fahren, soweit sie Umstiege auf die Regionalbahnen vermeiden wollen. Das belaste das Straßennetz in der Stadt.

Hoher Bedarf bei S 5-Verlängerung

Untersuchung
 Der Verband Region Stuttgart hat im Dezember 2023 eine Standardisierte Bewertung für die Verlängerung der S-Bahn-Strecke von Stuttgart nach Bietigheim-Bissingen bis nach Vaihingen/Enz vorgelegt. Demnach würden täglich tausende Pendler zwischen Bietigheim und Vaihingen verkehren. Der Nutzwert läge bei 1,78 im positiven Bereich über 1,0.

Wachstum
 Die Zunahme der Bevölkerung seit der ersten Untersuchung vor zehn Jahren spricht für das auf 74 Millionen Euro geschätzte Projekt. „Bei uns leben inzwischen zehn Prozent mehr Menschen – das wird andernorts ähnlich sein“, sagt der Sersheimer Bürgermeister Jürgen Scholz.

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