Versteckte Beutekunst in Heilbronn US-Offiziere im Dienst der Kunst

Von Brigitte Fritz-Kador 

Im Februar erscheint der Film „The Monument’s Men“. Darin geht es um die US-Soldaten, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die versteckten Kunstschätze der Nazis bargen. Das größte Versteck war ein Salzbergwerk bei Heilbronn.

George Clooney (vorne links) und Matt Damon (rechts) in der Verfilmung der „Monuments Men“, die am 20. Februar in die Kinos kommt. Foto: Twentieth Century Fox/dpa
George Clooney (vorne links) und Matt Damon (rechts) in der Verfilmung der „Monuments Men“, die am 20. Februar in die Kinos kommt. Foto: Twentieth Century Fox/dpa

Musste wirklich erst George Clooney kommen, damit die Menschen erfahren, welche Bedeutung das Salzbergwerk Heilbronn-Kochendorf in der Kunstgeschichte hatte? Spätestens mit dem Filmstart von „The Monuments Men“ am 20. Februar wird dieser Ort als „Schatzkammer der Kunst“ wieder in  den Fokus rücken. Der Film erzählt die Geschichte einer kleinen Truppe aus Museumsdirektoren, Kuratoren und Kunsthistorikern, die während des Zweiten Weltkriegs hinter den feindlichen Linien wertvolle Kunstwerke aus den Fängen der Nazis retten sollen, bevor diese zerstört werden.

Einer dieser „Monuments Men“ war Harry L. Ettlinger. Der mittlerweile 87-Jährige war im Mai 2011 das letzte Mal zu Besuch in Deutschland. Damals kam er zur Einweihung des Otto-Oppenheimer-Platzes in Bruchsal. Er soll an das Unrecht erinnern, das die Nazis der Familie zufügten, die sich in Bruchsal vielfältig und philanthropisch engagiert hatte. Harry Ettlinger ist der Enkel von Otto Oppenheimer. Dieser war Tuchgroßhändler in Bruchsal und dort unter anderem Mitbegründer des Kunstvereins. Die Familie konnte 1938 in die USA emigrieren.

Viel ausführlicher als der Film informiert das Buch „Schatzkammer Salzbergwerk“, das der Heilbronner Archivdirektor Christhard Schrenk 1997 verfasste, über die eingelagerten Schätze und über die Arbeit der „Monuments Men“. Auf mehr als 400 Seiten stellt Schrenk den Ablauf und den Umfang der Kunsteinlagerungen minutiös dar. Dabei war die Faktenlage dünn, die Unterlagen und Akten waren überall verstreut, genauer, wenn auch nicht immer ganz korrekt waren die amerikanischen Quellen und Augenzeugenberichte.

Heilbronner liefert das Standardwerk

Schrenk sagt, er habe lange darüber nachgedacht, wie er Ettlinger finden könnte, auf den er während seiner drei Jahre währenden Arbeit an dem Buch gestoßen war – vor allem, weil andere „Monuments Men“ schon gestorben waren. Diese seien zunächst vor allem dafür einsetzt gewesen, geraubte und rechtswidrig erworbene Kunstwerke aufzuspüren und zurückzugeben, sie seien aber auch für die Vergabe von Zeitungslizenzen zuständig gewesen, ergänzt Schrenk. Sein Buch wird immer wieder herangezogen, wenn es um das Thema Beutekunst geht. Auch Helmut Kohl habe es zurate gezogen, als er in den 1990er Jahren mit Boris Jelzin über die Rückgabe deutscher Kunst verhandelt habe. Kohl habe sich dafür ausdrücklich bei der Stadt bedankt.

Die Heilbronner wissen, dass ihr geliebter Seyfer-Altar aus der Kilianskirche im Bergwerk den Krieg überstanden hat. Was sich allerdings in den dort eingelagerten Kisten befand – es sollen 40 000 gewesen sein –, ist weniger bekannt. Über Inventarlisten lässt sich ihr Inhalt nur mittelbar ermitteln. Dennoch konnte Schrenk dokumentieren, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Einlagerungen imponierend war. Die Idee mit dem Salzbergwerk hatte der Stuttgarter Archivdirektor Hermann Haering, der 1942 begonnen hatte, Archivmaterialien auszulagern. Ihm folgte 1943 der Landeskonservator Richard Schmidt, der alle folgenden Einlagerungen sorgfältig überwachte.

Größte Fläche unter Tage

Dank der Gedenkstätte im Salzbergwerk, die an die hier eingesetzten und oft auch zu Tode gekommenen Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge erinnert, ist in der Öffentlichkeit weitgehend bekannt, was sich hier unter Tage tat. Auch dass der „Kunstliebhaber“ Hermann Göring spätestens 1944 hier die „bombensicheren Räume“ für die Luftwaffenrüstungsindustrie fand. Weniger bekannt sind allerdings die Dimensionen: Heilbronn und Kochendorf boten mit 125 000 Quadratmetern die größte Einzelfläche unter Tage im Großdeutschen Reich.

Nach langem Häuserkampf war Heilbronn am 12. April 1945 endgültig von den Amerikanern eingenommen worden, nur vier Tage später traf hier, so recherchierte es Schrenk, James R. Rimorer als zuständiger Kunstschutzoffizier ein. Er begann sofort zusammen mit dem damaligen kommissarischen Bergwerksleiter Hanns Bauer das wegen der Kriegseinwirkungen eingedrungene Wasser abzupumpen, um die Kunstschätze nicht zu gefährden.