Versteigerung in Bad Cannstatt Luxus-Lamborghini zum Mitnehmen – aber nur gegen Bargeld

Der Einstiegspreis bei der Versteigerung des Lamborghinis liegt bei 105 000 Euro. Foto: privat

Im Hof eines Abschleppdienstes wird am Samstag ein 200 000 Euro teurer Supersportwagen versteigert, ohne Probefahrt und nur gegen Bares. Die Polizei ist sensibilisiert.

Lamborghini Aventador. Fans von italienischen Supersportwagen lassen diese zwei Worte das Herz höher schlagen, auch wenn für viele das Fahrzeug für immer unerschwinglich bleiben wird. An diesem Samstag wird ab 11 Uhr eben solch ein Aventador auf dem Hof des Abschleppdiensts Meixner an der Elwertstraße in Bad Cannstatt zwangsversteigert, eine Vorbesichtigung ist ab etwa 10 Uhr möglich.

 

Wer mit einer Probefahrt liebäugelt, wird enttäuscht werden. Egal, ob das notwendige Kleingeld vorhanden ist oder nicht, sie ist nicht möglich. „Der Motor wird aber angelassen“, sagt Andreas Meixner, der das Fahrzeug verwahrt. Der schwarze Lamborghini, der nicht nur wegen seiner Keilform an einen Kampfjet erinnert, ist Baujahr 2013 und hat rund 55 000 Kilometer auf der Uhr. Das Coupé, das erste Hand und unfallfrei ist, hat einen Schätzwert von 210 000 Euro. Der Einstiegspreis liegt bei 105 000 Euro. „Der Wagen war in Baden-Württemberg angemeldet“, sagt Sabine Müller, Obergerichtsvollzieherin beim Amtsgericht Bad Cannstatt. Mehr zur Historie des Fahrzeugs und den Gründen der Zwangsversteigerung will sie nicht preisgeben. „Manche könnten sonst das Auto kennen und Rückschlüsse auf de Halter ziehen.“

Barzahlung verärgert Interessenten

Wie bei Präsenzversteigerungen üblich muss der Höchstbietende, direkt nach dem der Hammer gefallen ist, in bar bezahlen. Ein Umstand, der einem interessierten Stuttgarter Autonarr missfällt. Er würde gerne am Samstagvormittag mitbieten, hat aber Bauchschmerzen so viel Geld mitzuführen. „Bei einem günstigeren Auto ist das ja kein Problem, aber das ist ja schon eine andere Hausnummer.“ Er verstehe nicht, dass ein von der Bank bestätigter Scheck nicht akzeptiert wird oder man wie bei der Versteigerung von Immobilien im Vorfeld auf eine Anzahlung beim Amtsgericht setzt, die sich am Verkehrswert orientiert. Zugleich kritisiert er, dass die Auktion erst so kurzfristig öffentlich bekannt gegeben wurde. „Eine sechsstellige Summe kann man nicht kurzfristig abheben. Das muss man bei der Bank anmelden.“ Auch eine Vorbesichtigung hätte er sich bei solch einem Auto gewünscht.

„Die Durchführung der Versteigerung bestimmt im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften der Gerichtsvollzieher“, stellt Mechthild Weinland, Sprecherin des Amtsgerichts Bad Cannstatt klar. Und Sabine Müller, die eben diesen Posten innehat, betont, dass die Barzahlung den Vorteil habe, dass das Geld da sei, die Auktion keinesfalls wiederholt werden müsse. Doch welchen Betrag packt man ein, wenn man sich als ernsthafter Bieter in Richtung Elwertstraße aufmacht? „Die Interessenten eines Versteigerungsobjektes wissen in der Regel sehr genau, wie viel es wert ist“, so Weinland. Unter Vorlage des Personalausweises wird vor Ort festgestellt, wer der Höchstbietende ist. „Und anschließend wird das Geld auf ein Dienstkonto eingezahlt“, sagt Müller. Es lasse sich also jederzeit nachvollziehen, woher es stammt.

Bentley, Porsche und Jaguar versteigert

Die Gerichtsvollzieherin müsse zwar kein Geldwäsche-Formular – bei Autohändlern ist es bei Verkäufen ab 10 000 Euro in Deutschland Pflicht – ausfüllen, „ich führe aber Protokoll. Es ist alles offiziell. Es kann sich niemand rein schleichen und einfach anonym mitbieten“, so Müller, die schon häufiger solche Auktionen durchgeführt hat. „Durch Leasing ist es in den vergangenen Jahren aber etwas weniger geworden.“ Kürzlich habe sie aber ein Paket aus mehren Fahrzeugen, darunter ein Bentley und ein Jaguar, versteigert.

Auch vier hochwertige Porsche, die vom Autobauer für einen Scheich umgebaut und nie abgeholt wurden, seien schon unter den Hammer gekommen. Um die Sicherheit der Besucher mache sie sich trotz des vielen Bargelds, das die Bieter mitbringen werden, auch keine Sorgen. „Viele bringen ihre eigenen Security-Mitarbeiter mit.“ Darüber hinaus ist die Polizei über die Versteigerung im Bilde – unter anderem sind die Streifen sensibilisiert, bestätigt ein Sprecher der Polizei.

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