Vesperkirche Stuttgart eröffnet Feierlicher Gottesdienst zum Auftakt der 30. Vesperkirche

Eine Maxime der Helfer: alle , die die Leonhardskirche besuchen, um eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen, sollen als „Gäste“ behandelt werden. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Bis zum 2. März werden in der Leonhardskirche wieder täglich Essen ausgegeben. Die Oberkirchenrätin Annette Noller erinnert in ihrer Predigt an die spaltenden politischen Kräfte in der Gesellschaft.

Mit einem feierlichen Gottesdienst hat am Sonntagvormittag die 30. Vesperkirche in Stuttgart ihre Pforte geöffnet. In den kommenden sieben Wochen sollen unter der Jahreslosung „Alles was ihr tut, geschehe in Liebe“ wieder rund 33 000 Essen für Bedürftige und Besucher in der Leonhardskirche zubereitet werden.

 

Gleich im Anschluss an den Gottesdienst wurden die ersten 40 ehrenamtlichen Helfer eingewiesen, die am ersten Vesperkirchen-Sonntag Brote schmieren, Mittagessen schöpfen oder die Gäste an den Tischen bedienen. Ganz wichtig: Alle, die die Leonhardskirche besuchen, um eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen oder eine der vielen anderen Dienstleistungen wahrzunehmen, sollen als „Gäste“ wahrgenommen und entsprechend behandelt werden. Das sei eine Frage der Wertschätzung, sagte einer der leitenden Helfer.

Schon am ersten Tag werden gut 300 Essen ausgegeben

Wie Beate Vogel erklärt, die am Sonntag die Leitung der Hauswirtschaft der Vesperkirche inne hatte, werden bereits an diesem ersten Tag rund 300 Essen ausgegeben. „Nach und nach werden es dann mehr, bis es am Ende rund 650 Essen jeden Tag sind.“

Der Grund: Es muss sich in der Stadt erst herumsprechen, dass die Vesperkiche wieder geöffnet hat. Viele, die das Angebot wahrnehmen, betont Vogel, hätten keine Möglichkeit, sich anders zu informieren. Die Essen werden bis zum 2. März täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr ausgegeben. Dazu kommen Angebote wie Fußpflege, Straßenuni, Kaffee und Tee, Beratung und die Möglichkeit zu Gespräch und Begegnung. An den Sonntagen stehen ab 16 Uhr Kulturveranstaltungen auf dem Programm.

In Ihrer Predigt betonte Oberkirchenrätin Annette Noller, dass die Jahreslosung „Alles was ihr tut, geschehe in Liebe“, einen paradiesischen Zustand beschreibe. Sie passe aber gerade deshalb zur Vesperkirche, „in der es ja auch ein bisschen paradiesisch zugeht“. In dieser Weise, sagte Noller, habe auch Pfarrer Martin Fritz, der Gründer der Vesperkirche in Stuttgart, vor 30 Jahren die Idee der Vesperkirche beschrieben.

Deutliche Worte von Oberkirchenrätin Annette Noller

Politisch wurde Nollers Predigt, als sie nachdrücklich daran erinnerte, dass der paradiesische Zustand auf der Welt aktuell weit entfernt ist: „Wir sehen im wirklichen Leben das dritte Jahr im Ukrainekrieg, und im Schatten dieses Krieges sind weitere Konflikte in unserer Welt entstanden“, sagte Noller. Die evangelische Theologin nennt den Terrorakt in Israel oder die Angriffe von Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer.

Bemerkenswert: Im Zusammenhang mit der Frage, ob man also angesichts all dieser Problem allein mit Liebe weiterkomme, erwähnt Noller auch die kommenden Wahlen in Deutschland. „Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, dass wir auch populistische Parteien und Strömungen haben werden, die andere Menschen herausdrängen wollen aus unserer Gesellschaft, die die Unterstützung für die Armen streichen wollen“, sagte die Oberkirchenrätin. Diese Parteien strebten eine Politik an, die alle gegen alle ausspiele. Deutlicher kann man in einer Kirchenpredigt kaum werden.

Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe der Leonhardsgemeinde an die Vesperkirche und dem Entzünden der Vesperkirchenkerze wurde die 30. Vesperkirche offiziell eröffnet. Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes übernahmen in diesem Jahr die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben.

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