VfB-Auswärtsspiel in Leverkusen Die Sehnsucht nach einer Serie

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Die Stuttgarter fahren mit einer Bilanz des Schreckens nach Leverkusen. Doch der Sportvorstand Robin Dutt will sich im Abstiegskampf nicht von Rechnereien leiten lassen.

Robin Dutt (links) hat dem Coach Huub Stevens zuletzt den Rücken gestärkt. Foto: Pressefoto Baumann
Robin Dutt (links) hat dem Coach Huub Stevens zuletzt den Rücken gestärkt. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Die Fragen stellen sich immer öfter: Wie will der VfB eigentlich noch ein Spiel gewinnen? Und gegen wen? Antworten finden sich erst einmal nicht. Schließlich haben es die Stuttgarter Bundesligafußballer nicht gegen bescheidene Berliner und nicht gegen verunsicherte Hannoveraner geschafft. Auch nicht gegen heimschwache Kölner oder gegen wankelmütige Hoffenheimer. Und erst recht nicht gegen die „drei Hammergegner“, wie sie der Sportvorstand Robin Dutt nennt. Gladbach, Bayern und Dortmund.

Das ist die bisher enttäuschende Rückrundenerkenntnis des VfB mit drei Zählern. Jetzt folgt an diesem Freitag (20.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen der nächste Versuch, das Punktekonto aufzubessern. Ein Gegner, der in Dutts Hammerkategorie gehört. Eine der spielstärksten Mannschaften der Liga, schnelle Stürmer, ein vorzügliches Pressing, auf Tabellenplatz vier liegend. Gegen einen immer noch um Stabilität ringenden Tabellenletzten, ohne großes Selbstvertrauen und ohne große Torgefahr.

Doch Dutt will sich weder von der Bilanz des Misserfolgs – in zwölf von 24 Spielen blieben die Stuttgarter ohne Treffer und siegten erst viermal – noch von irgendwelchen Rechnereien im Abstiegskampf leiten lassen. Möglichst einen Punkt in Leverkusen ergattern und danach gegen Eintracht Frankfurt gewinnen – von diesem im VfB-Umfeld diskutierten Ansatz hält der Sportchef gar nichts. „Jetzt wollen wir erst einmal gegen Leverkusen drei Punkte holen. Danach gegen Frankfurt wieder drei, und dann wieder drei und wieder drei“, sagt Dutt. Der 50-Jährige nimmt also jede Partie für sich – und hofft in der Summe doch noch auf den Klassenverbleib.

Viel probiert, aber wenig erreicht

Ableiten lässt sich daraus auch die Sehnsucht nach einer Serie. Denn seit Anfang September 2013 hat der VfB nicht mehr zwei Spiele hintereinander gewonnen. Damals hieß der Trainer Thomas Schneider – und es waren seine ersten beiden Begegnungen in der Bundesliga als Chefcoach.

Seither ist bei den Stuttgartern viel probiert, aber wenig erreicht worden. Als unlösbar erwies sich bisher vor allem die Abmischung zwischen notwendiger Defensive und brauchbarer Offensive, als handle es sich um die Quadratur des Kreises. Stimmte es hinten einigermaßen, reichte es vorne nicht – oder andersherum. Manchmal passte aber auch gar nichts zusammen.

So stehen Mannschaft und Verein nun vor einer der größten Prüfungen für den VfB. Doch ob die zuletzt gezeigten Lernfortschritte genügen, um zu bestehen, wird sich wohl erst am Saisonende zeigen. Robin Dutt jedenfalls nimmt die beiden Unentschieden gegen Hertha und Hannover sowie den leichten fußballerischen Aufwärtstrend zum Anlass, mehr Zuversicht auszustrahlen und den Spielern eine Extraportion Mumm einzuflößen: „Ich glaube schon, dass wir für Leverkusen ein unbequemer Gegner sein können.“

Huub Stevens zwischen Retter, Absteiger und Wundermann

Ähnlich wie im Vorrundenspiel, als die Stuttgarter aus einem niederschmetternden 0:3-Rückstand zur Pause noch ein 3:3 machten. Das erhoffte Aufbruchsignal ging aber auch von dieser Aufholjagd nicht aus. Vielmehr fügte sie sich in die Reihe selten gewordenen Höhepunkte ein, welche die Dauerkrise des VfB kurz unterbrechen.

Auch Huub Stevens weiß natürlich um die fehlende Konstanz auf dem Platz und die rasch kippende Stimmung außerhalb. „Mal bin ich Retter, dann Absteiger – und jetzt schon wieder Wundermann?“, sagt der Trainer, nachdem er auf seine freundschaftlichen Beziehungen zum einstigen Erfolgstrainer Jürgen Sundermann und dessen Spitznamen angesprochen wird.

Für Wunder fühlt sich Stevens jedoch grundsätzlich nicht zuständig. Auch wenn viele glauben, der VfB bräuchte eines, um dem Abstieg zu entgehen. Dennoch erhielt der Niederländer, der vor der Ablösung stand, von Dutt und Spielern zuletzt öffentlichen Zuspruch. Das hat gutgetan, aber Stevens bleibt Realist: „Es geht um Punkte, und die sind mir lieber als Komplimente.“




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