InterviewVfB-Co-Trainer aus Malmsheim Ein Stück Gemeinschaftlichkeit geht verloren

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Fällt es schwer, sich unter diesen Bedingungen ganz und gar auf Fußball zu fokussieren?

Nein, man kann sich bei den Spielern sogar besser Gehör verschaffen, die Anweisungen in einem leeren Stadion sind leichter verständlich.

Was bemerken Sie an den Spielern? Wie gehen die damit um?

Auch für sie ist das eine gänzlich ungewohnte Situation, auf die wir uns alle bestmöglich vorbereitet haben. Erst im eher isolierten Kleingruppen-Training, als die Spieler wie am Fließband auf den Platz gekommen und ihn hinterher innerhalb von 15 Minuten auch schnell wieder verlassen haben. Inzwischen ist das Teamgefühl besser, auch wenn wir uns nach wie vor beispielsweise in verschiedenen Umkleidekabinen umziehen müssen. Damit geht auch ein Stück Gemeinschaftlichkeit verloren. Sich vor und nach dem Training oder den Spielen Dinge um die Ohren zu hauen, das fehlt. Oder einen Spieler, der mit sich hadert, wieder aufzubauen und ihn einfach in den Arm zu nehmen. Fußball lebt vom Teamspirit.

Gewöhnt man sich so langsam an die Ausnahmesituation?

Ja, aber immer in der Hoffnung und mit dem Wunsch, dass die Fans bald wieder ins Stadion kommen dürfen.

Sie müssen als Co-Trainer eine Maske tragen. Eigentlich surreal, oder?

Das stimmt, das alles ist sehr ungewohnt und hemmt auch in gewisser Weise. Man muss lauter sprechen, um sich verständlich zu machen. Jeder kennt das doch, wenn er beim Bäcker ist und zwei Laugenbrötchen will. Dabei steht man ja noch dicht an der Theke. Der Trainer ist dafür ein ganzes Stück weiter weg, der muss immer wieder herkommen. Aber wenn es hilft, dadurch den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, muss das halt so sein. Es geht bei dem Ganzen ja auch um die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Vereine.

Wie war das beim späten 3:2-Siegtor gegen den HSV nach 0:2-Rückstand? Sind Sie cool geblieben, oder vergisst man in dem Moment die Abstandsregel?

Das war schon eine außergewöhnliche, ja extreme Situation. Natürlich versuchen wir alles, um die Vorgaben zu befolgen, aber die Spieler haben es sicher nicht alle geschafft, in diesem Moment die 1,50 Meter Abstand einzuhalten. Doch, ganz ehrlich, wer schafft das schon im ganz normalen Alltag? Mir ist in diesem Spiel versehentlich auch passiert, dass ich mit der Getränkeflasche in der Hand zu einem Einwechselspieler auf die gegenüberliegende Spielfeldseite gelaufen bin. Das hätte ich nicht tun dürfen. Immerhin hat am Ende das Ergebnis gestimmt.




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