VfB im Kampf um die Talente Viele gute und eine schlechte Nachricht

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Die Jugend ist dem VfB Stuttgart wichtig. Doch in der jüngeren Vergangenheit gab es Probleme. Nun läuft es besser – und der Etat für den Nachwuchs soll schon bald auf eigenen Beinen stehen. Doch ein Torhütertalent ist nicht zu halten.

Torhüter Philipp Köhn verlässt den VfB Stuttgart. Foto: Baumann
Torhüter Philipp Köhn verlässt den VfB Stuttgart. Foto: Baumann

Stuttgart - Der Präsident hat gute Laune. Das neue Jahr läuft für Wolfgang Dietrich ja auch bestens an. Einen Wahnsinnsspaß verspürt der 68-Jährige, wenn er jeden Morgen auf das Gelände des VfB Stuttgart kommt, und noch hat in 2017 keine Mannschaft ein Pflichtspiel verloren. Nicht in der zweiten Liga, aber auch nicht in der U 23 und der U 19 – den zwei Sorgenkindern des Clubs, wenn man so will.

Beide Nachwuchsteams stecken in ihren Ligen im Abstiegskampf und das ist ein heikler Punkt für einen Verein, der jahrzehntelang als Vorreiter im Jugendfußball galt und nun um Zähler und Talente kämpfen muss. „Ich denke, dass wir im letzten halben Jahr die Abwärtsspirale stoppen konnten“, sagt Dietrich nicht nur mit Blick auf die jeweiligen Tabellen.

Nachwuchs-Teams starten erfolgreich in die Rückrunde

Ohnehin bringen die reinen Ergebnisse den VfB nicht dahin, wo der Verein hin will. Weshalb Dietrich bestrebt ist, neue Entwicklungen anzustoßen und notwendige Korrekturen mitzutragen. Wie die zwei Trainerumbesetzungen im Winter, als Andreas Hinkel die U 23 (Regionalliga) übernahm und Heiko Gerber die U 19 (Bundesliga, Staffel Süd/Südwest). Personalentscheidungen, die in den Zuständigkeitsbereich von Sportkoordinator Marc Kienle fallen und die sich gut angelassen haben. „Wir sind froh, dass die U 23 mit einem Sieg gestartet ist und die A-Junioren gleich zwei Siege und ein Unentschieden eingefahren haben“, sagt Kienle.

Als eine Bestätigung sehen sie das beim VfB, an den richtigen Stellschrauben gedreht zu haben. Allerdings hat sich unter die vielen guten Nachrichten im Januar und Februar (die U 17 hat am vergangenen Wochenende ebenfalls gewonnen) auch eine schlechte gemischt: Philipp Köhn wird den VfB verlassen. Der 18-jährige Torhüter schließt sich ablösefrei RB Leipzig an. Ausgerechnet, stöhnen nicht wenige auf dem Wasen und haben versucht, den Jugendnationalspieler vom Bleiben zu überzeugen. Der Vereinsboss persönlich hat mit dem Umworbenen gesprochen, auch Manager Jan Schindelmeiser und Sportkoordinator Kienle sowieso. Doch zu spät, das Kind war buchstäblich schon in den Brunnen gefallen und das Trio, das erst später in Amt und Würden kam, konnte es nicht mehr herausholen. „Obwohl wir an unsere Grenzen gegangen sind“, sagt Dietrich.

Konkurrenz aus Leipzig und Hoffenheim

Um Geld geht es dabei natürlich auch, ebenso aber um die Perspektive, die sich einem jungen Spieler bietet – und da hatte RB-Sportchef Ralf Rangnick offenbar die besseren Argumente. Zumindest war der ehemalige Stuttgarter Trainer früher dran mit seinen Ausführungen. Erst kurz vor Ablauf der vergangenen Saison wurde Köhn die Vertragsverlängerung seines in diesem Jahr auslaufenden Kontraktes beim VfB angeboten, mit der Aussicht 2017/2018 in den Profikader aufzurücken. Eine Unterschrift gab es daraufhin nicht mehr, weshalb sich schon im Spätsommer abzeichnete, was sie beim VfB jetzt als bitter bezeichnen. „Wir stehen da in einem knallharten Wettbewerb – und der sitzt in Hoffenheim und Leipzig“, sagt Dietrich.

Als fast schon persönliche Niederlage empfindet er es, dass unter seiner kurzen Präsidentschaft der nächste Hochbegabte geht. Das darf nicht sein, weil es der VfB wieder schaffen will, die Eigengewächse emotional stärker zu binden, damit sie am Neckar und nicht woanders erblühen. Gleichwohl ist Köhns bevorstehender Abgang aber auch Motivation, das U-Projekt voranzutreiben. Dietrich will die Jugendabteilung bis zum Jahresende auf eigene finanzielle Beine stellen. Mit eigenen Sponsoren wie Porsche, die den Leitern des Nachwuchsleistungszentrums durch ihr Engagement eine größere Planungssicherheit geben.

Präsentationstour für den Nachwuchs

Ein ordentliches Stück ist Dietrich dabei schon vorangekommen. Knapp die Hälfte des Nachwuchsetats habe er bereits zusammen. Auf acht Millionen Euro belief sich der in der vergangenen Saison und wurde trotz des Abstiegs in dieser Größenordnung gehalten. Um nun die zweite Hälfte des Geldes aufzutreiben, begeben sich Dietrich und Marketingvorstand Jochen Röttgermann auf eine Präsentationstour.

Mit einer fein ausgearbeiteten Mappe, die das Konzept der jungen Wilden in Wort und Bild veranschaulicht, geht es von Unternehmen zu Unternehmen. Der harte Teil der Arbeit wird das, ist Dietrich überzeugt – und will sich die gute Laune trotzdem nicht verderben lassen.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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