VfB Stuttgart Ab nach Mallorca!

Von  

Vor dem Abstiegsduell in Bremen entflieht der VfB dem tristen Alltag – und reist in den Süden.

Ab in den Süden: Jürgen Kramny fliegt mit dem VfB nach Mallorca Foto: dpa
Ab in den Süden: Jürgen Kramny fliegt mit dem VfB nach Mallorca Foto: dpa

Stuttgart - Schwer hängen die grauen Wolken über dem roten Dach an der Mercedesstraße. Kalt ist es, gelegentlich fällt Schneeregen. Ein Sauwetter also, das einem VfB-Fan schon einen Schauer über den Rücken jagen kann. Gerade so, als habe sich der Fußballgott an diesem Dienstagvormittag entschieden, die ungemütliche Lage beim Stuttgarter Fußball-Bundesligisten szenisch zu untermalen: die VfB-typische Herbstdepression im Frühjahr.

Draußen auf dem Trainingsplatz trotzt Jürgen Kramny in einem schwarzen Anorak den widrigen Wetterbedingungen und dem Stimmungstief. Drinnen, im Raum 2007 der Geschäftsstelle, sitzt Robin Dutt und spricht darüber, wie der VfB dem ermüdenden und frustrierenden Alltagstrott entfliehen will; wie die Stuttgarter mit einem positiven Gefühl in das Saisonfinale kommen wollen. Gemeinsam haben der Trainer und der Manager dann eine Sondermaßnahme im Abstiegskampf getroffen. Sie lautet: Ab nach Mallorca!

Der VfB absolviert von diesem Mittwoch an ein Kurztrainingslager auf der Baleareninsel. „Wir wollen die Kräfte bündeln, die Sinne noch einmal schärfen und den Fokus allein auf das Spiel in Bremen legen“, sagt Dutt. Bis Freitag hält sich der schwäbische Tross auf Mallorca auf. Also genau dort, wo ansonsten Amateurclubs ihren Saisonausklang feiern und der VfB nun einen größeren logistischen – und auch finanziellen – Aufwand betreiben muss, um am nächsten Montag Punkt 20.15 Uhr im Weserstadion bereit zu sein.

Kramny will einen neuen Reiz setzen

Es war der Wunsch Kramnys, nach der enttäuschenden 0:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund die Mannschaft noch einmal enger um sich ziehen, einen neuen Reiz zu setzen – und Dutt hat es ermöglicht. Wohl wissend, dass diese Aktion auch Kopfschütteln hervorrufen wird. Doch der Manager betont: „Es ist kein Zufall, dass wir so gut in die Rückrunde gestartet sind.“ Im Januar und Februar war das, als der VfB noch Spiele in Serie gewann.

Auch ein Ergebnis des Wintertrainingslagers in der Türkei, finden Dutt und Kramny. Obwohl sportlich nichts Außergewöhnliches lief in Belek, doch es entwickelte sich nach Einschätzung von Manager und Trainer ein toller Teamgeist. Das soll jetzt wieder passieren. Vor allem weil es dem Duo darum geht, einerseits die Spannung hoch zu fahren und andererseits einen gewissen Grad an Lockerheit zu erreichen. „Man kann nur kämpfen und spielen, wenn man auch locker im Kopf ist“, sagt Dutt.

Deshalb wird Philipp Laux eine gewichtige Rolle einnehmen. „Er ist aber keine Maßnahme, sondern ein Co-Trainer im sportpsychologischen Bereich“, sagt Dutt. Denn der Ex-Profi arbeitet seit Saisonbeginn als Mentalcoach beim VfB, ist ständiger Begleiter und Ansprechpartner. Gerade ihm wird nicht entgangen sein, wie sich die Spieler in eine Abwärtsspirale hineinmanövriert haben.

Aus dieser wieder herauszufinden, ist nun der große Kniff. Ohne Hokuspokus, wie Dutt findet, aber durchaus mit einem kurzzeitigen Gedächtnisverlust. Kein Gedanke soll mehr an die Begegnung mit dem BVB verschwendet werden, nichts den Blick auf das Bremen-Spiel trüben. „Es ist unsere klare Strategie, uns allein auf Werder zu konzentrieren und nicht über anderes zu philosophieren“, sagt der Manager.

Ursprünglich wollte der VfB ins Allgäu – aber dort ist es zu kalt

Seit Samstagabend sagt das der Sportchef in verschiedenen Kreisen immer wieder. Er ist der Überzeugung, dass sich dieses eine Kellerduell am Montagabend aus dem Alltag herauslösen lässt. Er ist auch der Überzeugung, in Kramny über einen Trainer zu verfügen, der erfahren und souverän agiert. Deshalb auch das Bekenntnis zum Chefcoach über die laufende Saison hinaus. „Diesbezüglich gibt es von mir keine politischen Aussagen, sondern nur hundertprozentiges Vertrauen“, sagt Dutt.

Da beim Tabellenfünfzehnten aber die Zeit der Zeichen ausgebrochen ist, wird alles hinterfragt und vieles interpretiert. So auch, ob die ausgewiesenen, aber verletzten Führungsspieler Serey Dié und Kevin Großkreutz mit in den Süden fliegen, um die Mitspieler zu pushen. Das Ergebnis: Serey Dié nicht, aber Großkreutz ist dabei.

23 Spieler steigen in den Charterflieger. Auch, weil das gewählte Hotel Hilton Sa Torre mit seinen 90 Zimmern ganz gut gebucht ist in den nächsten Tagen. Zudem hat sich der VfB sehr kurzfristig für den Sonnentrip entschieden. Denn ursprünglich sollte es ins Allgäu gehen. Doch dort herrschen eher Verhältnisse für Biathleten oder Skilangläufer. Und das kann der Abstiegskandidat so gar nicht gebrauchen, bevor es nach zwei Tagen in Stuttgart am Sonntagnachmittag dann heißt: Ab nach Bremen!