VfB Stuttgart Baustein Nübel – wie sich das Personalpuzzle des VfB zusammenfügt

Trainer Sebastian Hoeneß (li.) und Torhüter Alexander Nübel arbeiten beim VfB Stuttgart weiter zusammen. In unserer Bildergalerie blicken wir auf den aktuellen VfB-Kader und die Vertragslaufzeiten der Spieler. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Trainer Sebastian Hoeneß freut sich über den Verbleib des Torhüters Alexander Nübel. Doch nicht nur wegen dieser Personalie scheint der VfB Stuttgart für neue Herausforderungen schon recht gut aufgestellt.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Selbst bei einem, der künftig gar nichts mehr mit der Sache zu tun haben wird, kam die Nachricht gut an. „Nur Gewinner in der Konstellation“ sah Thomas Tuchel mit Blick auf die Tatsache, dass Alexander Nübel seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2029 verlängert hat, von den Münchnern aber bis 2026 weiter an den VfB Stuttgart ausgeliehen wird. Noch viel größer als beim am Saisonende scheidenden Bayern-Trainer war die Freude bei seinem Stuttgarter Kollegen.

 

„Ich freue mich total, dass wir Alex weiter im Tor stehen haben“, sagte am Freitagnachmittag Sebastian Hoeneß zur Nachricht, dass er weiter mit seinem Stammkeeper planen kann. Schließlich sei Nübel „vom ersten Spiel an für uns ein Riesenfaktor“ gewesen: „Er hat sehr schnell über richtig gute Leistungen überzeugt.“

Von der Klasse der früheren Schalkers war man in Stuttgart zwar schon lange überzeugt, dennoch war Hoeneß gespannt, wie er sich nach zwei Jahren in Frankreich bei AS Monaco in der Bundesliga präsentieren würde. „Ich glaube, dass sehr genau und fokussiert beobachtet wurde, wie er hier in Deutschland auftritt“, sagte Hoeneß nun vor der Partie am Samstagabend (18.30 Uhr/Liveticker) gegen Eintracht Frankfurt. Und ist begeistert, wie sein Torhüter diese Situation gemeistert hat: „Umso beeindruckender war, wie er die Saison bestritten hat.“ Und wie er auch mit den seltenen Rückschlägen umgegangen ist.

Vor zwei Wochen, zum Beispiel, hatte Alexander Nübel gegen den 1. FC Heidenheim gepatzt, die Aufholjagd der Aufsteiger beim 3:3 somit erst ermöglicht. „Und dann liefert er so ein Spiel in Dortmund“, staunte Hoeneß. Eine Woche danach war Nübel tatsächlich einer der Erfolgsgaranten beim 1:0-Erfolg beim BVB. Das zeige „seine mentale Stärke“, sagte der Trainer des VfB und lobte: „Er ist ein super Typ.“ Nübels Verbleib sei „eine runde Sache“. Das gilt auch für die generellen Planungen der VfB-Strategen bisher.

Viele Verträge laufen noch mindestens zwei Jahre

Der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth jedenfalls arbeitet Stück für Stück daran, dass das im Moment so erfolgreiche VfB-Team auch in der kommenden Saison in der Liga, im Pokal und auf internationalem Parkett – in der Europa League oder der Champions League – ähnlich zusammengestellt auftritt wie aktuell.

Zwar schützen auch langfristige Verträge nicht vor Abgängen, zumal Ausstiegsklauseln hier auch Möglichkeiten bieten. Aber immerhin hat Wohlgemuth in diesem Jahr bereits die Verträge mit Waldemar Anton (bis 2027), Enzo Millot (2028), Chris Führich (2028) und Pascal Stenzel (2026) verlängert. Und dazu durch die ablösefreien Sommer-Verpflichtungen von Yannik Keitel (SC Freiburg), Justin Diehl (1. FC Köln) und Nick Woltemade (Werder Bremen) auch an Breite und Verjüngung des Kaders gearbeitet.

Nun ist klar, dass Alexander Nübel bis 2026 bleibt, aus der aktuellen Stammformation haben zudem Josha Vagnoman (2026), Hiroki Ito (2027), Maximilian Mittelstädt (2026), Angelo Stiller (2027), Atakan Karazor (2026) und Serhou Guirassy (2026) einen Vertrag über mindestens zwei weitere Jahre. Ebenso verhält es sich bei Anthony Rouault (2027), Dan-Axel Zagadou (2026), Woo-yeong Jeong (2026) und Silas Katompa (2026).

Der VfB hat also stabile Verhältnisse geschaffen, um mit den aktuellen Spielern planen oder Ablösesummen generieren zu können. Bleiben einige Schlüsselpersonalien zu klären.

Was wird aus Deniz Undav und Jamie Leweling?

Zum einen gilt es möglichst früh Klarheit bei Serhou Guirassy zu bekommen. Der Torjäger, der jüngst den Torrekord von Mario Gomez (24 Bundesligatore für den VfB in der Saison 2008/2009) eingestellt hat, besitzt eine Ausstiegsoption, die für seinen heutigen Stellenwert als Schnäppchenpreis gilt. Für rund 20 Millionen Euro wäre der Nationalspieler Guineas im Sommer wohl zu haben. Wohlgemuth muss ihn entweder ein drittes Mal vom Verbleib überzeugen (womöglich mit einer weiteren Gehaltsanpassung) – oder eben frühzeitig Ersatz finden.

Auch noch offen ist, wie es mit Deniz Undav und Jamie Leweling weitergeht. Beide sind bis Saisonende ausgeliehen, der VfB besitzt jeweils eine Kaufoption – wobei vor allem eine Fest-Verpflichtung von Undav eine große finanzielle Herausforderung darstellen würde. Bis zu 20 Millionen Euro wären als Ablöse an den Premier-League-Club Brighton & Hove Albion zu zahlen, dazu käme ein hoch dotiertes Vertragspaket. Für rund fünf Millionen Euro könnten die Stuttgarter Leweling dem 1. FC Union Berlin abkaufen.

Das Problem bei diesen Überlegungen: Schon die erwähnten Vertragsverlängerungen bedeuten durch enthaltene Gehaltssteigerungen einen finanziellen Mehraufwand für den VfB, auch die Leihe Nübels ist in den nächsten beiden Jahren teurer als bisher. Zwar können die Stuttgarter mit der zweiten Tranche von Investor Porsche (20 Millionen Euro) und womöglich den Einnahmen aus der Champions League (allein mehr als 18 Millionen Euro Antrittsprämie) planen, sorgsam und zurückhaltend haushalten muss der VfB aber weiterhin.

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