VfB Stuttgart bei Borussia Dortmund Die emotionale Rückkehr von Dan-Axel Zagadou

Fünf Jahre stand Dan-Axel Zagadou bei Borussia Dortmund unter Vertrag. Jetzt kehrt er mit dem VfB Stuttgart an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der Neuzugang hat beim VfB schnell gezeigt, wie wertvoll er sein kann – wenn er fit bleibt. Nun trifft der Verteidiger in Dortmund auf alte Freunde. Wie blickt er auf das Duell mit seinem Ex-Verein?

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Für Sven Mislintat, den Sportdirektor des VfB Stuttgart, sind Spiele gegen Borussia Dortmund noch immer emotionale Reisen in die Vergangenheit. Der einstige Chefscout und Leiter Profifußball des BVB schwärmt von der Atmosphäre im dortigen Stadion, schreibt fleißig Nachrichten an frühere Weggefährten, trifft langjährige Freunde.

 

Auch Chris Führich und Pascal Stenzel haben positive Erinnerungen an ihre Zeit bei der Borussia. Doch für keinen ist das Duell an diesem Samstag (15.30 Uhr/Liveticker) so bedeutend wie für Dan-Axel Zagadou. Nach fünf Jahren in Dortmund, in denen er unter anderem 2021 den Pokal gewann, erhielt der Innenverteidiger keinen neuen Vertrag mehr, war im Sommer arbeitslos. Allerdings nicht lange – und in seinem neuen Job ist er schnell zur festen Größe geworden.

Zagadou erhöht den Konkurrenzkampf in der VfB-Defensive

Weil im Fußball Verletzungen nicht zu vermeiden sind, ist es wichtig, Vorsorge zu treffen. Deshalb investierte der VfB Mitte September, nach dem Ende der Transferperiode, noch mal ins Personal: Dan-Axel Zagadou (1,96 Meter) kam als überragende Alternative zu Konstantinos Mavropanos (1,94 Meter), Waldemar Anton (1,89 Meter) und Hiroki Ito (1,88 Meter), den Konstanten in der Dreierkette. „Bis dahin sind wir hinten ja nicht so viele Spieler gewesen, deshalb war es eine gute Verpflichtung“, sagt Anton, „zumal auch Konkurrenzkampf sehr wichtig ist. Nur so kann man als Profi besser werden.“

Seither gilt: Zagadou stabilisiert die Defensive des VfB nicht nur, er bringt auch die eingespielte Struktur ins Wanken. Beim 0:1 gegen Union Berlin stand der Franzose erstmals in der Startelf. Coach Pellegrino Matarazzo baute aus allen vier Innenverteidigern eine Art Stuttgarter Mauer, was ihn allerdings nicht vor der Niederlage und dem Rauswurf bewahrte: Zehn Minuten nach der Auswechslung von Zagadou (67.), der körperlich am Ende war, kassierte der VfB das Gegentor zum 0:1.

Sven Mislintat nennt Zagadou einen „Monster-Innenverteidiger“

Auch Interimstrainer Michael Wimmer setzte am Samstag beim 4:1 gegen den VfL Bochum auf Zagadou. Der Neuzugang sah zwar in zwei Szenen nicht gut aus (einmal verlor er ein Sprintduell gegen Philipp Förster, einmal trat er über den Ball), beide Aktionen blieben aber ohne Folgen. Ansonsten zeigte der 23-Jährige, was ihn ausmacht. „Er ist athletisch stark, hat ein gutes Passspiel, gibt uns eine gewisse Ruhe“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat, „er ist ein Monster-Innenverteidiger.“ Wenn er fit ist.

Dass Zagadou, der bei Paris Saint-Germain groß wurde, über enormes Talent verfügt, gilt als unstrittig. In den fünf Jahren bei Borussia Dortmund kam er trotzdem nur auf 67 Bundesliga-Einsätze – zumeist war er entweder gesetzt oder verletzt. Das Knie spielte öfter nicht mit, dazu kamen häufig Muskelprobleme.

Zagadou arbeitet mit einem persönlichen Trainer an seiner Fitness

Allerdings warf keiner der Rückschläge den französischen Jugend-Nationalspieler (51 Einsätze in U-Teams) mit Wurzeln in der Elfenbeinküste aus der Bahn. „Verletzungen passieren, doch ich bin ein positiver Mensch“, sagt Zagadou, den alle nur „Daxo“ rufen, „ich gebe danach alles, um schnell wieder fit zu werden.“

Besser ist freilich, gar nicht erst auszufallen. Nach dem Vertragsende in Dortmund hielt sich Zagadou mit einem persönlichen Coach in Form, nach Stuttgart (Kontrakt bis 2026) kam er in ordentlicher Verfassung. Am Mittwoch, beim 6:0 im Pokal gegen Arminia Bielefeld, fehlte er zwar wegen eines grippalen Infekts, in Dortmund wird er aber wohl wieder zur Startelf gehören.

„In seinen Zweikämpfen und bei den Grätschen sieht man, dass er Zeichen setzen kann“, lobt Sven Mislintat den Neuzugang, und Interimstrainer Michael Wimmer meint: „Er ist ein super Typ, extrem wichtig für die Mannschaft. Daxo spricht viel, geht immer voran.“

In Stuttgart gehört Zagadou mit einem Grundgehalt von etwas mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr zu den Spitzenverdienern. Es ist der Preis, den der Verein bereit war, für die Stabilität seiner Deckung zu bezahlen. Bisher sieht es so aus, als könne die Rechnung aufgehen. Wovon, unter dem Strich, nicht nur der Bundesliga-14. profitieren würde, sondern auch Zagadou selbst. „Der VfB ist ein großer Club in Deutschland“, sagt er, „wir haben eine junge Mannschaft, ich bin ein junger Spieler.“ Dies sei eine gute Konstellation, „um weiter wachsen und sich verbessern“ zu können.

In der Hoffnung, dass irgendwann ein ganz großer Club Interesse zeigt. Es würde zum Geschäftsmodell des VfB passen. Zagadou kam ablösefrei, sein Marktwert ist von einst 35 auf fünf Millionen Euro gefallen. Steigerungspotenzial gibt es also genug – und damit auch die Möglichkeit, bei einem Transfer gut zu verdienen.

Doch das ist ein Blick in die Zukunft. Zunächst zählt die Gegenwart. Und vor allem die emotionale Rückkehr nach Dortmund. „Ich freue mich schon, die Jungs und das Team zu treffen“, sagt Zagadou vor seiner Reise in die Vergangenheit, „mit ein paar von ihnen bin ich immer noch befreundet.“ Abseits des Platzes. Auf dem Rasen kennt Zagadou keine Freunde.

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