Zum Fototermin erscheinen beide im Partnerlook und einem Lächeln im Gepäck. Weißes Trikot, roter Brustring, VfB-Wappen auf der Brust. Er mit dem gemeinhin bekannten Männersponsor, sie im leicht veränderten Dress des Frauenteams. Gestatten: Lara (23) und Tom Barth (17), Geschwister. Beides Fußballer – und beide in Diensten des VfB Stuttgart.
Er will Profi werden, sie schauen, „wie weit es noch geht“
Die Voraussetzungen sind höchst unterschiedlich. Auch wenn der Frauenfußball in großen Schritten aufholt und die Rahmenbedingungen beim VfB professionellen Ansprüchen schon nahekommen: Die 23-Jährige ist eine reine Amateurspielerin. Hauptberuflich arbeitet sie in Bad Cannstatt als Bürokauffrau. Dreimal die Woche wird abends trainiert. Geld gibt es in der viertklassigen Oberliga keines, außer einer kleinen Fahrtgeldpauschale. Ihre sportlichen Ziele formuliert Lara Barth wie folgt: „Mal schauen, wie weit es für mich noch geht.“
Ihr sechs Jahre jüngerer Bruder setzt dagegen ganz auf die Karte Fußball. Also fast. Das Abi will Tom Barth noch machen, danach soll es nur noch ein Thema geben: Fußball. Mit 17 steht ihm die Tür zur Profiwelt weit offen. Sein 2005er Jahrgang wird bereits als die nächste Generation junger Wilder beim VfB gepriesen. Die Möglichkeiten sind groß – die Konkurrenz ist es allerdings auch. „Mal schauen“, sagt er und schmunzelt.
Unterschiedliche Vorzeichen, viele Gemeinsamkeiten
So unterschiedlich die Vorzeichen für das weiß-rote Geschwisterduo sein mögen, so viele Gemeinsamkeiten bringen die beiden mit. Es scheint, als hätten die Gene Bruder und Schwester Barth identische fußballerische Merkmale in die Wiege gelegt. Sowohl Tom als auch Lara können es beidfüßig und sind vor allem läuferisch stark. Ihr Job ist es, die Linie rauf-und runterzurennen und die Stürmer(innen) in Szene zu setzen: Tom spielt rechter Verteidiger, Lara rechte Verteidigerin. Zufall? Beide lachen und zucken mit den Schultern. Gefragt nach ihren Schwächen, antworten sie unisono: „Wir sind beides keine Kopfball- und Zweikampfmonster.“
Dass beide im Fußball ihre Leidenschaft gefunden haben, ist hauptsächlich der großen Schwester geschuldet. Über den Vater des besten Kindergartenfreundes landete sie einst bei den Bambini des TSV Münster. „In der Kindheit hatte ich fast nur Jungs als Freunde“, erzählt Lara Barth. Also hat sich das mit dem Fußball schnell verselbstständigt. Kickende Mädels waren vor zehn, 15 Jahren eher selten. Über Münster und Weinstadt landete sie irgendwann beim VfB Obertürkheim, der Top-Adresse in der Region.
Die große Schwester brachte den kleinen Tom einst zum Fußball
Der kleine Tom war immer dabei – bis er selbst die Kickstiefel schnürte. Heraus kam eine bewegte Laufbahn im Kinder- und Jugendfußball: TSV Schmiden, VfL Waiblingen, SGV Freiberg, wieder Waiblingen, ehe er beim Club aus Cannstatt landete. Dass die Barths (der Vater war Fußballtorwart, die Mutter Handballerin) in der Nähe des Kurparks aufwuchsen und von dort bei Heimspielen die Jubelschreie aus der Arena hörten, ist die besondere Fußnote unter diese Geschichte. „Für mich war das immer Ansporn, hier mal zu spielen“, sagt Tom Barth.
Einzig die mittlere Schwester Ella fällt aus der Reihe. „Sie musste das alles mit ertragen“, sagt Lara Barth und lacht. Ella studiert mittlerweile und spielt Volleyball – rein hobbymäßig.
So ist der Terminplan der Barths stets eng getaktet, was vor allem für die 23-jährige Lara mitunter zu Kollisionen führt. Sie selbst spielt, wenn sie wie aktuell nicht wegen einer Sehnenreizung ausfällt, mit den VfB-Frauen in der Oberliga meist sonntags. Ihr kleiner Bruder muss mit den U-19-Junioren in der Bundesliga samstags ran. Genauso wie Laras Partner, der ebenfalls Fußball spielt. Wenn möglich, schaut Lara aber ihrem Bruder Tom zu. Lächelnd fügt sie hinzu: „Danach gibt’s immer Feedback.“
Ganz ältere Schwester eben.