Wo Licht ist, ist auch Schatten, wo es viele Gewinner gibt, sind auch Verlierer. Nicht anders geht es im Profifußball zu und damit auch beim VfB Stuttgart, der bislang eine famose Saison spielt und vor dem kommenden Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt am Samstag (18.30 Uhr) den dritten Platz belegt. Alle Welt redet von Serhou Guirassy und Co. – doch was ist mit all jenen, deren Erwartungen in dieser Saison bislang noch nicht erfüllt wurden? Ein Überblick.
Jetzt ist Bredlow, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, zumindest wieder fit. „Alex hat Top-Leistungen gebracht, die Situation im Tor ist klar“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß. „Fabi hatte zuletzt Verletzungsprobleme, jetzt kann er Alex im Training richtig Feuer machen. Seine Einstellung ist top, er ist auch in der Kabine ein wichtiger Faktor für uns.“
Genki Haraguchi: Der Japaner war noch ein Wunsch-Transfer von Bruno Labbadia, unter Nachfolger Hoeneß spielt der Japaner kaum eine Rolle. In dieser Spielzeit kommt er auf einen 20-minütigen Kurzeinsatz.
„Genki hatte keinen wirklich guten Saisonstart, hat sich jetzt aber zurückgekämpft. Mit seinen Trainingsleistungen bin ich zufrieden“, urteilt der Coach. Im Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg (2:0) traf er zur Führung. Das Problem des 32-Jährigen: Die Konkurrenzsituation im defensiven Mittelfeld, wo sich Angelo Stiller und Atakan Karazor festgespielt haben. „An den beiden ist es im Moment einfach schwierig vorbeizukommen,“ sagt Hoeneß. Der Japaner ist keiner, der sich dagegen auflehnt. Eine längere Zukunft in Stuttgart gilt dennoch als unwahrscheinlich. Sein Vertrag läuft im Sommer aus.
Lilian Egloff: Das Eigengewächs läuft Gefahr, zum ewigen Talent abgestempelt zu werden. Sein Vertrag läuft 2024 aus, weshalb er in den kommenden Monaten wohl um seine letzte Chance beim VfB spielt.
Lange verletzt auf der einen Seite, hoch veranlagt auf der anderen Seite, aber ohne den allerletzten Biss – diese Mixtur garantiert dem 21-Jährigen in dieser Saison zwar regelmäßig einen Platz im Kader. Viel mehr aber auch nicht. Zuletzt lief er in der U21 auf. Bei den Profis sieht er sich im defensiven wie im offensiven Mittelfeld großer Konkurrenz ausgesetzt.
Über ihn sagt Hoeneß: „ Als junger Spieler ist es für ihn wichtig, Spiele in die Beine zu bekommen, deswegen war er auch zuletzt bei der U21 und hat dort gegen Hoffenheim eine gute Leistung gezeigt. Li muss dranbleiben und für die Chance, die sich ihm irgendwann bieten wird, bereit sein.“ Im Test gegen Nürnberg machte er mit dem Treffer zum 2:0 auf sich aufmerksam.
Roberto Massimo: Zu Beginn der Saison sah es danach aus, dass Roberto Massimo beim VfB vielleicht doch noch die Kurve bekommen könnte. Nach seiner Portugal-Leihe kam der Außenbahnspieler in den ersten drei Saisonspielen zu drei Kurzeinsätzen über insgesamt 58 Minuten, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Sein Platz ist zwischen Bank und Tribüne, die Perspektive (Vertrag bis 2024) in Stuttgart wenig aussichtsreich. Als erste Alternative zu den etablierten Kräften auf der rechten Seite hat Luca Raimund Massimo den Rang abgelaufen.
Thomas Kastanaras: Das Eigengewächs hat immer noch mit den Nachwehen seines im Mai erlittenen Mittelfußbruchs zu kämpfen. „Für Thomas war es nach seiner langen Verletzung wichtig, wieder fit und gesund zu werden“, sagt Hoeneß über den Angreifer. An diesem Punkt befindet sich der 20-jährige Mittelstürmer: Bereit, im Training wieder voll anzugreifen.
Spielpraxis erhält er im Moment in der U21, wo er in der Regionalliga bereits vier Tore erzielt hat. In der Bundesliga stand er trotz des Ausfalls von Serhou Guirassy erst einmal im Kader. Hoeneß: „Für ihn heißt es: Dranbleiben! Thomas hat eine gute Einstellung, er ist ein Arbeiter.“
Jovan Milosevic: Der junge Stürmer aus Serbien konnte ebenfalls nicht von Guirassys Zwangspause profitieren. Zuletzt stand er zweimal nicht im Kader. Hoeneß’ Erklärung: „Jova hat spannende Ansätze und in der Sommervorbereitung richtig gut begonnen. Aktuell ist er in einem kleinen Tief, das ist aber bei jungen Spielern völlig normal, ähnliche Entwicklungen habe ich als Trainer schon häufig erlebt. Jova ist ein Spieler, der viel an sich arbeitet, im Moment vielleicht sogar etwas zu viel.“
Insofern sieht man beim VfB die Personalie Milosevic gelassen. Der 18-Jährige steht noch bis 2027 unter Vertrag – er bekommt also die Zeit, Tiefs wie das aktuelle zu durchlaufen.