VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund Das sagt Mats Hummels vor dem Duell am Samstag

Der BVB um Mats Hummels kam bei Manchester City ins Rollen – und will nun auch im Liga-Alltag beim VfB Stuttgart am Samstag überzeugen Foto: AP

In der Champions League hui, in der Bundesliga pfui! Die Stars von Borussia Dortmund rätseln nach dem starken Auftritt bei Manchester City über ihre Formschwankungen – und geloben beim VfB Stuttgart Besserung.

Sport: Marco Seliger (sem)

Stuttgart/Manchester - Wie groß der Wettbewerb und wie groß die Motivation bei Erling Haaland war, zeigte sich in einem wunderbaren Bild in Nahaufnahme. Da stand der 20 Jahre alte Starstürmer also vor dem Anpfiff in Manchester auf dem Platz und begann zu singen. Erwiesenermaßen handelte es sich bei der Champions-League-Partie zwischen Manchester City und Haalands Borussia Dortmund nicht um ein Länderspiel, weshalb es keine Nationalhymnen gab und die Einlage des Norwegers daher ein wenig überraschte.

 

Wer allerdings weiß, dass Haaland jeden Morgen mit der auf seinem Smartphone-Wecker einprogrammierten Hymne der Champions League aufwacht, den konnte es dann doch nicht mehr so ganz erstaunen, dass er vor dem Anpfiff genau jene Hymne mit dreisprachigem Text (Englisch, Deutsch, Französisch) sicher mitsang, eingefangen von den Fernsehkameras.

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Knappe zwei Stunden später dann hatte die Fußballwelt endgültig ein Gespür dafür bekommen, wie groß und wichtig dieser Wettbewerb namens Champions League für Haaland und auch für all seine Teamkollegen des BVB ist. Weil die Borussia beim großen Favoriten namens ManCity passend zur Motivationslage eine große, bisweilen sogar bärenstarke Leistung ablieferte. 1:2 hieß es am Ende. Es ist ein Ergebnis, das Dortmund alle Chancen fürs Rückspiel lässt.

Die große Ratlosigkeit

Stolz waren alle Borussen nach ihrem Auftritt von Manchester – aber sie waren auch eines: ratlos. Denn diese eine Frage begleitete den BVB-Tross bei der Rückreise nach Dortmund: Warum, verdammt noch mal, geht das nicht immer so?

Die Beteiligten wissen das nicht, weshalb sich nach den Aussagen von Manchester sagen lässt, dass Borussia Dortmund sich selbst ein Rätsel bleibt. „Wir stellen uns auch die Fragen, warum wir es nicht konstant abrufen“, sagte etwa der Trainer Edin Terzic: „Das ärgert uns am meisten.“ Marco Reus, der Kapitän, gab dies zum Besten: „Wir reden oft davon, dass wir Kontinuität brauchen, aber wir kriegen es nicht hin.“ Und der Wortführer Mats Hummels ergänzte das: „Wir haben genau den Einsatz gezeigt, den die Mannschaft immer zeigen sollte.“

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Weil der BVB das aber offenbar nur in der Königsklasse und nicht auf der kleineren Bühne Bundesliga kann, steht das Team von Edin Terzic da, wo es vor dem Gastspiel an diesem Samstag beim VfB Stuttgart (18.30 Uhr) steht: auf Platz fünf.

Vereinfacht gesagt ist es so: Der BVB wäre in der Bundesliga locker auf Champions-League-Kurs, wenn er dort häufiger so gespielt hätte wie in Manchester. So aber steht Borussia Dortmund vor einem bitteren Kuriosum: Der Club droht jenen Wettbewerb zu verpassen, den die Spieler dieses Kaders offenbar brauchen, um sich zu 100 Prozent zu motivieren.

Hummels’ Erwartungen

Mats Hummels sprach am Dienstagabend noch weiter. Seine Aussagen ließen dabei tief blicken in den Alltag bei den Schwarz-Gelben, der offenbar nicht von der höchsten Motivation geprägt ist. „Wenn man es jeden Tag im Training zeigt, zeigt man es auch in jedem Spiel“, sagte Hummels also vielsagend und ergänzte: „Wir müssen zeigen, dass diese Leistung nicht nur auf der ganz großen Bühne möglich ist, sondern samstags gegen Frankfurt und samstags in Stuttgart.“ Dort, im Spiel beim VfB, erwartet Hummels nun, „dass wir mit derselben Leidenschaft spielen und uns nicht aussuchen, wann wir das zeigen“.

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Zuletzt aber war das BVB-Team da sehr wählerisch unterwegs. So ist die einzige Konstante in dieser Saison die Inkonstanz. Dabei war die Borussia ja mit dem Ziel Meisterschaft in diese Runde gestartet – und die Mischung im Kader aus erfahrenen Kräften wie Hummels oder Reus auf der einen und Toptalenten auf der anderen Seite schien dafür gemacht zu sein, um dem FC Bayern mal wieder die Stirn zu bieten. Der Trainer Lucien Favre brachte sein Team aber nicht mehr in die Spur. Irgendwann trat der BVB so zaudernd und zögernd auf, wie das der Coach intern und in der Öffentlichkeit oft tat.

Wie hoch ist die Qualität?

Favres mahnende Worte aus der Vorrunde aber hallen nun mehr denn je nach – der Coach, der im Dezember entlassen wurde, flehte damals immer wieder, dass man sich nicht besser machen solle, als man ist. Und dass die Qualität im Kader doch nicht so hoch sei wie teils kolportiert. Beste Beispiele hierfür sind die Offensivmänner Julian Brandt und Thorgan Hazard, die derzeit kaum noch ein Rolle spielen, vorher bisweilen aber zu den nächsten Topstars hochstilisiert wurden.

Alles wirkt irgendwie unrund beim BVB – so auch auf der Trainerposition, wo der Clubchef Hans-Joachim Watzke noch immer seinem alten Spezl Jürgen Klopp nachtrauert. Fakt ist: Der nächste Schuss Watzkes, dessen Trainer in den Jahren nach Klopp scheiterten (sportlich oder wie bei Thomas Tuchel menschlich), sollte mit Marco Rose nun sitzen. Ansonsten dürfte es für ihn irgendwann ungemütlich werden in seinem schwarz-gelben Reich.

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