Denn: Gleich mehrere Profis wurden seit Labbadias Amtsantritt in Bad Cannstatt im Eiltempo umgeschult – und laufen derzeit nicht auf ihren angestammten Positionen auf. Innenverteidiger Waldemar Anton? Beackert seit Wochen die rechte Seite in der Viererkette. Flügelstürmer Silas Katompa? Besetzte zuletzt zweimal in Folge das Sturmzentrum.
Mittelfeldspieler Nikolas Nartey könnte Linksverteidiger Borna Sosa ersetzen
Jetzt, im Heimspiel gegen den FC Bayern an diesem Samstag (18.30 Uhr/Liveticker), könnte diese Liste um einen weiteren Eintrag ergänzt werden: Nikolas Nartey ist wieder fit und gilt als heißer Kandidat, um den gelbgesperrten Linksverteidiger Borna Sosa zu ersetzen. Narteys Kernkompetenz liegt aber eigentlich ganz woanders. Im Zentrum, als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Auch der Stuttgarter Trainer sieht den gelernten Mittelfeldspieler dort an sich am stärksten: „Die Linksverteidiger-Position ist für ihn sehr ungewohnt.“ Dort zum Einsatz kommen könnte er dennoch.
All die Rochaden eint, dass es sich nicht um kleinere Verschiebungen handelt. Sondern um grundlegende Positionswechsel, vom Zentrum nach außen (Nartey, Anton) oder umgekehrt (Silas). Mit entsprechend unterschiedlichen Anforderungen: Hat man als Außenspieler mit der Seitenlinie im Rücken meist das gesamte Feld im Blick, ist im Zentrum eine 360-Grad-Orientierung nötig.
Waldemar Anton und Silas Katompa konnten gegen Schalke nicht überzeugen
Ob diese Umstellungen nun als besonders kreativer Kniff des Trainers durchgehen oder doch als typischer Fall von Fehlbesetzungen, hängt im schnelllebigen Profigeschäft natürlich ganz maßgeblich von den jüngsten Ergebnissen und Leistungen ab. Und hier kommt man mit Blick auf den ernüchternden Auftritt beim 1:2 gegen den FC Schalke 04 nicht um den Befund herum, dass die positionsfremd eingesetzten Spieler dort in ihren Rollen überhaupt nicht zurechtkamen. Das galt zwar für weite Teile der Mannschaft, war aber im Fall von Anton und Silas besonders augenfällig.
Anton leistete sich auf rechts etliche Fehlpässe und initiierte obendrein kaum etwas nach vorne. Silas wiederum fand als alleinige Spitze kaum Bindung zum Spiel – was sich erst etwas besserte, als er sich nach der Pause vermehrt auf die rechte Seite fallen ließ. Seit Wochen schwelende Diskussionen nahmen in der Folge wieder Fahrt auf, was auch Labbadia registrierte. „Nach dem Spiel ist man erst mal immer schlauer“, sagte der Coach mit einigen Tagen Abstand. Er verstehe das Hinterfragen auch. „Das muss man sich als Trainer gefallen lassen.“
Der verletzte Mittelstürmer Serhou Guirassy wird schmerzlich vermisst
Im Kern dreht sich die Diskussion um zwei Fragen. Spielen die Spieler wirklich auf ihren stärksten Positionen? Und gibt es denn überhaupt Alternativen im Kader, um positionsfremde Besetzungen weitgehend zu vermeiden? Bei Silas ist das Ganze etwas kompliziert. Auch für Labbadia war er nicht die erste Option im Sturmzentrum, eigentlich nicht einmal die zweite.
Aber Mittelstürmer Serhou Guirassy fehlt nun mal seit Wochen verletzt – und dessen Ersatzmann Luca Pfeiffer überzeugte schlichtweg nicht. Dass Silas dauerhaft als Spitze aufläuft, ist aber längst nicht ausgemacht. Wegen der Erfahrungen des Schalke-Spiels – aber auch, weil in Tiago Tomas nach dessen überwundener Bauchmuskelverletzung wieder eine Alternative für die Position ganz vorne bereitsteht.
Labbadia verteidigt seine Aufstellung gegen den FC Schalke
Weitaus umstrittener ist die Personalie Anton. Viele sehen den 1,89 Meter großen Zweikämpfer im Zentrum besser aufgehoben als auf außen, wo oft auch Wendigkeit und präzises Passspiel in engen Räumen gefragt sind. Und: Im Stuttgarter Kader stünden durchaus gelernte Rechtsverteidiger parat. Pascal Stenzel etwa, der in der Vergangenheit zwar selten Bäume ausriss – aber relativ verlässlich ein grundsolides Niveau abspulte. Oder Josha Vagnoman, der vor der Saison vom Hamburger SV zum VfB gewechselt war.
Labbadia hatte die Entscheidung für Anton als Rechtsverteidiger unter Verweis auf dessen Energie immer wieder verteidigt. Bis zum schwachen Spiel beim Tabellenletzten aus Gelsenkirchen. „Waldemar hat auf Schalke kein gutes Spiel gemacht, definitiv“, sagt Labbadia, „er hat seinen Raum nicht genutzt.“ Besser schlug sich dann Vagnoman, der nach knapp einer Stunde für Anton kam und vom Stuttgarter Trainer ein gutes Zeugnis ausgestellt bekam.
Allerdings bekräftigte Labbadia mit Blick auf die Aufstellung zugleich: „Ich würde es wieder so machen, weil das Spiel es total hergegeben hat.“ Die Räume seien gegen aufgerückte Schalker vorhanden gewesen, Spieler wie Silas und Anton hätten sie viel besser nutzen können. Taten sie aber nicht, weshalb die Diskussionen über Aufstellung und Positionen den VfB ziemlich sicher weiter begleiten werden. Das weiß auch Labbadia.