VfB Stuttgart gegen FC Barcelona Plötzlich coronageplagt – wie es nun beim VfB weitergeht

Im Spiel gegen den FC Barcelona war Mateo Klimowicz (li.) einer von nur acht eingesetzten Profis des VfB Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Weitere Coronafälle, eine Diskussion ums Impfen und ungewisse Aussichten. Das Testspiel gegen den FC Barcelona wirft beim VfB Stuttgart viele Fragen auf.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Stuttgart - An diesem Montag stehen beim VfB Stuttgart die nächsten Coronatests für die Fußballprofis an. Auch am Dienstag wird noch einmal überprüft, ob sich Spieler des Bundesligisten mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Ergebnisse sind wichtig zu wissen. Zum einen, weil der Trainer Pellegrino Matarazzo seine Mannschaft danach weiter auf den Pflichtspielstart am Samstag im DFB-Pokal bei Dynamo Berlin vorbereiten will. Zum anderen, weil die Umstände der Testpartie gegen den FC Barcelona (0:3) den VfB mit voller Wucht erwischt haben.

 

Die Stuttgarter gelten seit Samstag als coronageplagt. Denn am Vormittag gab es nach Sasa Kalajdzic zwei weitere Spieler (namentlich nicht genannt), die einen positiven Coronabefund aufwiesen. Das waren schlechte Nachrichten, da sie zu einer Reihe von Entscheidungen führten, die viel mit Organisation zu tun hatten, aber wenig mit der üblichen Vorbereitung auf ein Fußballspiel gegen einen prominenten Gegner.

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Das Augenscheinlichste war am Samstagabend auf dem Rasen zu sehen: Matarazzo bot eine Startelf auf, in der nur acht Profis standen. Der große Rest wurde als angeschlagen, verletzt, bei Olympia aktiv, positiv getestet oder nicht vollständig geimpft gemeldet. Insgesamt fehlten 24 Spieler. Dafür kamen acht Nachwuchskräfte aus der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Eine Mischung, die viele nichtsportlichen Fragen rund um den VfB aufwarf. Vor allem, wer die zwei weiteren Coronafälle sind? Doch nachdem Kalajdzic selbst den Impuls gegeben hatte, seinen Namen zu veröffentlichen, zeigen sich die Stuttgarter nun verschlossen. Das Ganze sei eine persönliche Angelegenheit, heißt es.

Eine „Übervorsichtsmaßnahme“

Doch mit dem Spiel gegen Barça hat den VfB nun die Debatte ereilt, warum er so viele nicht vollständig geimpften Spieler habe? „Dass wir diese herausgenommen haben, war eine Übervorsichtsmaßnahme“, sagt der Sportdirektor Sven Mislintat, „wäre es ein Pflichtspiel gewesen, hätten wir nahezu mit der kompletten Kapelle auftreten können.“ Gemäß dem Hygienekonzept des Ligaverbandes DFL. Denn bis auf drei Spieler wurden die anderen zuletzt negativ getestet.

Zudem ergaben die Untersuchungen, dass die Viruslast bei den Betroffenen gering ist. Dennoch hält Mislintat, der selbst ein Impfbefürworter ist, grundsätzlich nichts davon, die Spieler zu einem Piks zu verpflichten. Der 48-Jährige will lieber Aufklärung betreiben. „Wir werden die Argumente, die dafür- und dagegensprechen, jetzt noch einmal sammeln und durchsprechen“, sagt Mislintat, „anschließend können die Jungs frei entscheiden. Das ist ihr gutes Recht.“

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Letztlich liegt es in der Verantwortung jedes einzelnen Spielers, wie er mit der Pandemie umgeht. Und aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen eineinhalb Jahren vertraut Mislintat den Spielern. „Sie haben sich bisher sehr diszipliniert an die Maßnahmen gehalten“, sagt der Sportdirektor. Das gilt auch für den Samstag – und den Verzicht auf die besondere Begegnung mit Barça.

Nicht einmal im Stadion saßen die VfB-Spieler von der Ausfallliste – obwohl sich ja nur die wenigsten in häuslicher Isolation befinden. Eine Vorgabe des großen Gegners aus Katalonien war es allerdings nicht, dass nur vollständig Geimpfte auf den Rasen durften. „Das haben wir in Absprache mit Barça gemeinsam entschieden“, sagt Mislintat.

Keine Auswirkung auf die Transferpolitik

Als möglicher Superspreader für den Edelverein wollte der VfB aber nicht gelten. Weshalb Chefcoach Matarazzo und der U-21-Trainer Frank Fahrenhorst am Mittag die Köpfe eine ganze Weile zusammenstecken mussten, ehe der Kader stand. Erst danach erfuhren die Nachwuchskräfte, dass sie nicht wie vorgesehen gegen den Regionalliga-Rivalen FC Astoria Walldorf auflaufen, sondern am Abend gegen den Champions-League-Club aus Spanien. Denn die Testpartie der zweiten Mannschaft wurde abgesagt, um das Spiel gegen Antoine Griezmann und Co. vor 25 000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena stattfinden lassen zu können. Zumal die Begegnung im Fernsehen gezeigt wurde.

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Wirtschaftliche Gründe, das Spiel anzupfeifen, gab es jedoch nicht, wie Mislintat betont. Das Erlebnis für die Fans und die Spieler stand im Vordergrund – und brachte die Erkenntnis, dass weitere Talente das Potenzial für höhere Aufgaben haben. Deshalb werden die besonderen Umstände nicht zu Hektik in der Personalplanung führen. Alles bleibt, wie es ist beim VfB – mit einer Impfquote von 50 Prozent im Team und drei Spielern, die am Sonntag das kurzfristige Impfangebot des Vereins wahrgenommen haben.

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