Fast zwei Jahre wurde geschraubt, gebohrt, gehämmert – jetzt ist alles fertig: Am Samstag wird die runderneuerte Haupttribüne der MHP-Arena eröffnet, wenn der VfB Stuttgart um 18.30 Uhr (Liveticker) auf Eintracht Frankfurt trifft. Die Kosten von rund 140 Millionen Euro trugen die Stadt Stuttgart und der Fußball-Bundesligist. Ein Blick auf die wichtigsten Neuerungen.
Die Kabinen Die Ansprache des Trainers, das Einheizen vor dem Anpfiff – vieles rund um eine Fußballpartie spielt sich in den vier Wänden einer Mannschaft ab. Am Samstag gegen die Eintracht werden die VfB-Profis nun erstmals ihr neues Spieltagsdomizil beziehen. Die neuen Kabinen in der Stuttgarter Arena sind zum einen weiträumiger als zuvor, zudem gewähren sie durch ihre halbrunde Form von allen Plätzen freie Sicht auf Mitspieler und Chefcoach.
Einen Hauch Heimvorteil gibt es obendrein: Im Bauch der Haupttribüne befindet sich ein Aufwärmbereich, der nur den VfB-Profis vorbehalten ist. Durch die Fertigstellung der Kabinen ändert sich auch der Gang aufs Feld: Die Mannschaften werden von jetzt an wieder von der Mittellinie aus auf den Rasen kommen – und nicht mehr wie zuletzt während des Umbaus von der Untertürkheimer Kurve aus.
Der Tunnelclub Er ist ein absolutes Prestigeobjekt der neuen Arena: 200 Gäste haben in dem exquisiten VIP-Bereich durch eine Glasscheibe freie Sicht auf die Profis und ihren Weg von der Kabine aufs Feld. In Deutschland gibt es das kein zweites Mal, in dieser Form eigentlich nicht einmal in Europa. Die englischen Erstligisten Manchester City und Tottenham Hotspur locken zwar ebenfalls mit solchen Einblicken aus den Logen, dort aber bleibt es bei einem kurzen Blick auf die vorbeihuschenden Spieler.
Hinzu kommen weitere Extras wie eine andere Kulinarik als in anderen VIP-Bereichen – und bei ausgewählten Spielen einen Shuttleservice in Autos von VfB-Investor Porsche, der auch Namensgeber des Tunnelclubs ist. Bis vor die eigene Haustüre wird man gefahren, sofern die sich nicht gerade in Hamburg befindet: Für Stuttgart und das nähere Umland gilt das Angebot, zudem nach Voranmeldung. Im Preis ist der Service inbegriffen.
Apropos Preis: Günstig ist das Ganze nicht, der Tunnelclub zielt auf eine zahlungskräftige Kundschaft ohne Berührungsängste mit dem Hochpreissegment. 1000 Euro kostet ein Ticket im Rahmen einer Dauerkarte, 1200 im Einzelkauf, 1300 bei Topspielen – jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Hälfte der Plätze wurde bereits über Dauerkarten abgesetzt, mit den darüber hinaus verkauften Einzeltickets sind die verbleibenden drei Heimspiele dieser Saison inzwischen nahezu ausverkauft. Beim VfB ist man von der Strahlkraft des Projekts überzeugt: „Der Porsche-Tunnelclub wird für uns als VfB, aber auch für die ganze Bundesliga ein absoluter Mehrwert und Gewinn sein“, sagt Marketingvorstand Rouven Kasper. Man werde mit dem VIP-Bereich die neue Benchmark im Jahr 2024 legen.
VIP-Bereiche Rein quantitativ ist der Tunnelclub nur ein kleiner Teil des großen Ganzen: Gut 3200 der insgesamt 13 808 Plätze auf der neuen Haupttribüne sind VIPs vorbehalten, im Inneren erstreckt sich der Aufenthaltsbereich hierfür über mehrere Etagen. Neu konzipiert wurde unter anderem die Ehrenloge, in der sich an Spieltagen Vertreter beider Vereine und geladene Gäste treffen. Die Wand ziert hier ein großes VfB-Wappen, das sich aus vielen Stollen zusammensetzt. Sie stammen teils von Ex-Spielern und aus dem Fundus des langjährigen Zeugwarts Jochen Seitz. Die weiteren Logen sind zu knapp 40 Prozent individuell eingerichtet – etwa von Unternehmen, die sie für eine komplette Saison gebucht haben. Neu sind auch Liveküchen und LEDs, die an unterschiedlichsten Stellen leuchten und funkeln.
Angenommen wird das Angebot gut: Auf der Haupttribüne sind alle VIP-Plätze für die verbleibenden drei Saisonspiele schon verkauft, 90 Prozent davon über Dauerkarten. Für den VfB bildet der VIP-Bereich eine relevante Einnahmequelle, bei einem ausverkauften Heimspiel kommt hier ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag aus Ticketverkäufen zusammen.
Veranstaltungsort Jede zweite Woche ein Heimspiel und sonst nichts? Nein, die neue Haupttribüne soll weitaus regelmäßiger genutzt werden. Schon vor dem Umbau dienten die Räumlichkeiten als Veranstaltungsort, jetzt sollen sie noch häufiger den Rahmen für Events aller Art bilden. Für Lesungen, Wirtschaftsgipfel, Produktpräsentationen, Messen, Tagungen – oder schlicht eine Firmenfeier in einer der Logen mit Blick auf das Spielfeld. Möglich sind bis zu sieben gleichzeitige Veranstaltungen mit je 200 Personen – die hinsichtlich Wegeführung, Akustik und Ablauf nichts voneinander hören oder sehen.
„Veranstaltungen abseits unserer Heimspiele sind ein ganz wichtiges Thema“, sagt Rouven Kasper. Man habe hier durch die neue Haupttribüne nochmals deutlich an Attraktivität gewonnen: „Wir wollen im Bereich der Drittvermarktung weiter zulegen und sind dazu bereits in guten Gesprächen.“ Der VfB hat seine Abteilung dafür zuletzt aufgestockt. Als Betreiber der Arena erhält er die Einnahmen, die Zielmarke liegt hier bei einer mittleren einstelligen Millionensumme jährlich.