VfB Stuttgart Operation am Herzstück

Stuttgarter Antriebskräfte in der Bilderstrecke: Oriol Romeu, ...(bitte weiterklicken!)Fotos:dpa Foto:   4 Bilder
Stuttgarter Antriebskräfte in der Bilderstrecke: Oriol Romeu, ... (bitte weiterklicken!) Fotos:dpa Foto:  

Vor dem Spiel am Freitag in Berlin zeigt sich beim VfB Stuttgart, dass er über unterschiedliche Spielertypen im Mittelfeld verfügt. Doch ein Spielbeschleuniger ist nicht dabei. Ein Vierer-Vergleich.

Sport: Carlos Ubina (cu)
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Stuttgart - Als Armin Veh noch Trainer des SSV Reutlingen war, da revolutionierte er den Fußball des damaligen Drittligisten. Mit einem einzigen Kniff, der sich auch heute noch wie eine Voodooformel anhört: Adoube – Godfried Adoube. Veh setzte den schmächtigen Ghanaer mit Beinchen, die an Streichhölzer erinnerten, einfach ins Herzstück seiner Mannschaft. Dorthin, wo sich zuvor über Jahre hinweg Artur Beck, ein großer und kantiger Kerl, den gegnerischen Angriffswellen mit allem, was er hatte, entgegengeworfen hatte.

Das war Ende der 90er Jahre, und im Grunde hat sich an Vehs Vorliebe für spielerische Lösungen gegenüber brachialer Zerstörerkraft nichts geändert. Veh mag Mittelfeldspieler, die das Spiel lesen und den Ball kontrollieren. Nur ist das mit der Revolution beim VfB nicht so einfach wie damals am Fuße der Schwäbischen Alb. Es ist eher eine Evolution, die der Coach im Mittelfeld der Stuttgarter anschieben muss. Was schon allein daran liegt, dass Veh über keinen zauberhaften Spieler verfügt, der das ganze Spiel verändert.

Es ist eher so, dass Veh die komplexen Aufgaben, die sich mittlerweile im zentralen Mittelfeld türmen, auf vier, manchmal auf sechs Beine verteilt. Zwei davon gehören auch am Freitag (20.30 Uhr) in Berlin Oriol Romeu. Zwei gehörten zuletzt auch wieder Carlos Gruezo. Der Stratege und der Aggressivling. Romeu, der das Spiel stabilisiert und strukturiert, und Gruezo, der Bälle erobert und dem Gegner mit seiner bissigen Zweikampfführung auch mal wehtun kann.

Eine Schwäche, die bekannt ist

Aber da es zusätzlich eines spielerischen Elements bedarf, ist da auch noch Moritz Leitner. Ein Zocker, der die Defensivpflichten eines Sechsers für überschätzt hält und lieber einen lässigen Pass zu viel als einen lässigen Pass zu wenig spielt. Nimmt man noch die weiter vorne positionierten Christian Gentner und Daniel Didavi (siehe „Wer ersetzt Didavi?“) dazu, dann ergibt sich im VfB-Mittelfeld zwar ein Mix an unterschiedlichen Spielertypen, doch eines ist ihnen gemein: keiner ist ein Spielbeschleuniger. Ein Mann, der defensiv denkt, aber schnell und präzise offensiv handelt.

Das ist ein Problem. Und die Gegner wissen das. Auch die Hertha. „Es ist auffallend, dass viele Bundesligisten jetzt deutlich tiefer stehen als in der letzten Saison“, sagt Veh, dem das grundsätzlich, aber natürlich im Besonderen gegen seine Elf aufgefallen ist. Köln, Hoffenheim, Hannover – alle lauerten darauf, dass der VfB einen Fehler macht oder die Geduld verliert.

Erfolg versprechend ist das ja. Denn obwohl die Stuttgarter in den Statistikrubriken Laufintensität und Laufgeschwindigkeit gute Werte aufweisen, mangelt es ihren Offensivaktionen oft an Tempo – was dazu führt, dass es dem VfB-Spiel an Tiefe fehlt. Ohne Pässe in die Tiefe ergeben sich aber wiederum keine Tormöglichkeiten, weil kaum VfB-Spieler in den gegnerischen Strafraum vordringen.

Romeu und Gruezo halten pflichtbewusst die Mitte dicht, Leitner lässt sich gern in den Fuß spielen, und zwar in einem Bereich, wo es nicht so eng zugeht – in der eigenen Hälfte. Das Spiel des 21-jährigen Hochbegabten wirkt dann wie das eines alternden Routiniers. Einen Raumdeuter, der nach vorne sprintet, um den Gegner auch mal zu überraschen, gibt es nicht.

Kostic bringt mehr Tempo

„Unser Problem liegt im letzten Drittel“, sagt Veh, „da müssen wir torgefährlicher werden.“ Und da er anfangs zu wenige Trikots mit Brustring in der fremden Box sah, schickt er nun Gentner verstärkt nach vorne. Mit dem Effekt, dass der Kapitän zuletzt zwei Tore vorbereitet hat.

Ausdruck eines Aufwärtstrends, den Veh schon seit Längerem beobachtet. „Man sieht, dass wir doch ganz gut Fußball spielen können“, sagt der Trainer. Die Ballpassagen werden länger und sicherer – und wenn Filip Kostic ins Spiel und über die Außenbahn zum Zug kommt, dann werden die Aktionen wie zuletzt beim 1:0 gegen Hannover sogar schneller. „Es ist gut, jemanden zu haben, der bei seiner Einwechslung ein Spiel verändern kann“, sagt Veh. Doch um den Neuzugang nun von Anfang an zu bringen, müsste er wieder am Herzstück seiner Mannschaft herumoperieren.




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