VfB Stuttgart Rücktritt? So reagiert das VfB-Präsidium auf die Forderung der Fans

Das Vereinspräsidium des VfB Stuttgart: Rainer Adrion, Claus Vogt, Christian Riethmüller (v. li.) Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Fans der Cannstatter Kurve haben das Präsidium des VfB Stuttgart scharf kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert. Wie reagieren Claus Vogt, Rainer Adrion und Christian Riethmüller?

Sport: Dirk Preiß (dip)

Als sich am Donnerstag zahlreiche Personen unterschiedlicher Fangruppierungen des VfB Stuttgart trafen, waren Vertreter des Vereins außen vor. Umso deutlicher war am Tag danach dann aber die Forderung, die in einem Statement der Fans aus der „Cannstatter Kurve“, also nicht nur der Ultragruppen, formuliert wurde: „Wir fordern: einen sofortigen Rücktritt des gesamten Präsidiums des e. V., namentlich Präsident Claus Vogt, Vizepräsident Rainer Adrion und Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller.“

 

Hintergrund der deutlichen Worte („Wir haben die Schnauze voll“) ist die Abwahl von Clubpräsident Claus Vogt als Vorsitzender des Aufsichtsrats der VfB AG am 12. März. Die einst versprochene Einheit von Präsidentenamt und Aufsichtsratsvorsitz war damit dahin. In den Augen der Fans seien Mitgliederrechte verkauft und verraten, die Vertrauensbasis komplett zerstört worden.

Vor allem der neue Investor Porsche hatte schon im Sommer 2023 darauf gedrängt, dass Vogt in der Position als Chef des Kontrollorgans abgelöst wird. Aber auch die Mehrheit des Aufsichtsrats hatte jüngst das Vertrauen in den seit Ende 2019 amtierenden Clubchef verloren. So wurde Tanja Gönner, bis dahin ein vom Verein vorgeschlagenes Mitglied im Kontrollorgan, zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die ehemalige Landesministerin sieht sich allerdings eher als „Übergangslösung“ und den Aufsichtsratsvorsitz langfristig wieder in der Hand eines von den Mitgliedern gewählten Vereinsvertreters oder einer Vereinsvertreterin. Aber eben nicht in jenen von Claus Vogt.

Adrion und Riethmüller äußern sich

Der Präsident konnte und wollte sich am Freitag wegen einer Geschäftsreise nicht zum Statement der Fans äußern. Und somit auch nicht zu dem Fakt, dass er selbst im vergangenen Sommer einem Rückzug vom Aufsichtsratsvorsitz zugestimmt hatte. Dies hatten zuletzt seine beiden Präsidiumskollegen Rainer Adrion und Christian Riethmüller dargelegt. Einer der beiden hätte statt Vogt den obersten Posten im Kontrollorgan übrigens übernehmen können, doch diese Lösung war nie zustande gekommen. Die „Zerstrittenheit des Präsidiums“ kritisieren die Fans nun in ihrem Statement, sie sehen die Vereinsinteressen dadurch nur unzureichend in der AG vertreten.

Ein Teil der Kurve fordert jetzt also einen sofortigen, kompletten Neuanfang. Der Vereinsbeirat solle einen Interimspräsidenten einsetzen, dieser den Aufsichtsratschefposten übernehmen – ehe es dann zu Neuwahlen komme. Ein Prozedere, dass innerhalb des Clubs als nicht umsetzbar gewertet wird.

„Wir nehmen die Vorwürfe der Cannstatter Kurve sehr ernst, haben aber auch eine Verantwortung gegenüber dem Verein und allen seinen nahezu 100 000 Mitgliedern“, sagten am Freitag Rainer Adrion und Christian Riethmüller gegenüber unserer Redaktion. Und: „Um uns den Themen zu stellen, wollen wir die ordentliche Mitgliederversammlung 2024 auf den nächstmöglich realisierbaren Termin ansetzen und den Mitgliedern unsere Position im Gesamtkontext der Weiterentwicklung des e. V. und den ehrgeizigen Zielen der AG sowie unserer Lizenzspielermannschaft erklären und mit ihnen diskutieren.“ Ein Rücktritt des Duos ist also nicht geplant. Vielmehr wollen die beiden auf der nächsten Mitgliederversammlung „die Frage in die Hände der Mitglieder legen“. Wie Vogt zu der Sache steht, ist unklar.

Gespräche zwischen Präsidium und Fangruppen

Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung war ursprünglich für kommenden Herbst geplant. Schon am nächsten Sonntag findet das nächste Heimspiel des VfB gegen den 1. FC Heidenheim statt – bei dem mit weiteren Protesten zu rechnen ist. Schon beim Auswärtsspiel in Sinsheim hatten die Fans via Plakat mitgeteilt: „Ihr habt zwei Wochen Zeit, diesen Fehler zu korrigieren.“ Nach Ablauf eben dieser beiden Wochen findet die Partie gegen den Aufsteiger aus Heidenheim statt.

„Selbstverständlich haben wir auch den Dialog mit den Ultragruppierungen Commando Cannstatt und dem Schwabensturm gesucht und die Meinungen ausgetauscht“, sagten nun Adrion und Riethmüller, die ihr Präsidium trotz der jüngsten Uneinigkeit mit Claus Vogt als „voll handlungsfähig sehen“. Einem am 14. März veröffentlichten Statement des Präsidenten gemeinsam mit dem Vereinsbeirat hatten die beiden explizit nicht zugestimmt.

Die weitere Zeit bis zur Partie gegen den FCH am Ostersonntag (17.30 Uhr) wollen Adrion und der im Fan-Statement scharf kritisierte Riethmüller nun „nutzen, um weitere Maßnahmen zur Verdeutlichung unserer Position zu ergreifen“. In der Hoffnung, dass mögliche Proteste – im Gespräch waren wohl unter anderem zehn Minuten ohne Support – die Erfolgsaussichten des VfB-Teams nicht gefährden. Auch ist möglich, dass der Vorstand der AG sein Gesprächs- und Diskussionsangebot an verschiedene Gruppen, Gremien und Bereiche rund um den Club vom vergangenen Freitag schon sehr bald erstmals umsetzt.

Auf Anfrage unserer Redaktion hat sich auch die Porsche AG noch einmal geäußert – zur Forderung der Fans zur Einhaltung der 50+1-Regel. Man bekenne sich „selbstverständlich zur 50+1-Regelung“, heißt es aus Zuffenhausen, „wir verstehen uns als langfristiger Partner des VfB. Mit unserer Jugendförderung ‚Turbo für Talente‘ geht es uns vor allem um den Nachwuchs.“

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