„Ich traue es ihm absolut zu“, sagt der frühere Juniorentrainer des VfB zur Aufgabe, der sich sein ehemaliger Schützling nun verschrieben hat: die Stuttgarter doch noch in der Bundesliga zu halten. An Kenntnissen über den neuen VfB-Coach mangelt es Kleitsch dabei nicht.
Der heutige Scout der TSG Hoffenheim übernahm einst die B-Junioren des VfB Stuttgart als Trainer. Mit Spielern wie Kevin Kuranyi, Sandro Villani, Felix Luz, Marvin Braun, Tobias Rathgeb – und eben Sebastian Hoeneß. Zu Beginn, erinnert sich Kleitsch, sei diese Ansammlung starker Kicker „ein richtiger Sauhaufen“ gewesen. Aber der Coach hatte da so seine Methoden, um das Team auf Kurs zu bringen.
Ganz austreiben wollte er den Jungs ihre Flausen zwar nicht, denn der erfahrene Trainer wusste schon damals: „Nur mit stromlinienförmigen Jungs wirst du nicht deutscher Meister.“ Doch in gewisse Bahnen musste die Energie der Talente schon gelenkt werden. Bereits nach der ersten Einheit mit dem Team hatte sich Kleitsch jedenfalls dermaßen über die Trainingsleistungen geärgert, dass er beim nächsten Mal einen Lauf ansetzte, vom Clubgelände in Cannstatt „bis fast zum Hauptbahnhof“.
Vom Sauhaufen zur Meistermannschaft
Kleitsch lief vorneweg – und meinte danach: „Das könnt ihr jede Woche haben.“ Danach wurde besser gearbeitet – und zwar so gut, dass dieses Team 1999 tatsächlich deutscher B-Junioren-Meister wurde. „Das“, erinnert sich der damalige Meistercoach an das 3:1 gegen Borussia Dortmund, „war für uns alle eine Genugtuung.“ Im Jahr zuvor hatte der BVB den VfB noch im Elfmeterschießen des Endspiels besiegt.
Hoeneß habe in der Mannschaft zu den ruhigeren Vertretern gehört, ein „richtig guter Stürmer“ sei er gewesen. Der heute 40-Jährige wechselte 2001 zu Hertha BSC, später zur TSG Hoffenheim, mit der großen Bundesligakarriere wurde es allerdings nichts. Doch diese Bühne erklomm er dann als Trainer.
„Sehr viel Input“ habe Sebastian Hoeneß während seiner Trainer-Lehrjahre, etwa bei RB Leipzig und beim FC Bayern, bekommen, sagt Kleitsch. Dazu komme die Erfahrung aus den Jugendjahren beim VfB und die Tatsache, dass der Sohn des ehemaligen Stuttgarter Stürmers und Managers Dieter Hoeneß ein „junger, moderner und sehr intelligenter Mensch und auch kommunikativ“ sei.
Hansi Kleitsch hat ihn auf dessen erster Station in der Bundesliga scharf beobachtet . Von 2020 bis 2022 coachte Hoeneß die TSG Hoffenheim, und Kleitsch weiß: „Das Offensivspiel ist seine große Stärke. Die Hoffenheimer Mannschaft hat sehr guten Fußball gespielt.“ Offensiv und mutig will der neue VfB-Trainer auch in Stuttgart spielen lassen. Ob seine Mission erfolgreich ist, liegt aber auch daran, ob er die Defensive stabil bekommt. Das habe Hoeneß in Hoffenheim nicht jederzeit im Griff gehabt, sagt Kleitsch.
Bekommt Hoeneß die Defensive in den Griff?
Wichtig wird nun also vor allem sein, dass er alle Spieler, die auf dem Platz stehen, für die Defensivarbeit begeistern kann. „Die Kunst ist, die Spieler mitzunehmen und für sie die richtigen Positionen zu finden“, sagt Hansi Kleitsch, traut seinem früheren Schützling aber auch das zu. Ohne Spielglück werde der Klassenverbleib in den letzten acht Bundesligaspielen dieser Saison zwar nicht gelingen, „aber das kann man erzwingen“. Erstmals kann er das mit dem VfB jedoch nicht in der Bundesliga in Angriff nehmen – sondern an diesem Mittwoch (18 Uhr) im Viertelfinale des DFB-Pokals beim 1. FC Nürnberg.
Das damalige VfB-Meisterteam
Mannschaft
Im Endspiel um die deutsche Meisterschaft der B-Junioren standen für den VfB Stuttgart einige Spieler in der Mannschaft, die später erfolgreiche Profikarrieren hingelegt haben: Markus Miller – Nikolaos Nakas, Marco Fischer, Michael Fink, Tobias Rathgeb – Marvin Braun, Andreas Hinkel, Denis Berger (76. Michael Rundio) – Felix Luz, Thorsten Smolcic (64. Sandro Villani), Sebastian Hoeneß (70. Kevin Kuranyi).
Torschützen
Tobias Rathgeb und Felix Luz brachten den VfB 2:0 in Führung, ehe die Dortmunder noch verkürzen konnten. Sandro Villani machte mit seinem Treffer zum 3:1 dann alles klar.