VfB Stuttgart Stärken und Schwächen – der VfB-Kader im Check

Josha Vagnoman, Tiago Tomas, Waldemar Anton, Konstantinos Mavropanos, Hiroki Ito und Naouirou Ahamada (v.l.n.r.) wollen mit dem VfB eine sorgenfreie Saison spielen. In unserer Bildergalerie zeigen wir alle 26 Spieler des aktuellen Kaders. Foto: Pressefoto Baumann/Cathrin Müller

Der VfB Stuttgart geht nach dem Ende der Transferperiode mit einer jungen und personell ausgedünnten Mannschaft in die weitere Saison. Eine Analyse der einzelnen Mannschaftsteile.

Sport: David Scheu (dsc)

Auf der Zielgeraden der Transferperiode hat sich beim VfB Stuttgart noch eine Menge getan: In Serhou Guirassy ist ein Hoffnungsträger für den Angriff zum Team gestoßen, mehrere Reservisten haben den Verein dagegen leihweise verlassen. Unter dem Strich bleibt ein Kader mit viel Potenzial, in dem es aber auch zu personellen Engpässen kommen könnte.

 

Tor Florian Müller ist als Nummer eins gesetzt – und befindet sich seit Wochen in aufsteigender Form. Vor allem auf der Linie glänzte er zuletzt immer wieder mit starken Paraden, die dem VfB die beiden Unentschieden gegen RB Leipzig (1:1) und den 1. FC Köln (0:0) sicherten. Aber: Die Strafraumbeherrschung bleibt ein Manko. Noch immer klebt Müller des Öfteren auf der Linie, wenn hohe Bälle durch den Strafraum oder den Fünfmeterraum segeln. Fabian Bredlow und Florian Schock reihen sich in der Hierarchie dahinter ein, mittelfristig dürfte Toptalent Dennis Seimen (16) eine Rolle spielen.

Defensive In der Dreierkette sind die Stammplätze an Abwehrchef Waldemar Anton und seine Nebenleute Konstantinos Mavropanos (rechts) und Hiroki Ito (links) vergeben. Das Trio liefert einen Mix aus Robustheit in den Zweikämpfen und Ballgewandtheit bei Itos Spieleröffnung – und stabilisiert die Defensive so seit Wochen: Vier Gegentore aus den ersten vier Spielen sind ein überdurchschnittlich guter Wert.

In der Breite aber ist der VfB defensiv nicht gut aufgestellt: Die erhoffte Verpflichtung von Jakov Medic vom FC St. Pauli kam nicht zustande, dagegen hat Clinton Mola den Verein in Richtung Blackburn Rovers verlassen. „Das war die schwierigste Entscheidung dieser Wechselperiode“, sagt auch Trainer Pellegrino Matarazzo. „Damit gehen wir ein Stück weit ein Risiko ein, das ist klar.“

Sollte einer der drei etatmäßigen Verteidiger ausfallen, stünde lediglich noch Pascal Stenzel als gelernter Defensivspieler bereit – Antonis Aidonis ist zwar Teil des Profikaders, hat aber kaum Aussichten auf Einsätze. Gut möglich also, dass Matarazzo im Saisonverlauf improvisieren muss und Mittelfeldspieler nach hinten zieht. Atakan Karazor oder Nikolas Nartey wären Kandidaten.

Auf den Außenpositionen bringen Borna Sosa mit seinem Vorwärtsdrang auf links und Josha Vagnoman mit seiner defensiven Abgeklärtheit auf rechts unterschiedliche Stärken ins VfB-Spiel. Diese Asymmetrie bliebe auch bei einem Einsatz der Ersatzkandidaten Tanguy Coulibaly (links) und Pascal Stenzel (rechts) bestehen. Die linke Seite könnte damit offensives Prunkstück und defensive Achillesferse gleichermaßen werden.

Mittelfeld Hier kreist alles um Leitwolf Wataru Endo, der vor der Abwehr die Bälle erobert und verteilt. Ersetzen kann ihn am ehesten Atakan Karazor – da der Japaner aber so gut wie nie ausfällt, bleibt diese Frage vorerst hypothetisch. Vor Endo ergänzen sich Chris Führich und Naouirou Ahamada in den Halbräumen: Führich stößt nach vorne, Ahamada sichert den Raum dahinter.

In der zweiten Reihe bietet das Mittelfeld ein Füllhorn talentierter Youngster, die mit sehr unterschiedlichen Profilen viele Optionen ermöglichen: der physisch starke Nikolas Nartey, der ballgewandte Enzo Millot, der hoch veranlagte Lilian Egloff – und Jugendspieler Laurin Ulrich (17), der regelmäßig mit den Profis trainiert. Zusammen haben die vier aber gerade mal 18 Bundesliga-Spiele absolviert. Ein gewisses Risiko bleibt also.

Angriff Kurz vor Transferschluss kam er doch noch, der Ersatz für Sasa Kalajdzic: Serhou Guirassy verfügt über ein ähnlich gutes Kopfballspiel wie der Österreicher, ist aber auch fußballerisch beschlagen. „Wir hatten ihn schon länger auf der Liste“, sagt Matarazzo, „er wird unsere Mannschaft top ergänzen.“ Da Borna Sosa den VfB doch nicht verlassen hat, wird Silas Katompa wohl wieder öfter von der Außenbahn nach vorne in die Doppelspitze rücken. Der Kongolese ist im Umschaltspiel durch sein immenses Tempo schwer zu verteidigen, hat aber in puncto Effizienz noch viel Luft nach oben.

Dahinter gibt es fast schon ein Überangebot im Sturm mit dem groß gewachsenen Leuchtturm Luca Pfeiffer, dem Wühler Juan Perea und dem lange gesetzten Tiago Tomas, der aber zuletzt krank ausfiel und zuvor ein Formtief durchlief. Dahinter befinden sich die Talente Thomas Kastanaras und Alou Kuol in Wartestellung. Kuol dürfte es mittelfristig schwer haben, Kastanaras aber ist laut Matarazzo „nicht weit entfernt von seinem ersten Bundesliga-Einsatz“. Sicher scheint: Es wird mehrere Schultern brauchen, um den Kalajdzic-Abgang im Kollektiv aufzufangen.

Prognose Der VfB verfügt über einen konkurrenzfähigen und vielseitig besetzten Kader, dem an manchen Stellen die Tiefe fehlt. Wenn die Mannschaft von übermäßig vielen Ausfällen verschont bleibt, kämpft sie nicht erneut bis zuletzt gegen den Abstieg – sondern landet im gesicherten Mittelfeld.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu VfB Stuttgart Kader Transfermarkt