Cacau? Werner? Ibisevic? Oder gar Abdellaoue? VfB-Coach Huub Stevens hat die Stürmerhierarchie zerschlagen. Wer am Freitag beim Auswärtsspiel gegen Hannover 96 zum Zug kommt, weiß nur Stevens selbst.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Stuttgart - Tayfun Korkut hat auf der Tribüne große Augen gemacht. Heißt es. Vor allem beim Blick auf die VfB-Bank. Vedad Ibisevic hat er auf seiner Kundschaftertour in Stuttgart dort gesehen. Auch Timo Werner. Und ebenso Mohammed Abdellaoue. Ganz schön viel Qualität – das soll der Chefcoach von Hannover 96 über die schwäbischen Bankreserven laut zuverlässigen Ohrenzeugen aufgestöhnt haben.

Noch immer taugt die Kaderliste des Abstiegskandidaten aus Stuttgart also dazu, um die Gegner aufzuschrecken. Das begleitet den VfB schon über die gesamte Saison. Die Konkurrenz lobt ständig das Offensivpotenzial. Ein Blick in das Innenleben der Mannschaft offenbart aber, dass es mit der Gemengelage aus Klasse und Masse im Sturm nicht so einfach ist.

Der Trainer hat die etablierte Hierarchie zerschlagen

Huub Stevens hat die Stürmerhierarchie zerschlagen. Aus Ibisevic, dem Angreifer Nummer eins, ist erst Angreifer Nummer zwei und dann Angreifer Nummer drei geworden. Der Trainer hat der einst gesetzten Nummer neun des VfB erst Timo Werner vorgezogen, dann Cacau. Nun lautet die Aufstellungsformel seit Stevens’ Amtsantritt Mitte März: viermal Ibisevic, zweimal Cacau und einmal Werner von Beginn an.

Doch was wie das Stuttgarter Stürmerroulette wirkt, ist das Ergebnis vieler Überlegungen und strenger Beobachtung. „Training“, nennt Stevens den Hauptfaktor für eine Beförderung in die Startelf. Die Bewerber müssen ihm unter der Woche etwas anbieten. Dann kommen sie auf seinen Zettel für den Spieltag. Wie Werner in Mönchengladbach, wie Cacau gegen Schalke.

Ibisevic hat zuletzt Ende Januar getroffen

Ohne viel Worte geht das. Plötzlich drin – und plötzlich auch wieder draußen. Das scheint das Los der VfB-Stürmer im Augenblick zu sein. „Lieber komme ich aber gegen Schalke nicht zum Einsatz und spiele nächste Saison dafür noch in der Bundesliga“, sagt Werner und erweckt keineswegs den Eindruck, als brauche er Trost.

Vedad Ibisevic braucht dagegen eher Spiele und vor allem Tore als Seelenelixier. Denn außer beim Torschusstraining stellt er sich nicht gerne hinten an. Statistisch zählt der 29-jährige Bosnier mit seinen zehn Treffern auch zu den besseren Torjägern der Bundesliga. Doch Ibisevic hat zuletzt am 29. Januar getroffen – beim 1:2 gegen den FC Bayern. Werner wartet noch länger auf sein fünftes Saisontor. Seit Dezember. „Ich kann aber nicht so vermessen sein, zu denken, dass ich in jedem zweiten Spiel treffe“, sagt der 18-Jährige.

Gerade Abdellaoue könnte eine Option gegen Hannover sein

Und Abdellaoue? Nun ja. Die letzten Bilder, die man von dem Stürmer im Kopf hat, sehen nicht so aus, als könne der VfB gerade von ihm die rettenden Tore im Abstiegskampf erwarten. Das liegt schon allein daran, dass man von Abdellaoue gar keine Bilder im Trikot mit dem Brustring im Kopf hat. Eher noch aus seiner Zeit in Hannover. Dort sehnen sie sich den Norweger mit marokkanischen Wurzeln zurück und erwecken bei ihren Schwärmereien gar den Eindruck, als ob nicht der echte Abdellaoue abgewandert sei, sondern ein Doppelgänger.

Der wahre Abdellaoue hat sich beim VfB nur mal kurz nach der Winterpause gezeigt. Stevens kennt ihn vermutlich noch gar nicht. Was nicht bedeutet, dass der VfB-Trainer ihn schon für das Spiel am Freitag (20.30 Uhr) abgeschrieben hat. Gerade in Hannover könnte er eine Option sein, mag sich der Trainerhaudegen denken. Der Fußball schreibt ja die sonderbarsten Geschichten, und Stevens ist bei seinen Entscheidungen immer für Überraschungen gut.

Gegen Schalke hat sich Cacau richtig reingehängt

Zuletzt hat er Cacau zur Verblüffung vieler – auch des Gegners – gegen die Schalker aufgeboten. Gelaufen ist der, Lücken hat er vorne gerissen, in die Defensivarbeit hat er sich reingehauen, und ein Tor ist ihm beim 3:1 nach sehr langer Zeit ebenfalls gelungen. Doch mitten hinein in Cacaus Freude und Korkuts erste Gedankenspiele über eine passende Verteidigungsstrategie gegen den VfB hat Stevens den beiden noch zugerufen: „Diesmal hat sich Cacau angeboten, aber das kann im nächsten Spiel schon wieder ganz anders aussehen.“

Und wer stürmt nun gegen Hannover? „Das weiß außer dem Trainer niemand“, sagt Werner. Ein Sprintertyp für Konter könnte gefragt sein. Wie Werner. Oder ein Streuner zwischen den Strafräumen. Wie Cacau. Vielleicht sogar ein kopfballstarker Knipser. Wie Ibisevic. Oder eben Abdellaoue. Da würde dann nicht nur der 96-Trainer Korkut große Augen machen.

Lesen Sie mehr zum Thema

VfB Stuttgart Vedad Ibisevic Cacau