Seit wenigen Wochen ist der lange anvisierte Porsche-Deal von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) durchgewunken, die erste 20-Millionen-Euro-Tranche mittlerweile geflossen, die Investoren-Vertreter (Finanzvorstand Lutz Meschke und Produktionsvorstand Albrecht Reimold), wurden in den Aufsichtsrat des VfB Stuttgart aufgenommen. Doch Ruhe herrscht in der Causa noch lange nicht. Zum einen, weil Meschke wegen einer privaten Immobilie in Kitzbühel in die Schlagzeilen geraten ist, zum anderen, weil ein interner Kampf um den Aufsichtsratsvorsitz entbrannt ist.
Porsche ließ zwar über einen Pressesprecher verlauten, man habe zwar kein Interesse an dem Posten – doch strebe man, das machte das Unternehmen deutlich, einen Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums an. Das Präsidentenamt und der Vorsitz des Aufsichtsrats sollen getrennt werden. Ein heikler Plan, schließlich wurde im Jahr der Ausgliederung der Profiabteilung des VfB, also 2017, den Mitgliedern zugesagt, dass der Präsident als Vertreter des Mehrheitseigners (VfB e. V.) stets den Chefposten im Aufsichtsrat inne haben werde. Vogt selbst soll offenbar im Zuge der Verhandlungen über den Porsche-Deal im vergangenen Jahr zugesagt haben, den Vorsitz im Kontrollgremium abzugeben. Einen Beleg dafür gibt es bisher nicht.
So weit, so verfahren die Situation. Vogt äußerte sich im vereinsnahen „Brustringfrauen-Podcast“ kurz vor der Partie gegen den 1. FC Union Berlin zur Causa. Viele Themen, etwa Mädchen- und Frauen-Fußball, das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) oder der Grundlagenvertrag seien Themen, „die den e. V. und die AG betreffen“, deshalb sei die „Verknüpfung zwischen e. V. und AG in dem Amt (Präsidentschaft und AR-Vorsitz, Anm. d. Red.) aus meiner Sicht schon wichtig“. Wenn man das zukünftig trennen würde, dann hätte man „jemand, der nur e. V.- oder nur AG-Interessen hat. Aber es gibt nicht e. V. und AG – es gibt nur einen VfB Stuttgart“, so Vogt weiter.
Commando Cannstatt stellt Forderung
Die Ultra-Gruppen um das Commando Cannstatt verfolgen die Causa genau und äußerten sich auch deutlich – sowohl in Richtung Investor als auch in Richtung Präsidium. „Meschke und Co. in die Schranken weisen – der AR-Vorsitz bleibt beim e. V.-Präsidenten!“ prangte es von einem großen Spruchband, verbunden mit einer Forderung nach Antworten von der Vereinsspitze: „Präsidium: Habt Ihr uns verkauft? Antworten jetzt!“
Bezogen auf den personellen Wechsel im AR-Vorsitz bezieht man in einer Erklärung auf der Homepage Position: „Dieses Vorgehen wäre für uns schlicht inakzeptabel.“ Weiter heißt es: „Unser Verständnis von 50+1 besagt, dass der e. V. und nicht Investoren beim VfB das Sagen haben! Konkret heißt das: Die Mitgliederversammlung als höchstes Organ des Vereins wählt den Präsidenten, welcher dann den Vorsitz des Aufsichtsrats in der AG und somit wichtigen Einfluss auf den Fußball hält.“
Im Fußball-Talk-Format „Doppelpass“ (Sport1) äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der AG, Alexander Wehrle, zum Thema. Es sei grundsätzlich „ein wichtiges Zeichen, dass zwei Weltmarken für die Region etwas entwickeln wollen“, so Wehrle, der die Zusammensetzung des VfB-Aufsichtsrats heraushob. „Wenn man das richtig einordnet, dann ist es so, dass ja jeder 50+1 kennt. Porsche hat zwei Sitze, der Aufsichtsrat hat aber elf Sitze, dem e. V. gehören davon sechs, er hat also immer die Mehrheit. Die braucht man, um etwas verändern zu können. Porsche allein kann nichts verändern.“ Die 50+1-Regel hält Wehrle für „das Fundament des deutschen Fußballes“.
Wie und wann es eine Weiterentwicklung in der Thematik geben wird, ließ er offen. „Am Ende ist es die Entscheidung der Aufsichtsrats-Mitglieder, eine Veränderung herbeiführen zu wollen. Unser Aufsichtsrat ist sehr gut besetzt, da sind viele Topmanager drin. Sie werden eine gute Entscheidung im Sinne des Clubs treffen, da bin ich sehr sicher“, so Wehrle. Er selbst könne in der Sache nichts tun, da er lediglich der Vorstandsvorsitzende der AG sei. Er betonte jedoch, „immer vertrauensvoll mit dem Aufsichtsrat zusammengearbeitet“ zu haben und das auch in Zukunft tun zu wollen.