Es gab Zeiten – und die sind noch gar nicht lange her – da galten zwei Spieler des VfB Stuttgart genau als das, was sie auch darstellen sollten. Als echte Verstärkungen. So ganz sicher war man sich ja nicht gewesen rund um den VfB Stuttgart, ob Gil Dias und Genki Haraguchi wirklich genau jene Puzzlesteine darstellen, die dem abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten helfen würden. Zumal im Winter selten die ganz großen Lose gezogen werden auf dem Transfermarkt. Doch dann galt das Duo schnell als Volltreffer.
Gil Dias, der Portugiese, erzielte schon in seinem ersten Einsatz für den VfB im Pokal in Paderborn den wichtigen Ausgleichstreffer – sehr sehenswert obendrein. Und der Japaner Genki Haraguchi wuchs schnell in die Rolle einer Stammkraft, gesetzt bei Bruno Labbadia. „Wir wollten seine Spielstärke im Mittelfeld. Er ist einer, der eine extreme Ruhe hat und nicht hektisch wird“, lobte nach Haraguchis VfB-Debüt der damalige Trainer, der Tage später zudem erklärte: „Genki ist jetzt kein Lautsprecher, aber er spricht Dinge an, nimmt sich auch mal einen Kollegen zur Seite. Er überträgt auch Inhalte, die vom Trainer kommen.“
So ähnlich hörte sich das auch kürzlich an, als Sebastian Hoeneß über den japanischen Routinier (32) sprach. Auch der neue Coach des VfB schätzt am Mittelfeldspieler dessen mannschaftsdienliche und soziale Art. Einen Unterschied gibt es aber mittlerweile. Stammkraft ist Genki Haraguchi schon lange nicht mehr. Ebenso wie Gil Dias.
Der Langfristeffekt der beiden Wintertransfers ist also – zumindest ist das der Stand nach dem 31. Spieltag – nicht eingetreten. Haraguchi, der von Union Berlin zum VfB gekommen war, hatte am Samstag beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC zwar mal wieder eine Chance bekommen. Allerdings nur aufgrund des Fehlens des gesperrten Atakan Karazor. Und genutzt hat er diese Möglichkeit bei der 1:2-Niederlage auch nicht wirklich, um Werbung in eigener Sache zu machen. Die magere Bilanz: Von den lediglich elf Zweikämpfen, die er führte, verlor er neun. Und es gilt als sicher, dass er seinen Platz am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen wieder räumen muss.
Gil Dias steht kaum mehr im Kader
Unter Labbadia hatte Haraguchi noch als „Achter“ neben seinem Landsmann Wataru Endo agiert. Hoeneß setzt nun auf eine „Doppelsechs“ mit Karazor und Endo, davor will er offensivere Spieler. Immerhin: Seinen Kaderplatz hat Haraguchi an den Spieltagen sicher – da er sich trotz der Reservistenrolle ein gutes Standing im Team erarbeitet hat und seine Erfahrung und Ruhe trotz allem geschätzt werden. Anders liegt der Fall bei Gil Dias.
Der Außenbahnspieler ließ zu Beginn die VfB-Fans mit der Zunge schnalzen. Mutig in den Dribblings, schnell auf den Beinen, zielsicher im Abschluss. So wirkte der Mann, der von Benfica Lissabon zum VfB gekommen war, nach seiner Ankunft in Stuttgart. Siebenmal kam er nach seinem aufregenden Debüt im Pokal auch in der Liga zum Einsatz, erzielte beim 3:0 gegen den 1. FC Köln sein erstes Bundesligator – und geriet dennoch wenig später ins Abseits. In den fünf Partien unter Hoeneß stand Dias viermal nicht im Kader, einmal saß er 90 Minuten lang auf der Bank.
„Er ist ganz sicher nicht auf dem Abstellgleis“, versichert der Coach und berichtet, der 26-Jährige trainiere „jetzt gerade wieder gut“. Allerdings haben ihm die anderen Offensivspieler den Rang abgelaufen. „Er hat einfach das Problem, dass wir auf seiner Position viele Möglichkeiten haben“, ergänzt Sebastian Hoeneß und verweist darauf, dass er ja nicht „sechs Offensive“ auf die Ersatzbank setzen könne.
Beim neuen Coach hat Enzo Millot im Mittelfeld eine neue Chance bekommen, auch Tiago Tomas kam zu Einsätzen. Ebenso vertraut der Coach Silas Katompa und Chris Führich. Als Einwechselspieler sorgte zudem Tanguy Coulibaly für wichtige Impulse. Und um die Defensive zu stärken ist Gil Dias ohnehin der Falsche.
Ob der Portugiese, der einen Vertrag bis 2025 besitzt, trotz allem noch einmal ein Faktor wird im restlichen Saisonverlauf? Aktuell sieht es nicht danach aus – auch wenn Hoeneß sagt: „Im Fußball kann es ganz schnell gehen. Gil muss sich in die Verfassung bringen im Training, um sofort da zu sein, wenn er gebraucht wird.“ Immerhin: Die Saison kann sich ja noch ein bisschen ziehen – mit zwei zusätzlichen Relegationsspielen im Nachgang der regulären Saison.
Dann könnten auch die Ruhe und Routine von Genki Haraguchi (Vertrag bis 2024) noch einmal gefragt sein.