VfB Stuttgart Wie der VfB die Reißleine zieht

Von  

Der Verein trennt sich von seinem Sportvorstand Robin Dutt und steht vor der Verpflichtung des Trainers Jos Luhukay.

Robin Dutt muss gehen. Foto: Witters
Robin Dutt muss gehen. Foto: Witters

Stuttgart - Am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Während am Dienstagmorgen aus den Reihen des VfB Stuttgart noch verlautet, dass es an diesem Tag voraussichtlich keine Entscheidung darüber gibt, ob der in der Kritik stehende Robin Dutt weitermachen darf oder entlassen wird, heißt es wenige Stunden später Kommando zurück. Es sickert durch, dass die Ära des Sportvorstands definitiv vorbei ist. Sie hat damit 16 Monate gedauert – und endet mit dem zweiten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga nach 1975. „Da es unterschiedliche Auffassungen über die Neuausrichtung des Vereins gab, ist es konsequent, sich zu trennen“, sagt Dutt, dessen Vertrag noch bis Dezember 2018 läuft. Die Abfindung wird teuer für den VfB.

Gleichzeitig wird bekannt, dass Jos Luhukay neuer Trainer wird. Das ist dann das Finale eines provinziellen Possenspiels. So verfolgt der Aufsichtsratschef Martin Schäfer bis Montag die Absicht, weiter auf Dutt zu setzen – wohl wissend, dass das nicht die einstimmige Meinung in dem aus ihm, Wilfried Porth und Hartmut Jenner bestehenden Kon­trollgremiums ist, von dem keiner am Samstag bei der 1:3-Pleite in Wolfsburg anwesend war. Teils gaben die Wirtschaftsbosse (Schäfer bei Würth, Porth bei Daimler und Jenner bei Kärcher) privaten Terminen den Vorzug.

Weil Schäfer in dieser für den Club so brenzligen Situation gerade in den Urlaub nach Mallorca geflogen ist, sitzen die drei Herren auch nicht geschlossen am Tisch, als die Causa Dutt am Dienstag in ihre nächste Runde geht. Es ist die letzte. In einer Telefonkonferenz wird noch einmal diskutiert, was für und was gegen den Sportvorstand spricht. Nicht mit eingebunden ist jedoch beispielsweise der frühere Nationalspieler Karl Allgöwer, den der VfB im Januar auf Betreiben des Aufsichtsrats extra als Berater verpflichtet hat. Er ist daheim und wundert sich seit Tagen, warum sich keiner vom Verein bei ihm meldet.

Der Aufsichtsrat beugt sich dem öffentlichen Druck

So machen das Schäfer, Porth und Jenner unter sich aus. Dabei stehen sie auch unter dem Eindruck des gewaltigen bundesweiten Presseechos, das genauso wie die Reaktionen aus der Fußballerszene fast unisono und in einer sehr deutlichen Wortwahl gegen Dutt ausgefallen ist. So fordert auch Michael Föll am Dienstagmorgen im Radio noch, dass gehandelt wird. Auf die Frage, ob Dutt entlassen werden müsse, antwortet Stuttgarts Erster Bürgermeister, dass der VfB das Projekt Wiederaufstieg ohne Altlasten in Angriff nehmen müsse.

Offenbar befürchtet Schäfer, dass er mit seinen Kollegen deshalb selbst unter Druck geraten könnte, wenn es mit dem Sportvorstand weitergeht. Unabhängig davon findet der Aufsichtsrat nicht mehr viele Argumente für Dutt, der den Abstieg sowohl intern als auch extern immer wieder an Versäumnissen vor seinem Amtsantritt festzumachen versuchte. Dabei sind verheerende Trainerflops (Alexander Zorniger) und bittere Transferflops wie Toni Sunjic, Féderico Barba und Artem Kravets unter seiner Regie passiert. Am Sonntag sagte Dutt dazu noch im Fernsehstudio, dass er die Spieler, die aus dem Ausland geholt wurden, eben auch nicht so gut gekannt und sich da auf seine Scoutingabteilung verlassen habe.

Dabei hatten die Scouts von Sunjic abgeraten, der vom VfB einmal vor Ort beobachtet wurde – bei einer 0:3-Pleite von Krasnodar, als er zwei Tore verschuldete. Und Kravets hat Dutt persönlich unter die Lupe genommen, in einer Champions League-Partie von Dynamo Kiew beim FC Chelsea. Die offizielle Spielstatistik der Uefa für den nach 56 Minuten ausgewechselten Stürmer besagt hinterher: null Torschüsse, null Torschussvorlagen, null Flanken, ganze sechs Pässe (davon zwei Fehlpässe), nur zehn Zweikämpfe (davon acht verloren), und zwei Dribblings (beide verloren).

Die Suche nach einem Nachfolger läuft

Daraufhin wurde Kravets von Dutt bis Juni aus Kiew ausgeliehen, für ein Gehalt von 200 000 Euro im Monat. Das sind die Fakten, an denen der Aufsichtsrat schließlich nicht mehr vorbeikommt. „Wir sind nach einem intensiven Austausch übereingekommen, dass eine Trennung von Robin Dutt die richtige Entscheidung ist“, sagt Schäfer. Ungewiss ist jedoch, wie es weitergeht. Vorläufig wird Achim Cast die Managergeschäfte führen. Eine seiner ersten Aufgaben wird sein, die aus Wolfsburg, Leicester und Southampton vorliegenden Angebote für Filip Kostic zu prüfen. Der Außenbahnspieler kann den VfB für rund zwölf Millionen Euro verlassen.

Dass aus Cast eine Dauerlösung wird, erscheint aber nahezu ausgeschlossen. Er war der Vertraute von Dutt. Potenzielle Nachfolger des Sportvorstands werden schon gehandelt – etwa Jan Schindelmeiser, der bis 2010 in Hoffenheim tätig war.

Darüber hinaus lautet die Frage, was aus den vielen Mitarbeitern wird, die Dutt eingestellt hat. So durfte er in der vergangenen Woche, als er längst auf der Kippe stand, noch drei Kaderplaner unter Vertrag nehmen. Keiner beim VfB hat ihn gebremst – erst jetzt, nachdem die Leute schon da sind.