Für den Kreuzungsbereich an der sogenannten „Spritnase“ hätten sich die Backnanger eine bessere Lösung erhofft. Foto: Gottfried Stoppel
Der vierspurige Ausbau der B 14 in Backnang soll bis 2030 fertig sein. Stadtverwaltung und Gemeinderat verabschieden sich von einer eigenen Variante für eine leistungsfähige Kreuzung im Abschnitt Backnang-Süd – aus rechtlichen Gründen.
Der vierstreifige Ausbau der B 14 nimmt an Fahrt auf. Zug um Zug sollen die Bauabschnitte nun umgesetzt werden, sagte Oberbürgermeister Maximilian Friedrich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister Stefan Setzer stellte er den Stadträten den aktuellen Sachstand vor.
Erst kürzlich begonnen haben die Arbeiten im Abschnitt Backnang-West (Krähenbachkreuzung). Hier werde sich der Ausbau der B 14 erstmals unmittelbar auf das städtische Straßennetz auswirken, indem die Anschlussstelle an die Aspacher Straße komplett neu gestaltet wird, berichtete OB Friedrich. Dieser westliche Abschnitt zieht sich weiter über das neu zu bauende zweite Viadukt. Mit den Arbeiten hierfür wurde im April begonnen, fertig sein soll es in etwa zwei Jahren. Der gesamte Abschnitt-West soll im Jahr 2027 abgeschlossen werden, erklärte Bürgermeister Setzer.
Erhebliche Verkehrsstörungen
Dieser Abschnitt mündet in den Abschnitt „Mitte“, wo laut Setzer das „wohl anspruchsvollste Teilprojekt“ wartet: die Sanierung und Erneuerung der beiden Bahnbrücken. Der Termin für den Austausch der beiden Bahnbrücken steht schon jetzt fest und sei wegen der vereinbarten Sperrpausen im Bahnverkehr unbedingt einzuhalten. „Diese Arbeiten im Jahr 2027 werden mehrere Wochen dauern und auf dieses Datum muss die Gesamtmaßnahme auch ausgerichtet sein.“
Spürbare Auswirkungen seien dann auch in der Stadt unausweichlich: „In dieser Zeit wird es erhebliche Verkehrsstörungen geben“, machte Setzer deutlich: Umleitungsverkehre durch die Stadt zum einen, aber auch Schienenersatzverkehr auf allen Linien der S3 und der S4 zum anderen. Darüber hinaus seien auch die Regional- und Fernverkehre der Bahn betroffen.
Grundstückseigentümer nicht einverstanden
Der Bauabschnitt im Bereich Germannsweiler, der unter anderem über die sogenannte „Spritnase“ nach Backnang-Süd führt, soll schon etwas früher in Angriff genommen werden, möglichst im Herbst 2025. Ein weiterer wichtiger Abschnitt, mit dem sich die Backnanger schon sehr lange beschäftigen, ist der letzte Streckenabschnitt im Süden ab dem Ausbauende – der sogenannte Tunnel Waldrems. „Da sind die Planungen mittlerweile schon seit längerem fertig, aber die betreffenden Grundstückseigentümer im Gewerbegebiet Backnang-Waldrems sind mit der Planung so nicht einverstanden und geben im Moment noch keine Zustimmung zum Eingriff in deren Grundstücke.“ Daher müsse das Regierungspräsidium ein Planänderungsverfahren durchführen, erklärte Setzer. Sollte dieses tatsächlich im kommenden Jahr erfolgen und es keine Komplikationen geben, dann sei der Baubeginn dort Ende des Jahres 2025. „Es wird also Zeiträume geben, wo an allen Ecken und Enden gebaut werden wird – es wird eine Zeit, in der wir auch in der Stadt mit Verkehrsbehinderungen und Beeinträchtigungen leben müssen.“
Der Ausbau soll bis 2030 fertig sein. Foto: Stadt Backnang/Grafik: Lock/e
Nach derzeitigem Stand geht das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) davon aus, dass die Gesamtmaßnahme des vierstreifigen Ausbaus bis zum Jahr 2030 abgeschlossen wird. Die bisherigen Terminpläne hätten sich immer wieder verschoben, sagte OB Friedrich. „Die Gründe dafür sind vielfältig und bei genauerer Betrachtung auch weitestgehend nachvollziehbar.“
Vorhaben des Bundes, nicht der Stadt
Das Projekt sei in erster Linie ein Vorhaben des Bundes. Damit liege auch die Kostentragung grundsätzlich beim Bund. Trotzdem wird auch die Stadt einen „nicht unerheblichen finanziellen Beitrag zu diesem Projekt leisten müssen“, sagte der OB. „Hierzu stehen wir im Moment in intensiven Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, mit dem Ziel, den kommunalen Kostenanteil deutlich zu reduzieren.“ Unter anderem muss für die teilweise Tieferlegung der Trasse auch die Leitungsrohre erneuert beziehungsweise verlegt werden; etwa in Teilbereichen der Maubacher Höhe und von Waldrems. Kosten: ein zweistelliger Millionenbereich.
Ein besonderer Wermutstropfen aus Backnanger Sicht stellt die Kreuzung an der Heinrich-Hertz-Straße zur und von der B 14 dar. Denn selbst wenn sie umgestaltet ist, fließt der Verkehr auf dem Zubringer nicht so schnell, wie das sein könnte. Die Gutachter geben dem Abschnitt, wie er vom Regierungspräsidium vorgeschlagenen wird, nur die Note D, was in Schulnoten ausgedrückt einer vier entspricht – „ausreichend“.
Klagen könnten Vorhaben verzögern
Die Backnanger hatten darum eigene Planungen angestrebt, um die Kreuzung mit einem Doppelknoten leistungsfähiger zu machen. Dieses Vorhaben müssen sie nun notgedrungen beerdigen, wie OB Friedrich dem Gemeinderat darlegte: „Wir haben hier Zeit und Geld investiert, um dem Bund eine bessere, das heißt leistungsfähigere Alternative für die Anschlussstelle Backnang-Süd vorzulegen, von der wir weiterhin überzeugt sind.“ Nach langem und intensivem Diskussions- und Abwägungsprozess sowie vielen Gesprächen mit dem RP und dem Bundesverkehrsministerium könne die Umsetzung der städtischen Variante dennoch nicht empfohlen werden: „Das zur Umsetzung notwendige Planänderungsverfahren eröffnet die Möglichkeit von Verbandsklagen“, erklärte der OB. Diese hätten für einen „nicht absehbaren Zeitraum“ zur Folge, dass die dann vierstreifig ausgebaute B 14 im Bereich zwischen der Anschlussstelle Backnang-Süd und der Querung Maubacher Straße/Kitzbüheler Straße auch weiterhin nur zweistreifig ausgebaut bliebe. „Dieses Nadelöhr würde zu einer erheblichen Einschränkung der Leistungsfähigkeit der B 14 führen und damit den nun beginnenden Ausbau konterkarieren.“
Der Bund unterstütze die städtischen Planungsüberlegungen nicht. „Da es sich um ein Projekt des Bundes handelt, kann auch nur der Bund eine Änderung des bestehenden Planungsrechts vornehmen“, sagte Maximilian Friedrich. „Wir werden nun die notwendigen und sinnvollen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrten Waldrems, Heiningen und Maubach in den Fokus nehmen.“