Vincent Klink stellt neues Buch vor Genuss und gastronomischer Anstand

Von Christoph Kutzer 

Vincent Klink, selbst bekennender Genießer, serviertein der Landesbibliothek Grimods „Grundzüge des gastronomischen Anstands“, denen der Küchenmeister sein jüngstes Buch gewidmet hat. Er erkennt im historischen Gastrosophen de la Reynière einen Geistesverwandten.

Koch und Autor Vincent Klink würzte seine Lesung mit Musik. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Koch und Autor Vincent Klink würzte seine Lesung mit Musik. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Verhelfen glutenfreie Haferflocken zu innerer Balance? Verursacht Fleisch essen Krebs? Fördert das Kaffeetrinken Depressionen? Zumindest letzteres hätte Balthazar Grimod de la Reynière (1758 – 1837) sicher vehement bestritten: Bei den Gesellschaften des französischen Gourmands, galt es als schicklich, sich bis zu 18 Tassen des Heißgetränks einzuverleiben. Überhaupt hätte sich der Pate der Gastronomiekritik wohl gewundert, mit welchem Eifer heute Ernährungsprinzipien verfochten werden, während zugleich die Freude an kulinarischen Finessen flöten geht.

Vincent Klink, selbst bekennender Genießer, servierte am Montag in der Landesbibliothek Grimods „Grundzüge des gastronomischen Anstands“, denen der Küchenmeister sein jüngstes Buch gewidmet hat. Er erkennt im historischen Gastrosophen de la Reynière einen Geistesverwandten und tritt mit ihm in einen Dialog rund um die Kunst des Tafelns und Schlemmens.

Diner als Leichenfeier arrangiert

Langweilig kann es schon deshalb nicht werden, weil Vincent Klink ein sehr lebendiger Erzähler ist. Grimods Eigenwilligkeit wiederum bietet ausreichend Gelegenheit, diese Gabe vor Publikum auszubreiten: Seine missgebildeten Arme, verbarg Grimod zeitlebens in eisernen Prothesen, sein Hang zur Zügellosigkeit und seine morbide Ader lieferten den Stoff für Anekdoten.

So ist etwa die Geschichte über ein Diner überliefert, das der Feinschmecker als Leichenfeier inszenierte. Gespeist wurde an Särgen, bedient wurden die Gäste von Totengräbern. Der Franzose hatte erkannt, wie wichtig das Ambiente sein kann, wenn es ums Essen geht. Das beginnt beim Licht. „Ein einfaches Gericht, das man uns bei gut beleuchteter Tafel serviert, mundet besser als die herrliche Speise, die man im Finstern hinabwürgen muss“, hielt er fest und findet heute Klinks vollste Zustimmung.

Wie Grimod zur musikalischen Untermalung von Gaumenfreuden stand, bleibt bei Klinks Vortrag im Dunkeln. Der Chef der Wielandshöhe selbst ließ es sich indessen nicht nehmen der Veranstaltung am Flügelhorn zusätzliche Würze zu verleihen: Gemeinsam mit dem Brass on Strings Orchestra jazzte er Chansons.

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