Volbeat-Sänger Michael Poulsen „Metal-Musiker schlafen nicht in einem Sarg“

Volbeat: Gitarrist Rob Caggiano, Sänger und Frontmann Michael Poulsen, Bassist Kaspar Boye Larsen und Drummer Jon Larsen (von links) Foto: Ross Halfin

Auf ihrem neuen Album mischt die dänische Band Volbeat Heavy Metal mit Rock ’n’ Roll. Ein Gespräch mit Frontmann Michael Poulsen über musikalische Vorbilder und das besondere Verhältnis der Band zu Deutschland.

Digital Desk: Simon Koenigsdorff (sko)

Kopenhagen/Stuttgart - Die Dänen Volbeat veröffentlichen an diesem Freitag das Album „Servant of the Mind“. Die Band füllt mit ihrem Mix aus Heavy Metal und Rock ’n’ Roll die Stadien Europas und gastierte schon mehrfach in der Stuttgarter Schleyerhalle. Frontmann, Gitarrist und Hauptsongwriter Michael Poulsen spricht im Interview über musikalische Einflüsse – und verrät, warum Deutschland eine zweite Heimat für die Band ist.

 

Herr Poulsen, Sie haben vor wenigen Wochen in den USA Ihre ersten Konzerte seit der Coronapause gespielt. Wie fühlt es sich an, nach all der Zeit wieder auf der Bühne zu stehen?

Es fühlt sich großartig an. Wir sind es nicht gewohnt, so lange Pause zu haben. Natürlich war es schön, endlich mal länger zu Hause bei der Familie und den Kindern zu sein, und wir haben sogar einige Male darüber nachgedacht, ein Sabbatical zur Erholung einzulegen. Aber wir bekommen immer wieder die Gelegenheit, auf sehr gute Touren zu gehen, also springen wir doch immer wieder zurück in den Tourbus. Jetzt mussten wir erst mal eine Menge Rost abschütteln, und ich musste nach einer Halsoperation wieder in Form kommen. Aber es war schön, die Fans wiederzusehen und sich darauf vorzubereiten, wenn wir nächstes Jahr wieder in den größeren Stadien spielen.

Sie haben wie viele andere Bands die Zeit genutzt, um neue Musik zu schreiben. Wie hat Corona „Servant of the Mind“ beeinflusst?

Ich habe damals einige Podcast-Interviews dazu gegeben, wie ich angefangen hatte, Musik zu machen, wie ich ursprünglich Death Metal spielte und später Volbeat gründete. Dann daheim zu sitzen und Zeit zu haben, über meine Karriere und Musik zu reflektieren, fühlte sich ein wenig an, wie noch einmal von ganz vorne anzufangen. Als ich dann die Gitarre zur Hand nahm, war es beinahe so, wie das erste Volbeat-Album zu schreiben. Das ist wahrscheinlich der Grund für einige der härteren Lieder. Es liegt in unserer DNA, alle Bandmitglieder haben früher in Death-Metal-, Thrash-Metal- oder Punkbands gespielt. Das Gefühl, wieder neu anzufangen, war toll, es war, als ob wir wieder 18 oder 19 wären.

Man hört dem Album auf jeden Fall an, dass viele Lieder härter und düsterer sind als auf den direkten Vorgängern. Wie kam dieser Sound zustande?

Nach so vielen Volbeat-Alben wollen wir uns als Band und ich mich als Songwriter immer weiterentwickeln. Ich mag sehr viele verschiedene Stile, ich bin ein großer Fan der Musik der 50er und 60er Jahre, und es gibt viele großartige Poprock-Bands, die ich sehr mag. Manche unserer Lieder sind eher zu Rock- oder Poprock-Songs geworden, weil wir uns beim Schreiben des jeweiligen Albums so fühlten. Mit „Servant of the Mind“ ist es wie gesagt ein bisschen so, als würden wir zu unserem Debüt zurückkehren, die Gitarren sind mehr im Vordergrund, es ist mehr Heavy Metal. Aber nun haben wir die Erfahrung, die uns damals fehlte, um große Refrains zu schreiben und unsere Instrumente besser zu beherrschen.

Welchen Einfluss hatten Metallica ? Sie haben für das Jubiläum des schwarzen Albums ja auch ein Cover von „Don’t tread on me“ beigesteuert und waren mit ihnen mehrfach auf Tour.

Metallica haben uns von Anfang an beeinflusst und inspiriert. Wir wurden gefragt, ob wir auf das Jubiläumsalbum wollen, als wir gerade mit unserem Album fertig waren und Coversongs aufgenommen haben. Wir wollten dafür einen Song auswählen, bei dem es Sinn ergab, ihn in einen Volbeat-Song zu verwandeln. Das Wichtigste ist aber, dass die Metallica-Fans die Version gut aufgenommen haben.

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Ist diese Mischung von Einflüssen Ihre Art, dem Metal-Publikum zu zeigen, woher all diese Musik kommt, und ihnen die Ursprünge näherzubringen?

Es ist lustig, dass es heute eine neue Generation von jungen Metal-Fans gibt, die die Vorstellung haben, ihre Lieblingsband höre selbst nur Metal. Die wären überrascht, wenn sie wüssten, was ihre Lieblingsband macht, wenn sie nicht auf der Bühne steht und welche Musik sie alles hört. Wenn man jung ist, ist man vielleicht naiv und denkt, seine Metal-Idole schlafen in einem Sarg im Keller, schreiben dort ihre Riffs, gehen dann auf Tour, benehmen sich dort sehr düster und mysteriös und steigen danach wieder in den Sarg. So läuft das nicht. Das hört man auch bei uns. Wir können etwas kombinieren, das wie Black Sabbath klingt, im nächsten Moment wird daraus ein 50er-Jahre-Song im Stil von Little Richard und direkt danach kommt Gospel dazu. Wir wollen den Leuten zeigen, dass es jede Menge unterschiedlicher Musik gibt, die uns inspiriert, ohne Scheuklappen. Es ist großartig, verschiedene Generationen von Jung bis Alt im Publikum zu sehen, die mit unserer Musik etwas anfangen können, weil man bei uns die 50er hören kann, die klassischen Heavy-Metal-Einflüsse und auch neuere Musik.

Haben diese Fangruppen dann nicht auch unterschiedliche Erwartungen?

Es wird immer Leute geben, die es härter mögen, und welche, die es softer mögen, die ein Album einem anderen vorziehen. Am Ende kann man es nicht allen recht machen, das versuchen wir auch gar nicht. Die Hauptsache ist, dass wir Musik schreiben, zu der wir uns verbunden fühlen und mit der wir gern auf Tour gehen. Wir beschweren uns auf keinen Fall, aber uns ist bewusst, dass es immer viele verschiedene Meinungen über unseren Stil geben wird.

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Für Ihr letztes Live-Album haben Sie Konzerte in Deutschland ausgewählt, einschließlich der Schleyerhalle in Stuttgart. Was verbindet Volbeat mit Deutschland?

Deutschland fühlt sich für uns wie eine zweite Heimat an. Deutschland war das erste Land nach Dänemark, das uns wirklich willkommen geheißen hat, hier ging alles sehr schnell. Wir haben natürlich in kleinen Clubs angefangen, dann aber schnell in größeren Hallen gespielt und dann in Arenen und Stadien. Heute ist Deutschland unser größter Markt. Wir sehen heute noch Leute im Publikum, die uns von Anfang an unterstützt haben. Dafür sind wir sehr dankbar.

Mix aus Rock ’n’ Roll, Country und Heavy Metal

Frontmann
Michael Poulsen, Jahrgang 1975, gründete vor 20 Jahren die dänische Metal- und Rockband Volbeat, die mit ihrem Mix aus Rock ’n’ Roll, Country und Heavy Metal und dem Debütalbum „The Strength / The Sound / The Songs“ Aufsehen erregte. Poulsen ist der hauptsächliche Songwriter der Band. Die letzten drei Studioalben erreichten alle Platz eins der deutschen Charts.

Album
Volbeat, „Servant of the Mind“, Universal. Bisher bestätigte Tourdaten: Hannover, 2. Juni 2022, Rock am Ring/Rock im Park, 3.–5. Juni 2022, Berlin, 14. Juni 2022.

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