Vollbremsung bei „The walking Dead“ Überraschung bei den Untoten

Die Zombies aus der Streamingserie „The walking Dead“ scheinen unverwüstlich. Aber nun hat Robert Kirkman, der Autor der Comic-Vorlage, seine Reihe abrupt beendet. Läutet etwa das Totenglöcklein für die Untoten?

Können Zombies überrascht sein? Dieser hier hat möglicherweise gerade vom Ende der Comic-Reihe „The walking Dead“ erfahren. Foto: dpa 7 Bilder
Können Zombies überrascht sein? Dieser hier hat möglicherweise gerade vom Ende der Comic-Reihe „The walking Dead“ erfahren. Foto: dpa

Stuttgart - Auch wer noch nie im Leben einem Untoten begegnet ist, weiß aus Film und Fernsehen: Viel zu sagen hat so eine Aktivleiche nicht. Schmatzende Aggression gegen alles Lebendige und das heiße Bedürfnis, frischeres Fleisch als das eigene zu fressen – das sind die immer gleichen und die einzigen Eigenschaften dieser Ungeheuer. Weshalb Zombies sich zwar als Schlurferheer der Apokalypse für einen 90-minütigen Kinofilm zu eignen schienen, keinesfalls aber als zentrales Element langen epischen Erzählens.

Wie man sich täuschen kann: Sowohl die 2003 gestartete Comicserie „The walking Dead“ wie die auf ihr basierende, 2010 angelaufene Streamingserie des US-Senders AMC wurden erst große Hits und dann eine beiläufige Normalität der Popkultur, so etwas wie Überraschungseier an der Supermarktkasse: Kein Mensch braucht sie. Niemand kann sich eine Welt vorstellen, in der es sie nicht gab. Und ab und an greift fast jeder auf sie zurück.

Ein feiner Coup

Anfang Juli aber hat Robert Kirkman, der Erfinder des Franchise und Alleinautor des monatlich erscheinenden Comics, auch die aufmerksamsten Fans gekonnt überrumpelt. Immer wieder hatte er das Stöhnen des ein oder anderen Kritikers, die Luft sei längst raus, mit dem Hinweis gekontert, er habe einen Plan bis Heft 300 – also bis ins Jahr 2028. Ohne jede Vorwarnung ist nun mit Nummer 193 trotzdem Schluss. Nichts, erklärte Kirkman dazu, hasse er mehr, als wenn er beim Schauen oder Lesen vorab merke, dass sich eine Geschichte ihrem Ende nähere.

Den Coup hatte der 41-Jährige mit Finesse vorbereitet. Er hatte bereits Cover für die Hefte 194-196 zeichnen und in den Vorschaukatalogen abdrucken lassen, um sowohl Handel als auch Leser in Sicherheit zu wiegen. Die Mischung aus Abruptheit und Kalkül hat aufhorchen lassen: Pfiffen die Zombies auf dem letzten Loch? Sollte auch für die in Deutschland zunächst bei Sky, später bei vielen weiteren Anbietern abrufbare Serie das Totenglöcklein läuten?

Spiegel der Jetztzeit

Umgehend dementierten das sowohl der Sender AMC als auch Robert Kirkman selbst. Die Serie, die Ableger, Nachahmer und jede Menge Merchandising produziert, hat sich in ihren Drehbüchern längst von den Comics abgekoppelt und soll auch selbstständig weitergehen. Im Jahr 2015 war das Spin-off „Fear the walking Dead“ gestartet, derzeit wird eine weitere Serie im „Walking Dead“-Universum produziert, die 2020 laufen soll und von einer Generation erzählt, die in die Zombie-Endzeit hineingeboren wurde. Kirkman hat gar eine neue Idee vor Fans und Produzenten geworfen: eine eigene Comic- oder TV-Serie um Negan, einen charismatischen Bösewicht aus dem mörderisch zerstrittenen Häuflein vorerst überlebender Menschen.

Noch sollen die Zombies also nicht im Grab verschwinden. Kirkman klingt, als brauche er eine Pause, sei aber mit dem Ende der Zivilisation noch lange nicht durch. Der Comic hatte seine höchsten Auflagen zwar schon eine Weile hinter sich, war aber immer noch der mit Abstand bestverkaufte Titel des Verlages Image. Die Zombiewelt als Hölle, in der die Aggressionen, Unduldsamkeiten und Rohheiten unserer Tage nackter zutage treten, die Endzeit als Spiegel der Jetztzeit, das bleibt uns also noch eine Weile herhalten. Vielleicht ja bis zum Auftreten des ersten echten Zombie-Virus.

Info: Die Comic-Reihe „The walking Dead“ erscheint auf Deutsch beim Cross-Cult-Verlag in Ludwigsburg.