Volleyball – Allianz MTV Stuttgart Kim Renkema: Von der Spielführerin zur Sportchefin

Von Jochen Klingovsky 

Die Karriere der Volleyballerin Kim Renkema ist vorbei, nicht aber ihre Zeit bei Bundesligist Allianz MTV Stuttgart: Die Niederländerin rückt ins Management auf.

Muss ihre Karriere aus gesundheitlichen Gründen noch vor dem Start der Play-offs um die Meisterschaft beenden: Kim Renkema, Kapitänin des Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann
Muss ihre Karriere aus gesundheitlichen Gründen noch vor dem Start der Play-offs um die Meisterschaft beenden: Kim Renkema, Kapitänin des Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Stuttgart - Hinter Kim Renkema (29) liegen ein paar harte Monate. Jetzt hat sie zwar den Kampf gegen den eigenen Körper verloren, nicht aber ihren Optimismus. „Wenn sich eine Türe schließt, geht woanders eine auf“, sagt die Volleyballerin. Manchmal liegen diese Türen gar nicht weit auseinander: Kim Renkema musste ihre Karriere zwar noch vor dem Viertelfinal-Rückspiel im CEV-Pokal an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) in Italien bei VBC Casalmaggiore und dem ersten Play-off-Viertelfinale an diesem Sonntag (15 Uhr/Scharrena) gegen den USC Münster beenden, ihre berufliche Zukunft aber liegt trotzdem bei Allianz MTV Stuttgart – als Sportchefin. „Das ist die optimale Lösung für uns, eine bessere gibt es nicht“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „natürlich abgesehen davon, dass wir ihr einen anderen Abgang als Spielerin gewünscht hätten.“

Auch Renkema selbst hatte bis zuletzt gehofft. Im Herbst war bei der Außenangreiferin Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert worden, doch sie arbeitete sich zurück. Erst ins Training, dann aufs Feld. Doch gesund fühlte sie sich nie. Immer wieder litt sie unter Entzündungen, zuletzt im Rücken. Am Donnerstag wurden die Schmerzen unerträglich, die Untersuchung ergab, dass eine Bandscheibenvorwölbung auf einen Nerv drückt. „Mein Körper zeigt mir, dass ihm die Belastung im Hochleistungssport zu groß ist“, meint Renkema, „die Ärzte haben mir gesagt, dass es nicht realistisch ist, noch einmal in kurzer Zeit schmerzfrei zu werden. Stattdessen drohte die Gefahr, meinen Körper kaputt zu machen und mit chronischen Schmerzen aus der Karriere zu gehen.“ Also zog Kim Renkema, so weh es ihr auch tat, einen Schlussstrich: „Das ist sehr, sehr bitter. Andererseits war ich keinen einzigen Tag in dieser Saison wirklich fit, bin keine entscheidende Spielerin mehr gewesen. Und die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch ohne mich stark genug ist, Meister zu werden.“

Kim Renkema wird ihren Teil dazu beitragen. Als moralische Stütze. Und gleichzeitig versuchen, Kraft zu tanken für die Aufgaben, die auf sie zukommen. Der Zwei-Jahres-Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, doch Zweifel gibt es keine mehr. „Es geht nur noch um ein paar Formalien“, sagt Geschäftsführer Irion, „wir verlieren zwar unsere Kapitänin, aber wir gewinnen eine sportliche Leiterin, die im Volleyball alles erlebt hat und sich so gut auskennt wie kaum eine andere. Das ist der nächste Schritt in der Entwicklung dieses Sports in Stuttgart.“

Renkema soll auch die Suche und Pflege von Sponsoren unterstützen

Zumal Renkema nicht nur für die Mannschaft verantwortlich sein wird, sondern auch in die Suche und Pflege von Sponsoren eingebunden werden soll – als Nachfolgerin von Sportdirektor Bernhard Lobmüller, der sich nach internen Unstimmigkeiten im November überraschend verabschiedet hatte. „Ich weiß viel vom Volleyball und habe gute Kontakte, das wird helfen“, sagt Kim Renkema, „aber ich weiß auch, dass ich als Anfängerin in diesem Beruf noch viel lernen muss. Doch ich bin bereit und freue mich, dass Bernhard Lobmüller und Aurel Irion mir helfen und ihre Erfahrungen an mich weitergeben werden.“

Von der Personalie Renkema war nicht nur der Geschäftsführer stets überzeugt, sondern auch die Geldgeber zogen voll mit. So gelang es dem Bundesliga-Zweiten und Pokalsieger, die Stelle der Sportchefin zu finanzieren, ohne den bisherigen Etat (rund eine Million Euro) zu belasten – stattdessen stockt vor allem die Allianz ihr Engagement auf. „Sport braucht Gesichter, und es gibt in Stuttgart in Kim Renkema eine ideale Identifikations- und Integrationsfigur. Deshalb war sehr wichtig, sie hier zu halten“, sagt Manfred Boschatzke, Direktor Marke und Sponsoring bei Allianz Deutschland, „sie ist nicht nur ein Vorbild für den Nachwuchs und eine Sympathieträgerin, sie verkörpert diesen Sport in Stuttgart. Und sie verfügt über ein sehr gewinnendes Wesen.“ Bisher auf dem Feld. In Zukunft im Management.

Eine der ersten Aufgaben von Kim Renkema wird es sein, zusammen mit Aurel Irion das Team der Zukunft zu bauen. Bisher haben nur Michaela Mlejnkova (bereits verlängert) und Julia Schaefer (Zwei-Jahres-Vertrag) einen Kontrakt für die nächste Saison, die Unterschrift von Renata Sandor soll schnellstmöglich folgen. Und dann stehen die Treffen mit den weiteren Spielerinnen an, die der Verein halten will. Kim Renkema wird in diese Gespräche bereits eingebunden sein – wie Verhandlungen bei Allianz MTV Stuttgart laufen, weiß schließlich kaum eine besser als sie selbst.