Volleyball – Allianz MTV Stuttgart Pia Kästner kämpft um ihre Karriere

Von Jochen Klingovsky 

Warum Pia Kästner, die Zuspielerin von Volleyball-Erstligist Allianz MTV Stuttgart, voll auf nächste Saison setzt.

Pia Kästner arbeitet hart  – trotz Corona-Krise. Foto: Baumann/Julia Rahn
Pia Kästner arbeitet hart – trotz Corona-Krise. Foto: Baumann/Julia Rahn

Stuttgart - Die Hoffnung war klein. Klitzeklein. Aber sie war da. Hätten die Stuttgarter Bundesliga-Volleyballerinnen erneut das Play-off-Finale um die Meisterschaft erreicht, vielleicht wäre es doch noch möglich gewesen, das Comeback von Pia Kästner. Doch dann schlug die Corona-Krise zu. Sie beendete alles. Die Konjunktive. Die Wünsche. Die Sehnsüchte. Die Saison. Für Allianz MTV Stuttgart. Und für dessen verhinderte Zuspielerin. Somit war es endgültig ein Halbjahr zum Vergessen für Pia Kästner. Und trotzdem eines, an das sie sich immer erinnern wird. „Es ist eine harte Zeit gewesen“, sagt die 21-Jährige, „aber auch eine Zeit, in der ich viel gelernt habe.“ Für die Zukunft.

Rückblick: Im September kam Pia Kästner nach fünf Monaten beim Nationalteam mit starken Rückenschmerzen in Stuttgart an. Die Diagnose lautete Osteochondrose (eine Verschleißerkrankung der Wirbelsäule), Sportchefin Kim Renkema schimpfte: „Wir haben eine kaputte Spielerin zurückbekommen.“ Und eine, die plötzlich die Kehrseite der Medaille kennenlernte.

Rehazentrum statt Sporthalle

Einheiten im Rehazentrum statt in der Halle, Termine bei Ärzten statt bei Spielen in Bundesliga, Pokal und Champions League. Pia Kästner, die immer noch als Zuspielerin der Zukunft im deutschen Volleyball gilt, machte die Erfahrung, dass die Leichtigkeit des Seins im Kraftraum nicht viel zählt. Sondern dass es harte Arbeit sein kann, gesund zu werden. „Sie hat richtig geschuftet, ihre Kraftwerte überall stark verbessert. Und ihr ist bewusst geworden, dass sie einige Übungen ihr Leben lang begleiten werden“, sagt Kim Renkema, „sie will unbedingt zurück aufs Feld. Dafür hat sie enorm viel getan.“ Und dabei nie die Zuversicht verloren.

Pia Kästner ist eine Frohnatur. Sie hat ein gewinnendes Lächeln, trägt großen Optimismus in sich. Auch deshalb ist es ihr gelungen, das Team zu unterstützen, obwohl sie gar nicht auf dem Feld stand. „Es war ein komisches Gefühl, sportlich keinen Einfluss zu haben“, sagt sie, „doch wo immer ich emotional helfen und Energie geben konnte, habe ich es getan.“ Bis zuletzt. Nun allerdings folgt für Pia Kästner eine Phase, in der es vor allem um eine geht: um sie selbst.

Die Zuspielerin geht davon aus, nächste Saison wieder am Ball zu sein. Der Rücken fühlt sich mittlerweile viel besser an, in der Sommerpause will Kästner weiter hart an sich und ihrem Körper arbeiten. In der Reha-Welt des VfB, zu Hause, an der frischen Luft – und wenn es die Corona-Pandemie zulässt auch wieder in (Klein-)Gruppen. „Bisher klappt alles ganz gut“, sagt sie, „ich bin auf dem richtigen Weg. Die Zeit bis zum Start der Vorbereitung im August muss ich nutzen, um vollends fit zu werden. Damit ich nächste Saison durchstarten kann.“ Mehr? Kann eine Athletin in der aktuellen Lage nicht tun.

Keiner weiß, wie es weitergeht

Derzeit weiß niemand, wie hart die Krise den Sport treffen wird, und folglich weiß auch keiner, wie es in der Volleyball-Bundesliga weitergeht. Pia Kästner hat im Frühjahr 2019 einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Sie geht fest davon aus, nächste Saison eine von zwei Zuspielerinnen bei Allianz MTV Stuttgart zu sein – in einem starken Team um Kapitänin Krystal Rivers, das weiterhin zu den besten drei in Deutschland zählt. „Dafür mache ich alles, was möglich ist“, sagt sie, „und ich habe volles Vertrauen in die Verantwortlichen, dass auch sie tun, was in ihrer Macht steht.“

Das hat Kim Renkema vor. Allerdings sagt sie auch, dass schwer vorherzusehen ist, welcher Etat ihr genau zur Verfügung stehen wird. Normalerweise ist die Sportchefin eine, die lieber handelt als abzuwarten, doch nun muss auch sie, was die Zusammenstellung des Kaders angeht, die Geduld bewahren. Weil sie kein Geld ausgeben kann, das sie womöglich gar nicht hat. Klar aber ist: Ainise Havili (USA) und Cansu Aydinogullari (Türkei), die beiden für Kästner und Kathleen Weiß (kurzfristige Vertragsauflösung, weil sie eine Ausbildung bei der Polizei begonnen hat) nachverpflichteten Zuspielerinnen, werden nächste Saison nicht mehr in Stuttgart aufschlagen. Renkema baut auf Kästner, doch weil hinter deren Gesundheit immer noch ein kleines Fragezeichen steht, sagt sie auch: „Wir brauchen zwei starke Zuspielerinnen, ich hoffe, dass eine davon Pia ist. Die andere müssen wir neu verpflichten.“

Irgendwann in den nächsten Wochen oder Monaten. Je nachdem, wann die Zeit der Konjunktive vorbei sein wird.

Unsere Empfehlung für Sie