Volleyballerin Leana Grozer (16) aus Stuttgart Großer Name, großes Talent – große Karriere?

An der Annahme hat Leana Grozer zuletzt viel gearbeitet. Foto: Baumann

Leana Grozer trainiert am Bundesstützpunkt in Stuttgart. Ihr größtes Vorbild ist ihr Vater, der Nationalspieler Georg Grozer. Nun will auch sie voll durchstarten – und wird Stuttgart verlassen.

Einen großen Namen zu tragen, kann im Sport eine Belastung sein. Weil man im Fokus steht, ständig verglichen wird, nie Ruhe findet. Unter diesem Druck gingen schon Karrieren kaputt, noch ehe sie begonnen hatten. Doch zwangsläufig ist das nicht – weil ein klangvoller Name auch motivieren kann, eine Herausforderung ist und eine Inspiration. Wie in der Familie Grozer – in der bereits dritten Generation.

 

Leana Grozer, die am Sonntag ihren 16. Geburtstag gefeiert hat, ist das jüngste Talent aus der ungarisch-deutschen Volleyballdynastie. Sie trainiert am Bundesstützpunkt in Stuttgart, tritt selbstbewusst auf, gilt als enorm ehrgeizig. Passend zu ihrer Geschichte. „Klar bedeutet es Druck, in diesem Sport Grozer zu heißen“, sagt sie, „aber ich leide darunter keineswegs. Im Gegenteil. Ich trage den Namen mit Stolz.“ Kein Wunder, bei diesen Vorfahren.

Georg Grozer plant die Karriere seiner Tochter

Opa Georg (sen.) war Nationalspieler in Ungarn und Deutschland. Tante Dora beendete ihre Karriere 2021 beim Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart, Onkel Tim (einst bei Bundesligist TV Rottenburg) schmettert als Profi in Polen. Doch das größte Vorbild von Leana Grozer ist ihr Vater Georg (jun.) – bekannt als „Hammer-Schorsch“.

Dank seiner Schlag- und Sprungkraft wurde Georg Grozer (38) zur Volleyballikone. Er war von 2010 bis 2014 Deutschlands Volleyballer des Jahres, holte WM-Bronze und EM-Silber, gewann die Champions League, die Club-WM und den CEV-Pokal, holte Titel in Russland, Polen, Italien, Ungarn, China und Deutschland. Aktuell spielt er bei Vero Volley Monza, nebenher plant er die Karriere seiner Tochter. „Volleyball ist die große Leidenschaft unserer Familie. Es ist schön, wenn man dieses Gefühl mit seinem eigenen Kind teilen kann“, sagt er, „ich bin ein sehr stolzer Papa. Leana ist ein großes Talent, sie hat sich toll entwickelt – auch weil ihre Herkunft keine Belastung für sie ist. Sie möchte sich selbst einen Namen machen.“ Es sieht so aus, als könnte das gelingen.

Zukunft auf der Außenposition

Leana Grozer wuchs in Deutschland und Polen auf, wohnte mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in Moers, ehe sie im September 2022 ins Internat nach Stuttgart zog, um am dortigen Bundesstützpunkt die nächsten Schritte zu gehen. Das hat geklappt. Die Jugendnationalspielerin macht derzeit ihren Realschulabschluss, und sie lernt bei den täglichen Trainingseinheiten auch volleyballerisch enorm viel dazu. „Ich konnte schon immer gut draufhauen“, sagt Leana Grozer, die bei der U-17-EM im vergangenen Jahr mit dem deutschen Team völlig überraschend die Bronzemedaille holte und als beste Diagonalangreiferin des Turniers ausgezeichnet wurde, „zuletzt haben wir sehr intensiv an meiner Technik und der Physis gearbeitet. Das hat sich gelohnt.“

Ihre Zukunft sieht die 1,83 Meter große Volleyballerin („Hoffentlich wachse ich noch“) im Außenangriff, weshalb die Verbesserung der Annahme ein Schwerpunkt im Trainingsplan der vergangenen Monate war. „Ich habe selten bei einer Spielerin ihres Alters eine so große mentale Stärke gesehen. Leana hat die Fähigkeit, durch ihre Energie ein ganzes Team mitzureißen“, sagt Sebastian Schmitz, der Bundesstützpunkt-Trainer, „sie bringt alles mit, um es nach ganz oben schaffen zu können. Bei uns hat sie große Schritte gemacht, ihr stehen alle Türen offen. Wenn ihre Entwicklung so weitergeht, kann sie mit 18 Jahren in der Champions League spielen.“ Dann wäre Leana Grozer schon ziemlich früh dort, wo sie hinwill.

Abschied aus Stuttgart

Die junge Volleyballerinnen hat klare Ziele. Und sie scheut sich auch nicht, diese zu benennen. Dann spricht sie über die Bundesliga, einen möglichst baldigen Wechsel nach Italien oder die Türkei, das deutsche Nationalteam, die Teilnahme an Olympischen Spielen. „Ich will mein Geld mit Volleyball verdienen, da gibt es im Ausland bessere Möglichkeiten“, sagt sie, „und ich möchte in meiner Karriere möglichst erfolgreich sein.“ Es sind Sätze, die auch von ihrem Vater stammen könnten.

Georg Grozer ist genau den Weg gegangen, den seine Tochter noch vor sich hat. „Wir ticken ziemlich ähnlich. Wir sind volleyballverrückt, wollen das Maximum erreichen“, sagt er, „für mich ist es wichtig und schön zu sehen, dass sie dabei nicht abhebt, hilfsbereit bleibt, sich gut verhält. Denn solange das so ist, spricht nichts dagegen, alles zu versuchen, um sich seine Träume zu verwirklichen.“ In der Realität bedeutet das den Abschied aus Stuttgart.

Wechsel nach Schwerin

Ab Sommer wird Leana Grozer, die wie ihr Vater im Trikot mit der Nummer neun spielt, zum Kader des Bundesligisten SSC Schwerin gehören – als eine von vier Außenangreiferinnen. In Stuttgart zu bleiben? War nicht wirklich eine Option. „Klar hatten wir sie im Blick, sie ist schließlich eines der ganz großen deutschen Talente“, erklärt Kim Renkema, die Sportdirektorin von Allianz MTV Stuttgart, „aber es wurde bald klar, dass die Familie andere Vorstellungen hat.“

Zu denen offenbar das Angebot aus Schwerin gut passt. „In Stuttgart hat sie einen riesen Sprung gemacht und das nächste Level erreicht“, sagt Georg Grozer, „zuletzt haben sich viele Erstligisten um sie bemüht. In Schwerin beginnt nun ihr Leben als professionelle Volleyballerin – ich bin gespannt, wie schnell es ihr gelingen kann, in die Bundesliga und eventuell auch in die Nationalmannschaft hineinzuschnuppern.“ Es wäre keine Überraschung, wenn dies nicht allzu lange dauern würde – und der Name Grozer im Volleyball seinen guten Klang behält.

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