Volskhochschule in Stuttgart Eine Arche für ganz Stuttgart

Ein echtes Gemeinschaftsprojekt: die Holzarche der Volkshochschule. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Ein echtes Gemeinschaftsprojekt: die Holzarche der Volkshochschule. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

In einem Inklusionsprojekt haben vier Menschen mit Behinderung eine Arche aus Holz gebaut. Von Freitag an geht das Schiff auf Tour und ist an verschiedenen Orten in Stuttgart zu sehen.

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Stuttgart - Nur der Anker fehlt noch, sonst ist die Arche der Volkshochschule Stuttgart (VHS) startklar. Das Holzschiff ist das Ergebnis eines Inklusionsprojekts, das die VHS zusammen mit dem BHZ, einer diakonischen Einrichtung der Behindertenhilfe, und einer Spende der BW-Bank auf die Beine gestellt hat. Vier Menschen mit Handicap haben seit dem Frühsommer daran gearbeitet. Sozialbürgermeister Werner Wölfle zog erstmal ehrfurchtsvoll die Schuhe aus, bevor er das nagelneue Schiffchen bestieg und sich auf einem der Bänke niederließ. „Es ist alles noch so jungfräulich“, sagte Wölfle. Mit dem hellen Holz und dem kunstvoll bemalten Logbuch wirkt die zweieinhalb Meter lange Arche sehr filigran.

Kein Wunder, denn mit Ismael Younis hat ein Künstler an dem Projekt mitgewirkt. Die Arbeiten des 49-jährigen Rollstuhlfahrers hängen bereits an vielen Stuttgarter Orten wie dem Marienhospital oder dem Gesundheitsamt. Beim Projekt Arche war er für die Feinheiten zuständig, seine Mitstreiter Oliver Cimpoaca, Kubilay Adigüzel und Sebastian Hrisohoidis haben gesägt und geschliffen. „Jeder Mensch hat seinen eigenen Stil, jeder Mensch kann etwas“, sagte Max Strecker, VHS-Dozent und Leiter der Holzwerkstatt. Diesem Motto folge er in den Erwachsenenkursen, und das gleiche gelte für die Arbeit mit behinderten Menschen. „Man muss ehrlich mit den Leuten umgehen, nicht mit Mitleid daherkommen. Dadurch bekommt man auch viel Wertschätzung zurück“, so Strecker, der seit drei Jahren an den Inklusionsprojekten der VHS mitwirkt. Die Arche zeige, dass die VHS die Herausforderung Inklusion angenommen habe, sagte Werner Wölfle. Die Zusammenarbeit der Stuttgarter Einrichtungen sei ein Idealfall. Nicht zuletzt gefalle ihm das Projekt, weil man mit einem nachwachsenden Rohstoff gearbeitet habe, scherzte Wölfle.

Erster Ankerplatz ist der Marienplatz

Die Arche habe als Symbol für Inklusion nahegelegen, erklärte VHS-Direktorin Dagmar Mikasch-Köthner. Denn sie stehe für einen Ort, an dem alle Platz hätten und zusammenwirkten. Raus aus der eigenen Werkstatt, mittenrein in ein Umfeld mit vielen fremden Menschen – das sei für die vier Männer eine tolle Erfahrung gewesen, sagte Lea Enßle, die beim BHZ für das Modul Holz zuständig ist. In dem Projekt Arche hätten die Teilnehmer umsetzen können, was sie im BHZ lernen, so Enßle. Besonders schön sei, dass ihre Arbeit künftig in ganz Stuttgart sichtbar sein werde.

Denn die Arche versauert nicht in der Werkstatt, sondern wirft ihren hölzernen Anker an verschiedenen Orten in Stuttgart aus. Los geht es am Freitag, 22. September, auf dem Marienplatz. Im Rahmen der Reihe „VHS on the road“ findet die offizielle Schiffstaufe statt. Es gibt Mitmachaktionen für Kinder und frisch gebackene Waffeln. Auch Ismael Younis kommt vorbei und gestaltet kleine Holzfischchen für die Kinder. Von Mitte November an ist im Treffpunkt Rotebühlplatz eine Fotoausstellung von Judith Schenten zu sehen, die das Projekt von Anfang an begleitet hat.




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